Apo-Bank schaut über den Tellerrand

Neue Aktivitäten auch jenseits der angestammten Zielgruppe - Rekordhohes Kreditneugeschäft - Stabile Dividende von 4 Prozent

Apo-Bank schaut über den Tellerrand

Ermutigt durch die Markterfolge des vergangenen Jahres und getrieben durch den Wandel des Gesundheitsmarktes will die Apo-Bank ihre Position als Standesbank der Heilberufler, aber teilweise auch darüber hinaus weiter ausbauen. Der Wechsel zu einem neuen IT-Anbieter geht bis 2020 erst mal kräftig ins Geld.ski Frankfurt – Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apo-Bank) will sich strategisch breiter aufstellen, neue Ertragsquellen erschließen und bei manchen Aktivitäten “auch über den Heilberufssektor hinausschauen”. Das sagte der im vergangenen September angetretene Vorstandsvorsitzende Ulrich Sommer am Mittwoch auf seiner ersten Bilanzpressekonferenz in der neuen Funktion. Jenseits ihrer angestammten Klientel wollen die Düsseldorfer beispielsweise verstärkt das Vermögensmanagement für institutionelle Anleger anbieten. Ziel sei es, über die bisher betreuten rund 120 Institutionellen hinaus Jahr für Jahr etwa zwölf neue Adressen als Kunden zu gewinnen. VermögenskompetenzDagegen will sich die größte genossenschaftliche Primärbank in der Vermögensberatung für Privatkunden im Wesentlichen weiterhin auf die Heilberufler fokussieren. Hier wird die Kompetenz in einer eigenständigen Sparte und Marke namens “ApoPrivat” gebündelt, um im Außenauftritt über das “Existenzgründer-Image” hinaus bei potenziellen Kunden die Wahrnehmung als Universalbank zu verbessern. 2017 war das Ziel formuliert worden, binnen drei Jahren 3 Mrd. Euro mehr Depotvolumen von Privatkunden zu generieren. Die erste knappe Milliarde habe man eingeworben.”Über den Tellerrand schauen” will das Institut nach den Worten Sommers auch mit einem Digital-Health-Kompetenzzentrum, das zurzeit im Aufbau ist und Fragestellungen und Lösungen rund um die Digitalisierung im Gesundheitsmarkt bündeln soll. Erwogen wird in diesem Zusammenhang auch, junge Unternehmen im Gesundheitsmarkt zu unterstützen oder auch selbst eine Palette von Gesundheits-Apps anzubieten. Sommer hatte kürzlich schon im Interview der Börsen-Zeitung den Aufbau von Consulting-Leistungen auch jenseits des originären Bankgeschäfts angekündigt (vgl. BZ vom 28. März).Im Firmenkundengeschäft (zum Beispiel mit Krankenhäusern, Abrechnungszentren oder Pharmaunternehmen) will sich die Apo-Bank stärker als Hausbank positionieren. Bei wie vielen Unternehmen sie heute schon in dieser Rolle ist, ließ Sommer offen. Das Kreditvolumen in diesem Bereich soll bis 2021 auf 5 Mrd. Euro wachsen, nachdem es im vergangenen Jahr um ein Fünftel auf 3,1 Mrd. Euro gestiegen ist. Auch ein Ausbau der Angebotspalette, etwa mit Corporate-Finance-Leistungen, steht hier auf der Agenda.Die gegenüber Anfang 2017 unverändert 84 Standorte stellt Sommer nicht generell in Frage, doch würden die Mitarbeiter künftig flexibler und mobiler an die Kunden heranrücken, und die Nutzung der Filialen werde sich verändern. Vorstellen kann sich der Bankchef etwa, dass die Zweigstellen auch als Showrooms für Kooperationspartner dienen, die dort geeignete Produkte für die Bankkundschaft präsentieren. Ratingmodell angepasstIm vorigen Jahr hat das Institut, das netto 20 000 neue Kunden gewann, seine Wachstumsziele nicht nur im Firmenkundengeschäft, sondern auch in der Anlageberatung und in der Existenzgründungsfinanzierung erreicht (zu den Beständen siehe Grafik). Das Kreditneugeschäft – überwiegend Immobilienfinanzierungen – stieg auf rekordhohe 6,8 (i. V. 6,4) Mrd. Euro. In der Existenzgründungsfinanzierung, bei der sich die Bank als Marktführer sieht, legte es um 20 % auf gut 1 Mrd. Euro zu.In der Gewinn-und-Verlust-Rechnung steht einem etwas geringeren Zinsüberschuss ein prozentual stärkerer Anstieg des Provisionsergebnisses gegenüber. Auf der Zinsseite entfielen laut Finanzchef Thomas Siekmann Beiträge aus dem Zinsrisikomanagement, die 2016 noch 36 Mill. Euro beigesteuert hatten, diesmal komplett. Die Bank stellt Privatkunden keine Negativzinsen in Rechnung. Was den Verwaltungsaufwand angeht, kommt die Hauptlast für die im September beschlossene Umstellung auf das IT-System der Schweizer Avaloq erst noch auf die Bank zu. Die Kosten des Projekts wurden mit einem “mittleren dreistelligen Millionenbetrag” bis zur Migration 2020 angegeben. Siekmann wies darauf hin, dass die Bank auch dann auf ein neues System hätte migrieren müssen, wenn sie sich für die zum genossenschaftlichen Verbund gehörende Fiducia & GAD IT entschieden hätte – das Institut hat das GAD-System, das aufgrund der Fusion der Rechenzentralen durch ein System auf Fiducia-Basis zu ersetzen wäre.Der leicht gestiegene Jahresüberschuss von 62 Mill. Euro soll zu gut 70 % in Form einer unveränderten Dividende von 4 % an die Mitglieder ausgeschüttet werden. Den spürbaren Rückgang der harten Kernkapitalquote auf 19,5 % begründete Siekmann zum einen mit dem Kreditwachstum, zum anderen mit einer Nachbesserung des internen Ratingmodells nach neuen Vorgaben der EZB. Mit Blick auf die günstige Risikosituation – die Vorsorge stand auch 2017 mit 12 (6) Mill. Euro auf der Ertragsseite – würde er sich aber auch mit einer Kernkapitalquote von 13 bis 14 % wohlfühlen, sagte er.