Geldmarkt und Devisen: Britisches Pfund im freien Fall
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Geldmarkt und Devisen: Britisches Pfund im freien Fall
Saxo Bank hält Rückgang auf Rekordtief von 1,05 Dollar für möglich - Warnung vor Inflation
Börsen-Zeitung, 3.3.2010 bal Frankfurt - Das britische Pfund ist gestern im Vergleich zum Dollar den sechsten Tag in Folge gefallen. Am frühen Abend stand die Währung bei 1,4937 Dollar. Auch zum Euro verlor die britische Devise im Tagesverlauf leicht an Wert. Das Gemeinschaftsgeld stieg auf 0,9078 Pfund. Bis zum Rekord vom Dezember 2008, als der Euro 0,9799 Pfund erreichte, ist damit aber noch Luft. Nick Beecroft, Währungsstratege beim internationalen Online-Investmenthaus Saxo Bank, hält in den kommenden zwölf Monaten allerdings "die Parität des Pfund zum Euro für wahrscheinlich", wie er der Börsen-Zeitung mitteilte. Der Euro werde im Jahresverlauf jedoch einen Überlebenskampf führen müssen, was seinen Anstieg abschwäche. Anders beim Greenback: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir das Pfund innerhalb der nächsten sechs Monate unter 1,20 Dollar fallen sehen", so Beecroft. Der Analyst hält sogar einen Fall der britischen Währung unter das Allzeit-Tief aus den achtziger Jahren für möglich. Damals stand das Pfund bei 1,05 Dollar. Beecroft warnt vor einer Mischung aus Staatspleiten, platzenden chinesischen Blasen, einem Rückfall in die Rezession und abstürzenden Aktienmärkten.
Gefahr durch Übernahme
Von den Aktienmärkten kommt derzeit eine weitere Gefahr für das Pfund. Wie am vergangenen Wochenende bekannt wurde, will das britische Versicherungsunternehmen Prudential das Asien-Geschäft des durch die Finanzkrise schwer gebeutelten amerikanischen Versicherers AIG übernehmen. Die Übernahme von American International Assurance (AIA) durch Prudential soll 35 Mrd. Dollar kosten. Saxo-Experte Beecroft fragte gestern in einem Kommentar: "Wie viele Sterling-Verkäufe an den Devisenmärkten wird das Geschäft mit sich bringen, um diese Dollar aufzubringen?" Auf der britischen Währung lastet derzeit auch die Unsicherheit über den Ausgang der Unterhauswahl im Mai. Es besteht die Gefahr, dass keine der großen Parteien eine Mehrheit erringt. Ohne klare politische Führung dürfte es Großbritannien aber noch schwerer fallen, seine enormen ökonomischen Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Die Analysten der Citigroup schrieben: "Eine konservative Minderheitsregierung könnte keine beständige Koalition mit den Liberaldemokraten erreichen, weil Letztere auf einer Reform des Wahlrechts beharren." Die Folgen für das Sterling und die britischen Staatsanleihen seien "möglicherweise grauenvoll". Der Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, sorgt sich weiterhin um die britische Konjunktur und hält sich die Option offen, mit Hilfe der Geldpolitik abermals stützend einzugreifen. Nick Beecroft warnt vor der "klassischen Lösung", um einen Berg von Staatsschulden abzubauen: Inflation und Abwertung durch eine ultralockere Geldpolitik: "Angespannte Finanzen, wackelige Währung - die traditionelle Todesglocke für jede Währung."
Ruhe am Geldmarkt
Das größte Problem sei die Staatsverschuldung. Der Versuch, die hohe Privatverschuldung, die das Bankensystem an den Rand des Untergangs getrieben habe, mit Hilfe von Staatsschulden zu lösen, erweise sich jetzt als "Hirngespinst". Das Problem sei nicht gelöst, sondern lediglich verschoben worden. Das werde den Märkten nun allmählich klar, wie die Angst um Griechenland zeige. "Das Vereinigte Königreich mit ähnlichem Schuldenprofil könnte als Nächstes an der Reihe sein." Der Euro ging gestern Abend im Vergleich zum Vortag nahezu unverändert für 1,3571 Dollar um. An Eurolands Geldmarkt herrscht unterdessen weiter Ruhe. Der Drei-Monats-Euribor, Eurolands wichtigster Interbankenzinssatz, stand unverändert bei 0,655 %. Tagesgeld ging Händlern zufolge bei 0,26 % bis 0,29 % um. Erst ab einer Laufzeit von neun Monaten nähere sich der Satz am unbesicherten Interbankenmarkt dem Niveau des Leitzinses von 1 %, wobei unbesicherte Geschäfte weiterhin deutlich weniger stattfänden als vor der Krise. Die monatliche Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag werde daran nichts ändern. Beim Wochentender der EZB wurden 80 Mrd. Euro zugeteilt. In der Einlagenfazilität der EZB, wo Banken über Nacht überschüssige Gelder parken können, lagen per Montag 217 Mrd. Euro. Der laufende Durchschnitt des Zentralbank-Guthabens übertraf das Mindestreserve-Soll um 20 Mrd. Euro. Die Geldmarkt-Analysten der WGZ Bank schrieben angesichts der Überschussliquidität in einem Bericht: "Mit diesem Polster wird die Einlagenfazilität in den nächsten Tagen noch stärker in Anspruch genommen werden als zuvor." Zudem sei am kommenden Dienstag mit dem Ende der laufenden Mindestreserve-Periode ein liquiditätsabschöpfender Schnelltender zu erwarten. ---- - Kommentar zum Pfund Seite 1
Börsen-Zeitung, 03.03.2010,
Autor bal Frankfurt,
Ausgabe Nr. 42,
Seite 17, 642 Worte
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