Allianz steuert auf Rekordgewinn zu

Vorstand ist nach starkem zweiten Quartal optimistischer für Gesamtjahr - Vermögensverwaltung brilliert

Allianz steuert auf Rekordgewinn zu

Die Allianz steuert auf den höchsten operativen Gewinn ihrer Geschichte zu. Denn nach einem überzeugenden zweiten Quartal formulierte der Vorstand seine Prognose optimistischer. Er erwartet nun ein Ergebnis von maximal 11,3 Mrd. Euro. Die Investoren zeigten sich angetan. Die Aktie schloss den Xetra-Handel in einem schwachen Umfeld mit einem Plus von gut 1 %.mic München – Die Allianz lässt weiterhin ihre Muskeln spielen, wie die in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag überraschend vorgelegten Eckwerte des ersten Halbjahres zeigen. Alle drei Sparten des Münchner Versicherers erhöhten ihr operatives Ergebnis im zweiten Quartal um einen zweistelligen Prozentsatz. In der Summe stieg der Gewinn um 23 % auf 2,9 Mrd. Euro.Das starke Plus lässt die bisherige Formulierung der Prognose hinfällig werden, weil damit zum Halbjahr bereits 54 % des Mittelwertes des Zielbandes 2017 von 10,3 bis 11,3 Mrd. Euro erreicht sind. Dementsprechend setzte der Vorstand seine Erwartung nach oben: Er peilt nun das obere Ende der Spanne an. Sollte das zweite Halbjahr exakt so erfolgreich verlaufen wie die erste Hälfte, wäre auch diese Vorgabe konservativ: Dann ständen zum Jahresende 11,6 Mrd. Euro zu BucheDer bisherige Höchststand des operativen Allianz-Ergebnisses wurde 2007 erreicht. Vor dem Beginn der Finanzkrise erwirtschaftete der Versicherer 10,9 Mrd. Euro. Allerdings gehörte damals noch die Dresdner Bank zum Konzern. Ohne den Beitrag des Kreditinstituts wären es 10,3 Mrd. Euro gewesen.Zudem gilt: Je nach Rechenweise hat die Allianz den Rekord schon 2016 übertroffen. Zwar blieb das gemeldete operative Ergebnis mit 10,8 Mrd. Euro unter dem 2007er Wert. Doch der Vorstand entschloss sich zu Jahresbeginn, die Restrukturierungskosten zu den nichtoperativen Posten zu rechnen, damit die Boni des Managements durch Umbauten nicht mehr geschmälert werden und ein Hemmnis für Sparentscheidungen entfällt. Weil die Umbaukosten im vergangenen Jahr 102 Mill. Euro betrugen, errechnete die Allianz im Februar als Vergleichswert für den Geschäftsverlauf 2017 rund 10,9 Mrd. Euro.Zusätzlich wurde die Rechnungslegung im US-Lebensversicherungsgeschäft im Mai auf Marktwerte umgestellt. Wäre dies schon Anfang 2016 geschehen, hätte das operative Ergebnis 11,1 Mrd. Euro betragen – so dass dies der nun angemessene Vergleichswert ist. Die Restrukturierungskosten schlagen 2017 tatsächlich massiv zu Buche. Allein im ersten Quartal betrugen sie 120 Mill. Euro. Wenig NaturkatastrophenDer starke Anstieg des operativen Ergebnisses ist vor allem auf zwei Effekte zurückzuführen. Erstens kletterte der Umsatz um 2 % auf 30,0 Mrd. Euro. Damit sind entsprechende Skaleneffekte verbunden. Zweitens gelang es der Schaden- und Unfallversicherung, die Schadenquote deutlich zu senken. Einerseits fiel die Belastung durch Naturkatastrophen um 3,4 Prozentpunkte auf 1 %. Während diese Verbesserung zufallsbedingt bzw. potenziell nicht dauerhaft ist und zudem durch eine um 2,7 Prozentpunkte geringere Abwicklungsquote großteils konterkariert wurde, verbesserte sich – andererseits – auch die zugrundeliegende Schadenquote um 1,7 Prozentpunkte. Letztere ist durch das Management stärker beeinflussbar, so dass Verbesserungen dauerhaft wirken. In der Summe sank die kombinierte Schaden- und Kostenquote auf 93,7 % (96,4 %). Der Zielwert 2018 liegt bei höchstens 94 %.Zwei Effekte sorgten dafür, dass der Nettogewinn im zweiten Quartal deutlich stärker stieg als das operative Ergebnis: Er legte 83 % auf 2,0 Mrd. Euro zu. Erstens hatte die Entscheidung, das Südkorea-Geschäft zu verkaufen, im Vorjahresquartal zu einer Belastung von 352 Mill. Euro geführt. Zweitens sank der Steuersatz im diesjährigen Quartal von 33 % auf 27 %. In der Regel ist dies ein Zeichen für hohe Gewinne aus der steuerfreien Veräußerung von Finanzbeteiligungen – dann allerdings wäre dies nur ein Einmaleffekt. Ein Allianz-Sprecher machte hierzu keine Angaben und verwies auf die reguläre Quartalsberichterstattung am 4. August.Die Analysten erwarteten vor der Prognosejustierung im Schnitt einen operativen Gewinn von 11,0 Mrd. Euro. Die Aktie stieg zu Beginn des Börsengeschäfts um 1,9 % und beendete den Xetra-Handel mit einem Plus von 1,4 % auf 182,05 Euro. Der Dax schloss 0,8 % im Minus.Gemessen an der Erwartung des Managements sind die Lebensversicherer im bisherigen Jahresverlaufs die Champions im Allianz-Konzern. Sie haben nach der ersten Jahreshälfte bereits rund 58 % des mittleren Prognosewertes 2017 abgeliefert. Im zweiten Quartal erhöhten sie das operative Ergebnis um 12 % auf 1,1 Mrd. Euro. Die Neugeschäftsmarge, die als Indikator für die Werthaltigkeit der jüngst verkauften Policen gilt, stieg von 2,6 % auf 3,4 %.Fast exakt auf dem anteiligen Weg zum mittleren Prognosewert 2017 sind dagegen die Sachversicherung und das Assetmanagement. Trotzdem sticht die Vermögensverwaltung heraus, die im zweiten Quartal das operative Ergebnis um 17 % auf 584 Mill. Euro steigerte. Sie erhöhte nicht nur das verwaltete Vermögen um 8 % auf 1,4 Bill. Euro, sondern erzielte vor allem auf Quartalsbasis den höchsten Nettomittelzufluss ihrer Geschichte. Sie sammelte 55 Mrd. Euro ein. In den drei Quartalen zuvor war es addiert nur die Hälfte gewesen, nachdem zuvor hohe Abflüsse verkraftet werden mussten.