Nach außen lässt man sich nichts anmerken. Die Ehe des seit 2005 vermählten Traumpaars Sal. Oppenheim und BHF-Bank hat de jure noch Bestand. De facto leben beide getrennt von Tisch und Bett. Freunde hatten schon im Frühjahr Verdacht geschöpft, als die BHF-Bank sich nicht mal mehr auf einer eigenen Bilanzpressekonferenz präsentieren durfte. Längst weiß man, warum: Der größere Partner hätte im Vergleich eine allzu traurige Figur gemacht. Inzwischen ist eine Polygamie mit der Deutschen Bank beschlossene Sache, zumindest auf Zeit. In welchen Hafen der Ehe die BHF-Bank auf Dauer einlaufen wird, bleibt freilich abzuwarten. Das scheint für die Deutsche Bank, die gemäß dem Ende Oktober unterzeichneten Rahmenvertrag die Gruppe Sal. Oppenheim für knapp 1 Mrd. Euro übernehmen wird, nicht das vordringlichste Problem zu sein. Mit der Sanierung des in desolater Verfassung befindlichen luxemburgisch-kölnischen Bankhauses, der Sicherung der wertvollen Kundenbeziehungen und dem Weiterverkauf des Investment Banking von Oppenheim hat die Deutsche Bank erst einmal alle Hände voll zu tun. Die BHF-Bank, selbst 1970 aus der durchaus gelungenen Verbindung von Berliner Handels-Gesellschaft und Frankfurter Bank entstanden, hatte und hat einfach kein Glück mit ihren späteren Beziehungskisten. Der Ende der neunziger Jahre eingegangene, intern von Anfang an vehement umstrittene Bund mit der niederländischen ING: ein fünfjähriges Missverständnis zweier kulturell inkompatibler Partner. Dann der heftige Umarmungsversuch der Commerzbank, der die BHF-Bank zu erdrücken drohte und den sie deshalb erbittert abwehrte, bis 2004 mit Sal. Oppenheim der vermeintliche Traumprinz gefunden war. Fünf Jahre später tobt hinter den Kulissen der Rosenkrieg - aus Sicht der Frankfurter leicht erklärlich: Die BHF-Bank - neben der Edelmarke Sal. Oppenheim und deren Vermögensverwaltungskunden vermutlich das einzige werthaltige Asset in Europas größter "unabhängiger" Privatbankengruppe - und ihre konzernweit rund 2 000 Beschäftigten müssen wieder einmal befürchten, Opfer strategischer Entscheidungen zu werden, die andernorts getroffen werden. Unter der Oppenheim-Ägide arbeitete die BHF-Bank im Rahmen einer Zweibankenstrategie weitgehend selbständig, was dem Geschäft und den Ergebnissen sichtlich gutgetan hat. Dass dieser Status in der immer bunter werdenden Familie der Deutschen Bank aufrechterhalten werden kann, muss als unrealistisches Szenario gelten. Zum einen wäre eine weitere Marke neben Oppenheim selbst der multikulturellen Deutschen Bank auf Dauer des Guten zu viel. Zum anderen ist die BHF-Bank - aktiv auf Geschäftsfeldern wie Private Banking und Asset Management, Kapitalmärkte und Corporate Finance - in mancher Hinsicht eine Art winzige Deutsche Bank ohne Retail Banking. Da böte es sich an, die BHF-Einheiten als willkommene Ergänzung einfach an die vorhandenen Bereiche der Deutschen anzudocken. Die Alternative ist der Weiterverkauf. Erpicht ist die Deutsche auf die BHF-Bank zweifellos nicht, sonst hätte sie ja schon früher zugegriffen. In intaktem Zustand ließe sich für "die deutsche Merchantbank", wie sich die Frankfurter einst definierten, wohl der größte Wert realisieren. Deren Eigenkapital betrug zuletzt deutlich über 600 Mill. Euro. Fände sich ein Erwerber auf dieser Basis, könnte die Deutsche Bank den für sie wirklich interessanten Teil der Oppenheim-Gruppe fast für lau erstehen, selbst wenn die zum Verkauf gestellten Investment-Banking-Aktivitäten keinen nennenswerten Preis brächten. Da ließe es sich sogar verschmerzen, dass durch den Weiterverkauf der BHF-Bank auf das bei dieser liegende knappe Drittel des Oppenheim-Kundenvolumens von 135 Mrd. Euro verzichtet würde. Aber wer soll der Käufer sein? Die liechtensteinische LGT Group hat schon mal sachte den Finger gehoben. Das könnte passen. Beide Partner würden sich etwa auf Augenhöhe begegnen und geschäftlich gut ergänzen; namentlich die Fürstenbank würde durch diesen Zusammenschluss ihr dank der Zumwinkel-Affäre arg lädiertes Image wieder aufpolieren. Von fortgeschrittenen Gesprächen über eine wie auch immer gestaltete Partnerschaft BHF/LGT kann aber offenbar noch keine Rede sein. Doch ist Liechtenstein nicht die einzige Option, wenn sich die Deutsche Bank eines Tages konkret dem Thema BHF-Bank nähert. Da gibt es zum Beispiel in Frankfurt mit der Helaba eine Landesbank, die bisher gut durch die Finanzkrise gekommen ist, deren Chef aus seiner Zeit als Wirtschaftsprüfer manches Institut sehr vertraut ist und deren Verwaltungsratsvorsitzender einst Oberbürgermeister von Offenbach war, wo die BHF-Bank in den neunziger Jahren ihr Technisches Zentrum hingestellt hat. Man kennt sich, man schätzt sich. Eine den Privatbankcharakter erhaltende Kombination ungefähr nach dem Muster LBBW/BW-Bank könnte für alle Beteiligten reizvoll sein. Auszuschließen ist aber auch nicht, dass einer der Superreichen aus dem kleinen, doch sehr feinen Kundenkreis der Oppenheim-Gruppe auf die Idee kommt, sein Vermögen in eine attraktive Privatbank zu diversifizieren. Welche Lösung auch immer: Für die BHF-Bank sollte es endlich mal eine dauerhafte sein. Denn unter ständigen Mesalliancen leiden Banken ebenso wie Menschen.
(Börsen-Zeitung, 10.11.2009)
Börsen-Zeitung, 10.11.2009,
Autor Bernd Wittkowski,
Ausgabe Nr. 216,
Seite 8, 728 Worte
URL zum Artikel: http://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2009216086