Arag investiert in Legaltechs
Arag investiert in Legaltechs
ak Düsseldorf – Die Arag will im Zuge der Digitalisierung zusätzliche Rechtsdienstleistungen anbieten. In Köln hat sie den Company Builder Justix ins Leben gerufen. Er ist im Sommer mit der Plattform Hellolaw in den Niederlanden gestartet. Gerade ist das Start-up auch in Belgien an den Markt gegangen. Die Arag, drittgrößter Rechtsschutzversicherer Europas, investiert in Justix einen einstelligen Millionenbetrag.Legaltechs, so die Bezeichnung für digitale Rechtsdienstleister, seien im angelsächsischen Raum schon weiter verbreitet, berichtete Moritz Delbrück, einer der beiden Geschäftsführer von Justix, vor Journalisten in Düsseldorf. In Deutschland ist der Markt der Rechtsberatung stark reguliert, das Geschäftsmodell von Hellolaw kann auf den hiesigen Markt nicht übertragen werden. Doch die Arag, die mit Rechtsschutzversicherungen in 17 Ländern vor allem in Europa aktiv ist, will das Konzept auf andere Märkte übertragen. 2018 nimmt Hellolaw Frankreich und Italien ins Visier.Hellolaw gibt Antworten auf rechtliche Fragen und nutzt dabei vor allem mobile Kommunikationskanäle wie Whatsapp. Der Fokus, so Delbrück, liege vor allem auf der schnellen Antwortgeschwindigkeit. Technisch will das Start-up viel standardisieren und zum Beispiel mit Chatbots arbeiten. Im Callcenter im niederländischen Maastricht sitzen meist junge Juristen. Zielgruppe sind Menschen, die keine Rechtsschutzversicherung besitzen und sich auch nicht über einen Versicherungsvertrag binden wollen. Die Arag will sich so neue Kundengruppe erschließen.Hellolaw gibt es im Abo, es kostet für Privatkunden 55 Euro und für Gewerbekunden 240 Euro im Jahr. Wer mehr als eine Auskunft oder einen Rat braucht, zum Beispiel Hilfe beim Aufsetzen eines Dokuments oder Begleitung zum Gericht, zahlt das extra. Hellolaw hat dafür ein Anwaltsnetzwerk aufgebaut, das den Plattform-Kunden Rabatte gewährt.Der Kundenstamm von bereits 17 000 speist sich vor allem aus dem Bestand des Unternehmens Jurofoon, das Hellolaw in diesem Jahr übernommen hat. Justix plant längerfristig auch den Aufbau weiterer Geschäftsmodelle, soll aber komplett eine Tochter der Arag bleiben.Der Versicherungskonzern insgesamt wächst in diesem Jahr voraussichtlich um 4,5 % auf knapp 1,6 Mrd. Euro Beitragseinnahmen, wie Eigentümer und Vorstandschef Paul-Otto Faßbender berichtete. Dabei ist die an die Run-off-Plattform Frankfurter Leben verkaufte Lebensversicherung bereits herausgerechnet. Der Verkauf habe einen kleinen Buchgewinn gebracht, sagte Finanzvorstand Werner Nicoll. Das Konzernergebnis 2017 übertreffe die Erwartungen, obwohl es deutlich unter dem Vorjahr liegt. Denn 2016 hatten erhebliche Zuschreibungen bei den Kapitalanlagen und Auflösung von Pensionsrückstellungen den Gewinn in die Höhe getrieben.