An der energetischen Sanierung scheiden sich die Geister

Die Vorteile für die Hauseigentümer sind offenkundig

An der energetischen Sanierung scheiden sich die Geister

Bernd HertweckVorstandsvorsitzender der Wüstenrot Bausparkasse AGBaden-Württemberg ist nicht nur das Land der Häuslebauer, sondern hier steht im Ort Wüstenrot auch die Wiege des Bausparens. Welche Faktoren und Trends aber werden in den kommenden Jahren das Bausparen und die Baufinanzierung bestimmen? Die Wüstenrot Bausparkasse hat vor diesem Hintergrund beim Forschungsinstitut F+B in Hamburg eine bundesweite, repräsentative Befragung unter Hauseigentümern zum Thema “energetische Sanierung” in Auftrag gegeben, die für die Entwicklung im Bereich Modernisierungsfinanzierung wertvolle Erkenntnisse erbracht hat. Die Ergebnisse stimmen teils optimistisch, teils zeigen sie aber auch, dass noch ein steiniges Stück Weg bis zum Ziel “nahezu klimaneutraler Gebäudebestand” im Jahr 2050 vor uns liegt.Zunächst ist festzuhalten, dass es in den vergangenen Jahren nicht gelungen ist, die Sanierungsrate im privaten Wohngebäudebestand annähernd auf ein Niveau zu heben, das erforderlich wäre, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung tatsächlich zu erreichen. Dafür wären statt bisher 1 % pro Jahr mindestens 2 % erforderlich. Dabei sind die Vorteile für die Hauseigentümer von der Sache her offenkundig: Sie nehmen einmal richtig Geld in die Hand, dämmen ihre Häuser, bauen neue Fenster, eine moderne Heizung und eventuell eine Lüftung ein. Damit sparen sie langfristig Geld, wohnen behaglicher, steigern den Wert ihrer Immobilie und tun zugleich noch etwas fürs Klima und nachkommende Generationen. Dabei werden sie vom Staat unterstützt, und dies nicht erst, seit die Bundesregierung im letzten Herbst das Klimapaket beschlossen hat. Warum kommt der Zug der energetischen Sanierung dennoch nicht richtig in Fahrt? Eine Ausgangsthese von Wüstenrot für die Befragung war, dass ein Großteil der Hauseigentümer noch kaum in der Kategorie “energetische Sanierung” im Sinne der oben beschriebenen ganzheitlichen Vorgehensweise denkt. Vielmehr werden in der Lebenswirklichkeit Modernisierungen doch häufig eher situativ angegangen: wenn das Dach undicht geworden ist, es durch die alten Fenster zieht oder die langgediente Ölheizung den Dienst quittiert. Im allgemeinen Teil, in dem die “energetische Stoßrichtung” für den Befragten noch nicht ersichtlich war, wurde auch erfragt, welche Punkte den Eigentümern an ihrem Haus wichtig sind. Bemerkenswerterweise sind vier der fünf als am wichtigsten erachteten Punkte solche, auf die ein hoher energetischer Standard einzahlt: “Angenehme Temperaturen im Haus im Sommer”, “Wenig Energie zu verbrauchen”, “Behaglichkeit im Winter” und “Frische Luft im Haus”.Weiterhin wurden die Hauseigentümer nach bereits durchgeführten Modernisierungsmaßnahmen befragt. 70 % gaben an, bereits einmal nennenswerte Modernisierungsmaßnahmen durgeführt zu haben. Fenster/Türen (64 %), Heizungen (61 %), Sanitär (52 %) und Dach (50 %) waren die häufigsten Nennungen, also überwiegend Dinge, die auch unter energetischen Gesichtspunkten von Bedeutung sind. Vier von fünf der “Modernisierer”, das entspricht immerhin 55 % aller Befragten, gaben explizit an, bereits energetische Maßnahmen durchgeführt zu haben.Von Bedeutung ist auch die Frage, zu welchem Zeitpunkt Modernisierungsmaßnahmen erfolgen. Hauseigentümer, die eine gebrauchte Immobilie bezogen haben, dies waren zwei Drittel der Befragten, modernisieren erwartungsgemäß direkt nach Übernahme des Hauses, nutzen also die Chance, die Baumaßnahmen noch vor ihrem Einzug durchzuführen. So sind 57 % dieser Gruppe vorgegangen. Um herauszufinden, ob sich möglicherweise bereits eine Trendwende abzeichnet, dass der Zug der energetischen Sanierung doch schon in Gang kommt, wurden die Hauseigentümer gefragt, ob sie in den nächsten zwei bis drei Jahren Sanierungen oder Modernisierungen am Haus planen. Dies bejahte immerhin rund jeder fünfte Hauseigentümer (18 %). Die häufigste genannte Maßnahme der Befragten, die nach erfolgter Begriffsklärung auch konkret im energetischen Bereich planen – dies sind über die Hälfte der Modernisierungsplaner -, war erneut der Einbau neuer Fenster (32 %), gefolgt von Wärmedämmmaßnahmen (19 %) sowie dem Einbau einer neuen Gasheizung (12 %).Durchaus eine Rolle spielt das Alter, die 65-Jährigen und Älteren sind überrepräsentiert. Ruheständler planen also – erwartungsgemäß – deutlich seltener Modernisierungen. Dies ist für die Bemühungen um die Steigerung der Sanierungsquote kein unwesentlicher Befund, denn auf 30 % aller Hauseigentümer trifft die Kombination zu, dass sie dieser Altersgruppe angehören und Häuser mit Baujahr bis 1990, die also häufig eine energetische Ertüchtigung besonders nötig hätten, bewohnen.Auf die Frage an die Hauseigentümer, die bisher nicht energetisch modernisiert haben, noch sich mit dem Thema beschäftigen, welche Gründe dies hat, antworten 58 %, dass das Haus, so wie es ist, den eigenen Wohnbedürfnissen entspricht. Dies ist ein ganz wesentlicher Punkt bei der Gesamtbetrachtung: Erst wenn mit anstehenden Generationenwechseln neue Nutzer in diese Häuser ziehen, wird das Modernisierungsgeschehen belebt, so dass diesbezüglich noch in längeren Zeiträumen zu rechnen ist. Natürlich wurden nicht nur die Nicht-Modernisierer nach ihren Beweggründen befragt, sondern auch die Modernisierer einschließlich Modernisierungsplaner. Auch hier wurden die Gründe ohne Antwortvorgaben erfragt und auch hier setzt sich ein Motiv mit 71 % Nennungen vor allen anderen ab, nämlich das, Energiekosten einzusparen. Gefolgt von immerhin 31 %, die einen Beitrag zum Klimaschutz als Beweggrund nennen. Nicht zuletzt unter dem Eindruck der massiven Fridays-for-Future-Bewegung hat die Bundesregierung im Herbst 2019 ein Klimapaket beschlossen, das ein klimaschädliches Verhalten des Weiter-so durch eine spürbare und steigende CO2-Abgabe mit Kosten belegt. Im Gegenzug werden Investitionen in Wärmedämmung und moderne Heizsysteme durch kräftige Förderzuschüsse bzw. die Möglichkeit eines Steuerabzugs belohnt. Schnell werden so fünfstellige Fördersummen erreicht.Dieses pralle Füllhorn an staatlicher Förderung könnte etliche Hauseigentümer zusätzlich motivieren, die energetische Sanierung anzupacken. Immerhin hat in der vorliegenden Befragung im Jahr 2019 jeder zweite Nicht-Modernisierer (49 %) angegeben, dass ihn eine steuerliche Anerkennung motivieren würde, zukünftig Maßnahmen durchzuführen. Die Wüstenrot Bausparkasse unternimmt derzeit große Anstrengungen, ihre Kundenberater in Sachen Klimapaket noch fitter zu machen. Ziel ist es, unsere Kunden bestmöglich über die umfangreichen neuen Fördermöglichkeiten zu informieren und Sanierungswillige zur Hinzuziehung eines Energieberaters zu motivieren. Zum Gesamtpaket gehören unter anderem noch ein umfassender Fördergeldservice sowie ein extra zinsgünstiges und unbürokratisch zu erhaltendes Klimadarlehen.Mit diesem Angebot, mit dem wir proaktiv auf unsere Kunden zugehen, ermutigt die Bausparkasse die Hauseigentümer zu entschlossenem Handeln und unterstützt sie natürlich insbesondere bei allen mit dem Vorhaben verbundenen Finanzierungsfragen nach Kräften. Auf dass der Zug mit Ziel klimaneutraler Wohngebäudebestand kräftig an Fahrt gewinnt.