HauptversammlungDeutsche Börse

Aktionäre kritisieren virtuelle Hauptversammlung

Auf der Hauptversammlung ist der Vorstand der Deutschen Börse von ihren Anteilseignern mit Lob überschüttet worden. Allerdings gab es Kritik am virtuellen Format.

Aktionäre kritisieren virtuelle Hauptversammlung

Börse-Aktionäre kritisieren virtuelle HV

Ruf nach hybridem Format – Deka nimmt an Bewertung der Simcorp Anstoß

ck Frankfurt

Auch auf der diesjährigen Hauptversammlung (HV) ist der Vorstand der Deutschen Börse von ihren Anteilseignern mit viel Lob überschüttet worden. Insbesondere die anhaltend gute Geschäftsentwicklung wurde in den Reden der Hauptversammlungsdebatte positiv hervorgehoben und das spiegelte sich auch im Abstimmungsverhalten wider. Bei einer Teilnahme von 78,7% des Grundkapitals wurden Vorstand und Aufsichtsrat von 99,6% und 99,4% der gültig abgegebenen Stimmen entlastet.

Allerdings gab es Kritik an dem virtuellen HV-Format. Redner der Deka Investment, der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) beklagten die erneut virtuell abgehaltene HV und plädierten für ein hybrides Format. Entsprechend kündigten sie auch an, gegen eine bis 2025 befristete Ermächtigung des Vorstands zur Abhaltung virtueller HVs zu stimmen. „Einer Ermächtigung zur Durchführung von virtuellen Hauptversammlungen für einen längeren Zeitraum als einem Jahr werden wir nicht zustimmen“, sagte Andreas Thomae, Spezialist Nachhaltigkeit und Corporate Governance der Deka Investment. Aktionäre sollten selbst entscheiden können, ob sie virtuell oder vor Ort an der Hauptversammlung teilnehmen.

Vorstandsfernsehen

„Nach drei Jahren Distanz-HV haben wir erwartet, dass Sie die HV 2023 wieder in Präsenz stattfinden lassen“, sagte Markus Kienle, Mitglied des Vorstands der SdK. „Eine virtuelle HV, die bei näherer Betrachtung mangels vollständiger Interaktivität gar keine virtuelle, sondern eher eine digitale HV ist, kann die wichtige Funktion als Stimmungs-Seismograf nicht erfüllen. Der direkte Austausch mit den Aktionären, untereinander und mit der Verwaltung, fehlt, und damit auch die direkte Rückkopplung. Die Teilnahme bleibt damit weitgehend passiv.“ Trotz vereinzelter virtueller Elemente bleibe der Aktionär beim virtuellen Format Zaungast, der bei Bedarf zugeschaltet werde, und die HV degeneriere zum Vorstandsfernsehen. Dennoch stimmte eine Mehrheit der Ermächtigung zur Abhaltung virtueller HVs zu. Allerdings erhielt sie mit 80,05% die mit Abstand niedrigste Zustimmung aller Tagesordnungspunkte. Die Entscheidung zur Abhaltung einer virtuellen HV sei unter Abwägung der Interessen der Gesellschaft und der Aktionäre erfolgt, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Jetter. Hiermit werde der direkte Austausch mit den nationalen und internationalen Aktionären ermöglicht. Das sei gerade für die Deutsche Börse mit ihren stark internationalen Aktionären sehr wichtig.

Im Fokus stand auch das kürzlich angekündigte Gebot für den dänischen Finanzsoftwareanbieter Simcorp. Thomae bezeichnete das Unternehmen als ein gut aufgestelltes Softwareunternehmen für Middle- und Back-Office-Lösungen im Investment-Management-Geschäft. „Hier haben Sie aber tief in die Tasche greifen müssen und eine hohe Bewertung in Kauf genommen. Ob sich das auszahlt, bleibt abzuwarten.“