Investmentfonds: Besser positioniert in der zweiten Reihe
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Besser positioniert in der zweiten Reihe
Mit ausgewählten deutschen Small und Mid Caps können Anleger die Zukunftschancen der Schwellenländer nutzen - mehr, als vielen bewusst ist
Börsen-Zeitung, 24.11.2012Die zurückliegende Dekade hat bei vielen Anlegern den Ruf eines "verlorenen Jahrzehnts der Aktie". Auf den ersten Blick mag das stimmen, denn viele große Indizes wie etwa der Euro Stoxx 50 sind in dieser Zeit per saldo zurückgegangen oder haben so wie der Deutsche Aktienindex Dax nur ein kleines Plus vorzuweisen. Doch bei einer differenzierten Betrachtung des deutschen Aktienmarktes ändert sich das Bild.Small und Mid Caps haben hier den Investoren deutlich bessere Ergebnisse gebracht als die großen Standardtitel à la Daimler, Deutsche Bank & Co. Kleine und mittlere Aktiengesellschaften haben auf einen Betrachtungszeitraum von zwölf Jahren (Stand: Juni 2012) in zehn dieser zwölf Jahre eindeutig besser abgeschnitten als Large Caps. So stieg beispielsweise der MDax innerhalb seiner letzten Aufschwungphase im Jahr 2010 um rund 35 %, wohingegen der Dax "nur" ein Plus von 16 % für diesen Zeitraum vorzuweisen hat. Auch in der nachfolgenden Baisse-Phase haben sich Small und Mid Caps vergleichsweise besser gehalten als die Dax-Titel. Wirtschaftlich solideEine fundamentale Erklärung für die divergierende Performance der beiden Indizes ist, dass im MDax viele marktführende Unternehmen aus dem Industriesektor mit einem hohen Internationalisierungsgrad vertreten sind. Zahlreiche kleinere und mittlere Unternehmen verfügen zudem über wichtige Absatzmärkte in den Schwellenländern. Viele dieser Emerging Markets sind von den rezessiven Folgen der Finanzkrise und aktuell der europäischen Schuldenkrise jedoch weit weniger betroffen als die Volkswirtschaften der Industrieländer. Zahlreiche Small und Mid Caps stehen daher wirtschaftlich sehr solide da und gehören zu den ertrags- und eigenkapitalstärksten Unternehmen in Deutschland. Zudem verfügen sie im Vergleich zu Large Caps oftmals über bessere Kennzahlen in puncto Kapitalrendite, Profitabilität und auch bei der Bilanz.Ein Investment in deutsche Small und Mid Caps ist also zweifellos attraktiv für Anleger. Warum haben dann viele von ihnen die Aktien der zweiten Reihe nicht auf ihrem "Radar"? Die Antwort ist simpel: Verglichen mit den 30 großen Dax-Titeln fällt der Kosmos der deutschen Small und Mid Caps ungleich größer aus. Es kostet dementsprechend viel Zeit und Mühe, dort die attraktivsten Titel zu selektieren. Viele Aktieninvestoren konzentrieren sich daher lieber auf die großen Standardtitel, zumal auch die Analysten-Coverage bei den meisten Small und Mid Caps recht mager ausfällt.Aus Sicht der Anleger ist dies eine nachvollziehbare Entscheidung - allerdings eine, die Geld kosten kann. Denn sie riskieren damit, die besten Investmentchancen links liegen zu lassen. Schließlich finden sich in dem heterogenen Feld der kleinen und mittleren Unternehmen viele lokale Champions, die in einer Nische stark sind. Süss Microtec, führender Ausrüster für hochpräzise Lösungen im Bereich Mikrostrukturierung in der Halbleiterindustrie, ist ebenso ein Beispiel dafür wie der Softwareentwickler Nemet schek, der den deutschen Markt für Architektursoftware dominiert.Überhaupt ist die IT-Branche für Anleger, die in Small und Mid Caps investieren wollen, vergleichsweise attraktiv. Der Sektor hat hohe Markteintrittsbarrieren, und zahlreiche dortige Unternehmen verfügen über ein solides Geschäftsmodell mit starker Kundenbindung. Denn häufig wird nicht nur die Lizenz verkauft, sondern auch Wartungsverträge, die unter anderem die regelmäßig notwendigen Updates umfassen. Die wiederkehrenden Erlöse aus den Wartungsverträgen sind hochprofitabel und können bis zu 40 % am Gesamtumsatz von Softwareunternehmen ausmachen.Ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Zukunft wird jedoch auch sein, inwieweit es Unternehmen gelingt, ihren Exportanteil in Richtung der Schwellenländer auszubauen oder diese Märkte überhaupt zu adressieren. Denn makroökonomische und sektorale Themen wie Urbanisierung, Bevölkerungswachstum, Aufstieg der Mittelklasse und Ressourcenknappheit werden in den kommenden Jahren das internationale Wirtschaftsgeschehen beeinflussen. Anlagechancen bieten damit vor allem diejenigen Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell auf einen oder mehrere dieser Megatrends ausgerichtet haben und damit von dem strukturellen Wachstum profitieren.Ein Beispiel dafür ist SMT Scharf. Das Unternehmen hat sich auf die Transporttechnik im Untertage-Bergbau mit entgleisungssicheren Bahnsystemen fokussiert. Dementsprechend profitiert der Konzern vom Boom der Schwellenregionen mit hohem Rohstoffvorkommen. Fast zwei Drittel des Umsatzes entfallen bereits auf das Geschäft in Russland, China und Südafrika. Stärkere KursschwankungenSmall und Mid Caps bieten Anlegern aber nicht nur höhere Renditechancen, sie sichern das Depot auch besser gegen Börsenturbulenzen ab. Denn ein Aktienportfolio, das neben Standardtiteln auch Titel der zweiten Reihe enthält, ist breiter diversifiziert. Wo höhere Chancen bestehen, gilt es allerdings auch, größere Risiken zu beachten. Die Kurse von Small und Mid Caps schwanken deutlich stärker als die der Standardaktien, denn Nebenwerte werden aller Erfahrung nach von den Anlegern schneller verkauft, wenn die Nervosität an den Finanzmärkten zunimmt und die Investoren in Qualität und sichere Anlagen flüchten.Die in vielen Fällen geringe Liquidität verstärkt dabei noch das Risiko unkalkulierbarer Kurssprünge. Für den Anleger wichtiger zu beachten als die kurzfristigen Kursschwankungen ist jedoch das Unternehmensrisiko. Viele kleinere Unternehmen haben nur ein Produkt in ihrem Portfolio. Die starke Spezialisierung auf eine Nische kann sich dann nachteilig auswirken, wenn zum Beispiel ein wichtiger Markttrend verpasst wird. Diszipliniert vorgehenAm Ende gilt es somit, die Qualität des Geschäftsmodells beziehungsweise des Unternehmens zu analysieren und dabei die Frage zu klären, wie sich ein Unternehmen langfristig in "seinem" Markt positionieren will. Die Gewinner von morgen werden schließlich diejenigen Firmen sein, die in der Lage sind, weiterhin innovative Produkte und Techniken an den Markt zu bringen. Ein konsistenter, analytisch orientierter Investmentansatz, der diszipliniert verfolgt wird, ist die Voraussetzung, um als Anleger mit Small und Mid Caps zum Erfolg zu kommen.Dazu zählt eine eingehende Analyse des Geschäftsmodells ebenso wie eine sichere Bewertung der Qualität des Managements. Nicht zuletzt ist ein genauer Blick in die Jahresabschlüsse und auf die bisherige Entwicklung der einschlägigen Bilanz- und Erfolgskennzahlen wie etwa Verschuldung, Rentabilität und Profitabilität wichtig. Peergroup-Analysen, Discounted-Cash-flow- und Enterprise-Value-Modelle sind dabei wesentliche Hilfsmittel für die Unternehmensbewertung. Ergänzt werden diese durch laufendes Risikomanagement und regelmäßige Unternehmensbesuche beziehungsweise Kontakte zum Management. So lassen sich zeitnah Entwicklungen und Veränderungen im Unternehmen gut einschätzen. Hoher AnalyseaufwandDas Nebenwerte-Segment bietet also interessante Investmentchancen. Allerdings ist das Segment mit vielen Unternehmen sehr breit gefächert. Eine Analyse ist mit einem entsprechenden Aufwand verbunden. Privatanleger, die diesen Aufwand nicht scheuen, können hier gute Unternehmen finden. Meist werden dann Aktien einiger weniger Unternehmen gekauft. Damit steigt jedoch für Anleger das Einzeltitelrisiko stark an. Über Fondslösungen können private Investoren dieses Risiko umgehen, da sie in ein breites Portfolio von 40 bis 60 Nebenwerten investieren. Erfreulicher Nebeneffekt: Auch der Analyseaufwand reduziert sich bei einem Fondsinvestment letztlich auf die Auswahl des passenden Fonds.
Börsen-Zeitung, 24.11.2012,
Autor Christoph Gebert, Fondsmanager für deutsche und europäische Small und Mid Caps bei Warburg Invest,
Nummer 228,
Seite B 10, 1009 Worte