HAUPTVERSAMMLUNG UND ZAHLEN DER ALLIANZ

Aktionäre stärken Allianz-Chef Bäte den Rücken

Aufsichtsratschef Perlet lobt Erneuerungsprogramm - Hauptversammlung mahnt zu Vorsicht bei Akquisitionen - Kritik an Vergleich mit Ex-Pimco-Chef

Aktionäre stärken Allianz-Chef Bäte den Rücken

Aufsichtsrat und Aktionäre geben Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte volle Rückendeckung für seinen Erneuerungskurs. Er solle sich durch interne Widerstände nicht vom Kurs abbringen lassen, so der Tenor auf der Hauptversammlung. Die Anteilseigner sorgten sich außerdem, dass der Konzern Firmen zu teuer zukaufen könnte. Bei einer Präsenz von 41 % gab es in der Abstimmung nur bei der Aufsichtsratswahl Ausreißer mit weniger als 90 % Zustimmung.mic München – Der scheidende Allianz-Aufsichtsratschef Helmut Perlet stärkte Vorstandschef Oliver Bäte auf der sechsstündigen Hauptversammlung demonstrativ den Rücken. Vor 3 200 Aktionären im Saal und rund 800 weiteren Teilnehmern der Internet-Übertragung räumte er in seinem Auftakt-Statement ein, es könne der Eindruck entstanden sein, dass bei der Umsetzung der Strategie nicht an einem Strang gezogen werde. Tatsächlich stoße die Strategie jedoch nicht nur im Aufsichtsrat, sondern auch in der Organisation auf breite Zustimmung.Allerdings sei richtig: “Es gibt auch in erfolgreichen Unternehmen immer einige Leute, die die Notwendigkeit zur Weiterentwicklung aufgrund eines rasch veränderten Umfeldes nicht erkennen oder nicht erkennen wollen.” Bäte zeigte sich erfreut. “Danke für Ihre aufmunternden Worte”, so seine Replik zum Beginn seiner Rede. Er erklärte zugleich: “Wandel geht nur mit unseren Mitarbeitern.”Rückendeckung erhielt Bäte auch von den Aktionären, es fiel kein einziges kritisches Wort zum Erneuerungsprogramm. Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment lobte Bäte, er habe die Zeichen der Zeit erkannt und mit der “Renewal Agenda” einen Umbau gestartet, um die Allianz aus einer Position der Stärke heraus fit zu machen für das digitale Zeitalter. An den Vorstandschef gewandt, fuhr er fort: “Lassen Sie sich nicht durch interne Widerstände von Ihrem Kurs abbringen.”Es dürfe bei dem Konzernumbau auch mal knirschen, solange die Motivation im Vertrieb und die Kundenzufriedenheit nicht leiden, sagte Speich. Die digitale Transformation des Geschäftsmodells biete enorme Chancen, weil es in der Zukunft vor allem auf Größenvorteile und eine starke Marktstellung ankomme.Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sagte, natürlich bringe ein Umbruch, der konsequent angegangen werde, Frustration bei Führungskräften. Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutionelle Privatanleger lobte die Kombination von Bäte (“der Revoluzzer”) mit dem künftigen Aufsichtsratschef Michael Diekmann (“der Konservative”), der bis vor zwei Jahren den Vorstand geführt hatte: “Wenn Sie so den Weg in die Zukunft finden, habe ich keine Sorge.” Daniela Bergdolt, Landesgeschäftsführerin der Aktionärsvereinigung DSW in Bayern, sagte ebenfalls, die Kombination werde der Allianz gut tun: “Ich bin gespannt, was Sie mit und aus dieser Allianz als Duo nun machen werden.” Randthema GeschäftsverlaufAusdrücklich warnten die Aktionäre davor, teure Akquisitionen zu wagen. “Lassen Sie sich bitte nicht verführen”, sagte DSW-Sprecherin Bergdolt. Speich betonte, bei der Suche nach Akquisitionszielen laufe der Allianz nichts davon. Derzeit sei der Markt leer gefegt und teuer: “Aber die Zeit arbeitet für die Allianz, und es können sich früher oder später günstige Gelegenheiten ergeben, wenn Konkurrenten ins Straucheln kommen.” Die Initiative müsse vom Verkäufer ausgehen. Für einen Konzern mit globalem Anspruch seien die Marktanteile in den Emerging Markets zu gering, mahnte er.Bäte betonte, die Akquisitionen seien in den vergangenen fünf Jahren erfolgreich gewesen. Zugleich versprach er: “Wir werden weiter Ihr Geld sehr vorsichtig einsetzen.” Die Allianz werde nur Akquisitionen machen, die sich positiv auf den Gewinn pro Aktie auswirkten. Man teile die Einschätzung, dass die Preise aktuell sehr hoch seien. Auf der anderen Seite sei man in einer Konsolidierungsindustrie. Es sei wichtig, hohe Marktanteile zu haben. Daher schaue sich die Allianz in der Sachversicherung um.Mehrfach übten die Aktionäre Kritik an dem Vergleich, den die Allianz mit dem früheren Chef ihrer Fondstochter Pimco, Bill Gross, geschlossen hat. US-Medien zufolge erhält er 81 Mill. Dollar, die er spenden will (vgl. BZ vom 29. März). Buhlmann sprach von einem hohen Preis, Bergdolt äußerte sich ebenfalls kritisch. Bäte sagte, Gross habe viel für die Allianz getan. Der größte Teil der Kosten sei schon vor zwei Jahren zurückgestellt worden.Der Geschäftsverlauf der Allianz spielte in der Aussprache kaum eine Rolle. Wenn er thematisiert wurde, äußerten sich die Redner lobend. So sagte DSW-Vertreterin Bergdolt: “Die Allianz strotzt vor Kraft.” 86 Prozent für DiekmannDen Buchwert der Allianz-Tochter Oldenburgische Landesbank, die verkauft werden soll, bezifferte der Allianz-Vorstand auf 311 Mill. Euro in den Büchern der Allianz Deutschland. Im Jahr 2016 war eine Wertminderung von 87 Mill. Euro vor Steuern erfasst worden. Der Anteil der Allianz an der italienischen Bank Unicredit betrage 1 %, sagte Finanzvorstand Dieter Wemmer.Die reinen Werbeausgaben im Jahr 2016 bezifferte Bäte auf 135 Mill. Euro. Dieser Betrag werde steigen. Bäte verwies auf direktere Vertriebsformen. Außerdem sei ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag für Sponsoring angefallen.In den vergangenen zwei Jahren – die Bäte als Vorstandschef zu verantworten hat – habe sich die Beurteilung der Allianz durch die Investoren verbessert, sagte Bäte. Stärken seien ausgebaut und Schwächen reduziert worden. In der Umfrage sei die Marktpositionierung nun von 36 % als Stärke eingestuft worden, während es im Jahr 2014 nur 16 % gewesen seien. Die Marke sei von 12 % auf 24 % gestiegen, die Digitalisierung von 4 % auf 24 % und das Kapitalmanagement von 16 % auf 18 %. Als Schwächen nähmen 18 % (2014: 48 %) der Investoren Pimco wahr, 24 % (36 %) die Niedrigzinsen, 18 % (24 %) das deutsche Lebensversicherungsgeschäft und 12 % (12 %) das niedrige Ergebniswachstum. Die Hauptversammlung koste jeweils rund 300 000 Euro für Saalmiete, Sicherheit und Catering, sagte Wemmer auf eine entsprechende Frage.Die mehrfache Kritik von Aktionären daran, dass das kostenlose Nahverkehrsticket gestrichen worden sei, teilte er nicht. Es habe 25 000 Euro gekostet. Entscheidend sei gewesen, dass nur jedes dritte verschickte Ticket tatsächlich für eine Anreise zur Allianz-HV genutzt worden sei. Da sich die Essensbestellungen an den angeforderten Tickets orientiert hätten und damit zu üppig ausgefallen seien, sei dieser Service auch eingestellt worden. Weiter sagte Wemmer, die Allianz habe 3 000 Geschäftsberichte in deutscher Sprache und 800 in englischer Sprache gedruckt.Die vier Tagesordnungspunkte jenseits der Aufsichtsratswahl erhielten bei einer Präsenz von 41,2 % hohe Zustimmungsquoten von mehr als 98,5 %. Bei der Wahl der sieben Aufsichtsratsmitglieder (davon Perlet nur für wenige Tage) erhielten nur Diekmann mit 86 % und der frühere Adidas-Chef Herbert Hainer mit 82 % weniger als 90 %. Perlet landete mit 98 % an der Spitze.—– Wertberichtigt Seite 8