Monatsbericht: Finanzkrise schlägt sich auf Bonität der Schuldner nieder - "Holprige Erholung"
Börsen-Zeitung, 16.10.2009 js Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) warnt vor einem rückläufigen Kreditangebot für Unternehmen in der Eurozone. Wie die Währungshüter im gestern veröffentlichten Monatsbericht schreiben, steht zu befürchten, dass "sich die Kreditvergabe an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften bis mindestens Anfang 2010 weiter abschwächt".
Wie die Notenbank feststellt, hat die Finanzkrise die Möglichkeiten der Banken zur Refinanzierung über Einlagen und Märkte erheblich eingeschränkt. Vor allem das Verbriefungsgeschäft habe in den vergangenen zwei Jahren erheblich gelitten. Im August 2007 kam es an den internationalen Interbankenmärkten zu erheblichen Verspannungen, die ihren Ursprung im Markt für mit Ramschhypotheken besicherte Anleihen aus den USA hatten. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September des vergangenen Jahres wuchsen sich diese Turbulenzen zu einer globalen Finanzkrise aus. Wie die EZB weiter schreibt, hat die im Abschwung deutlich gesunkene Ertragskraft der Banken deren Eigenkapitalpositionen verschlechtert und so die Bilanzen der Kreditinstitute zusätzlich belastet. Die Notenbank geht davon aus, dass diese Probleme das Angebot von Bankkrediten an private Haushalte und an den Unternehmenssektor in Mitleidenschaft gezogen haben. Diese gelte unabhängig davon, dass es plausibel sei, dass die derzeit schwache Kreditvergabedynamik der Banken vor allem auf die für einen konjunkturellen Abschwung typischerweise gesunkene Nachfrage der Unternehmen nach Darlehen zurückzuführen sei. Die Aussichten auf Besserung sind dabei trübe. Die EZB erwartet, dass sich die wegen der tiefen Rezession verschlechterte Bonität der Unternehmen negativ auf die Qualität der Kreditnachfrage auswirkt. Dies habe "die Fähigkeit und Bereitschaft der Banken zur Kreditgewährung weiter gemindert", heißt es im Monatsbericht. Auch die Stabilisierung der Konjunktur helfe dabei vorerst nicht viel, meint die EZB. Denn in einer weiteren Analyse stellen die Notenbanker aus Frankfurt "historische Gesetzmäßigkeiten" fest, die darauf hindeuten, dass das jährliche Wachstum der Kreditvergabe an private Haushalte einen leichten Vorlauf gegenüber dem der Dynamik des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufweist. Das Wachstum der Kreditvergabe an Unternehmen laufe dem BIP-Wachstum dagegen deutlich hinterher (siehe Grafik). Insofern sei es plausibel, dass die derzeit zu beobachtende konjunkturelle Stabilisierung im Euroraum mit einer allmählichen Wiederbelebung der Kreditvergabe an Privathaushalte einhergehe, während die Vergabedynamik von Darlehen an Unternehmen weiter nachlasse. Tatsächlich ist die Industrieproduktion im Euroraum im August stärker als erwartet um 0,9 % gegenüber dem Vormonat gestiegen. Auch die EZB wird mit Blick auf die konjunkturelle Erholung zuversichtlicher. Zuletzt habe es Anzeichen für eine fortgesetzte Stabilisierung der wirtschaftlichen Aktivität gegeben, heißt es im Monatsbericht. Die Erholung dürfte jedoch holprig verlaufen. Angesichts dieser Entwicklung hat Bundesbank-Präsident Axel Weber Regierungen und Notenbanken davor gewarnt, mit Stützungsmaßnahmen und Konjunkturhilfen über das Ziel hinauszuschießen. Die massiven geld- und finanzpolitischen Impulse, so sie notwendig und richtig waren, könnten und dürften nicht noch weiter verstärkt werden, da sie keinen selbsttragenden Aufschwung ersetzen könnten, sagte Weber am Donnerstag in Münster. "Einen solchen erwarte ich aber erst Mitte kommenden Jahres und auch dann nur mit einer eher verhaltenen Dynamik", betonte Weber, der Sitz und Stimme im EZB-Rat hat.
Börsen-Zeitung, 16.10.2009,
Autor js Frankfurt,
Ausgabe Nr. 199,
Seite 6, 470 Worte
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