Albrecht Schmidt 80
Albrecht Schmidt 80
Von Bernd Wittkowski, FrankfurtPolitik, Gesellschaft, Wirtschaft, natürlich die Bankenwelt – Albrecht Schmidt ist in allen Themen à jour. Der frühere Chef der HypoVereinsbank (HVB) bringt sich nach wie vor in Diskussionen ein, sein Rat ist weiter vielfach gefragt, und er schreibt auch gerne mal einen Leserbrief. Zum Beispiel wenn er einen Kommentar in der Zeitung liest, an dem nach seiner Überzeugung gewisse Wertberichtigungen vorzunehmen sind. Der Autor hatte vor nicht zu langer Zeit Zweifel am Nutzen der nicht zuletzt von Aufsichtsseite empfohlenen paneuropäischen Bankenkonsolidierung angemeldet und an einige wenig rühmliche Beispiele erinnert. Prompt legte Schmidt ausführlich dar, dass und warum es doch mindestens ein positives Exempel gegeben habe, einen “Glücksfall” gar: die im Jahr 2000 eingegangene Ehe seiner HVB mit der österreichischen Bank Austria. Die sei sogar so erfolgreich gewesen, dass die italienische Unicredit später die ganze Gruppe übernommen habe.Unter Schmidts Regie war zwei Jahre zuvor schon der erste Merger unter den einst fünf deutschen Großbanken gelungen: die natürlich weit über den Freistaat hinaus wirkende Fusion von Bayerischer Vereinsbank und Bayerischer Hypotheken- und Wechsel-Bank. Damit kamen die Münchener zwar der Deutschen Bank zuvor, die drauf und dran war, die Vereinsbank zu übernehmen, doch erwies sich die “weiß-blaue Lösung” nur sehr bedingt als Glücksfall. Im Altportfolio der Hypo-Bank tauchten bald milliardenschwere Lasten aus Grundstücks- und Projektentwicklungen auf. Später hätte Schmidt, der oft das “Selbstmordkartell” der deutschen Banken “mit weitgehend kostenlosen Dienstleistungen und ausgemergelten Margen” beklagt hat und nicht zuletzt deshalb für die Schaffung größerer Einheiten warb, liebend gerne noch einen draufgesetzt: Die Commerzbank wäre nach seiner Überzeugung mit ihrem Geschäftsprofil und der regionalen Aufstellung ein optimaler Fusionspartner gewesen. Doch zwei Versuche, der zweite nicht mehr unter seiner operativen Führung, scheiterten. Stattdessen landete die HVB in den Armen von Unicredit. Schmidt stellte sich dabei offen gegen Entscheidungen seines Nachfolgers Dieter Rampl, lehnte die Übernahme im Aufsichtsrat, dem er seit 2003 vorsaß, ab und diente seine Aktien demonstrativ nicht zum Tausch an. Er wollte sich nicht damit abfinden, dass die HVB aufgekauft wurde – aus seiner Sicht obendrein klar unter Wert -, als sie sich gerade wieder von ihrer Krise erholt hatte. Schmidt ist bei guter Gesundheit. Seine Mandate wie den Aufsichtsratsvorsitz bei der Thyssen’schen Handelsgesellschaft oder die Mitgliedschaft im Beirat von J. P. Morgan Europa hat er weitestgehend aufgegeben. Geblieben sind einige Kuratoriumsmandate in Wissenschaft und Kunst. Umso mehr Zeit hat er nun für die Familie, Kultur und die geliebten Berge. Am Dienstag vollendet Schmidt sein 80. Lebensjahr.