150 Jahre verteilt auf elf Kilometer
150 Jahre verteilt auf elf Kilometer
Von Stefan Paravicini, BerlinDie Deutsche Bank feiert in diesem Jahr ein Jubiläum. Doch die Gratulanten zum 150. Geburtstag dürften erst einmal auf Abstand bleiben. Die Vorstellung des Jubiläumsbandes “Deutsche Bank: Die globale Hausbank 1870-2020″, die in diesen Tagen eigentlich in der Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin stattfinden sollte, ist der Corona-Pandemie jedenfalls schon zum Opfer gefallen.Für die Deutsche Bank ist es freilich nicht der erste runde Geburtstag, der in unruhige Zeiten fällt, erklärt Werner Plumpe, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Frankfurt, der den im Propyläen-Verlag erscheinenden Jubiläumsband zusammen mit den Kollegen Alexander Nützenadel, Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität Berlin, sowie Catherine R. Schenk, Professorin für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Oxford, ausgearbeitet hat.”Zu den Kuriosa der Bankgeschichte zählt, dass ihre Jubiläen immer in turbulente Phasen fallen”, sagt Plumpe. Das dürfte freilich auch für Marktbeobachter ohne ausgewiesene historische Kenntnisse wenig überraschend kommen. Turbulent war es bei der Deutschen Bank zuletzt jedenfalls auch abseits von Jubiläen.”Der 50. Geburtstag 1920 fiel in die Zeit der großen Inflation, 75 Jahre feierte die Bank zur Zeit des Desasters des NS-Regimes”, erinnert Plumpe. Nur die Jubiläen in den Jahren 1970 und 1995 habe die Bank in friedlichen Zeiten begehen können. “Dieses Mal ist es das Coronavirus, das alles durcheinander bringt”, bedauert Plumpe.Anlässlich von 125 Jahren Deutscher Bank hatte das Institut ebenfalls renommierte Historiker gebeten, in den Archiven zu graben. Herausgekommen war damals eine “sehr schöne Studie, die das Politische in den Vordergrund stellte”, erklärt Plumpe. Im jetzt vorgelegten Band geht es den Autoren vor allem darum, “die Bank “als einen internationalen Akteur zu rekonstruieren”. So werde Vieles in der Geschichte der Deutschen Bank klar, was man anhand einzelner Daten und Ereignisse nicht begreife, sagt Plumpe, der wie seine Kollegen ungehinderten Quellenzugang hatte und mit Unterstützung des historischen Archivs der Bank auf mehr als elf Kilometer Akten zugreifen konnte.”Ganz zum Schluss wird man vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen sicher nicht davon sprechen können, dass die 150 Jahre in eine Erfolgsgeschichte in der Gegenwart gemündet sind”, fasst Plumpe seine Erkenntnisse zusammen. “Dass die Bank überhaupt noch existiert, zeigt aber ein hohes Maß an Resilienz, mit Krisen umzugehen.”——Drei Historiker legen den Jubiläumsband zur langen Geschichte der Deutschen Bank vor. ——