Auch Kengeters "General" verlässt die Deutsche Börse
Auch Kengeters "General" verlässt die Deutsche Börse
Von Bernd Wittkowski, FrankfurtOb er seine Lebensstellung als Partner der Personalberatung Egon Zehnder lieber hätte behalten sollen, statt im März 2016 als Generalbevollmächtigter zur Deutschen Börse zu wechseln? Matthias Fritton war am Dienstag nicht zu sprechen, aber die Headhunter, nicht unbedingt nur jene von seinem früheren Arbeitgeber, werden gewiss bald bei ihm anklopfen. Dass sein Chef, der Vorstandsvorsitzende Carsten Kengeter, der Fritton nach Bekanntgabe des Vorhabens, mit der London Stock Exchange (LSE) zu fusionieren, angeheuert hatte, zum Jahresende aus dem Unternehmen ausscheiden wird, ist seit Oktober bekannt. Am Dienstag wurde nun intern mitgeteilt, dass gleichzeitig auch Fritton seine Tätigkeit beenden wird. Der Schritt hat zweifellos eine Logik.Der 51-jährige, in Philosophie promovierte Fritton, in den neunziger Jahren Redenschreiber von Bundeskanzler Helmut Kohl und später mit wechselnden Aufgaben in den Diensten des damaligen Forschungs- respektive Verkehrsministers Matthias Wissmann, ist am Finanzplatz seit zwei Jahrzehnten eine feste Größe. Der KfW, lange die graue Maus unter Frankfurts Banken, verhalf er von 1998 an als Direktor Unternehmenskommunikation und Pressesprecher zu öffentlicher Wahrnehmung und einem klaren Profil. Weitere Stationen waren die Dresdner Bank (Leiter Unternehmenskommunikation) und für ganz kurze Zeit die Allianz (Regierungsbeziehungen), ehe der gebürtige Heilbronner 2008 zu Egon Zehnder ging und fortan eher hinter den Kulissen wirkte. Reicher an ErfahrungAuch wenn die Personalberaterzunft nach außen zu den Schweigsamen gehört, weiß man doch, dass in der Folgezeit die Besetzung mancher Spitzenposition etwa durch die Bundesregierung oder die EZB nicht zuletzt auf die Vermittlungstätigkeit Frittons zurückgeht. Sein Aufgabengebiet bei Zehnder war die Schnittstelle von Financial und Public Sector – die Finanzaufsicht beispielsweise gehört in dieses Themenfeld.Der Wechsel zur Börse mit Verantwortung für die strategischen Funktionen Regulatory Strategy, Marketing und Kommunikation sowie direkter Berichtslinie zu Kengeter wird Fritton finanziell nicht geschadet haben. Reicher geworden ist er indes vor allem an Erfahrung. Wenn ein Projekt wie die Fusion mit der LSE (zum wiederholten Male) scheitert, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob auch die Kommunikation ihren Teil dazu beigetragen hat. Freilich können jene, die ein hierzulande schon wegen des geplanten Rechtssitzes London von Anfang an in Misskredit stehendes Vorhaben Politikern, Aufsehern, Notenbanken, Medien und der breiten Öffentlichkeit “verkaufen” sollen, schnell an Grenzen stoßen. Wenn nämlich die Kommunikation reparieren soll, was zuvor strategisch oder auch juristisch – Thema Insideraffäre und verunglückte Ad-hoc-Meldung – suboptimal gelaufen ist. Dann hilft auch eine “Erklär-Offensive” in unzähligen Gesprächen mit allen Stakeholdern nicht weiter.Erfolgreich repariert wurde dann aber immerhin das gestörte Verhältnis. Die Deutsche Börse ging “auf Schmusekurs mit den Stakeholdern” (vgl. BZ vom 20. Mai). Das Unternehmen betrieb, nicht ohne Zutun Frittons, Reputationsmanagement, bekannte sich zu seiner gesellschaftlichen Verantwortung, zeigte – exemplarisch durch die “Finanzplatzpartnerschaft” mit Eintracht Frankfurt – demonstrativ mehr Engagement in seiner Heimat und intensivierte den Austausch mit der Politik. Damit könnte eine Trendwende in der Positionierung des Dax-Mitglieds vor den Augen des zu Recht kritischen Publikums eingeleitet worden sein.Kengeter verabschiedet seinen “General” mit fast überschwänglichem Lob und Dank. Im Intranet würdigt er beispielhaft die Einführung eines Stakeholder-Managements, das die Bindung des Unternehmens in Gesellschaft und Politik stärke, die Schaffung eines zentralen Marketings sowie den Ausbau des regulatorischen Netzwerks mit neuen Büros in Berlin und Brüssel als von Fritton gesetzte Meilensteine. Bis auf Weiteres soll Alexandra Hachmeister als Mitglied des Group Management Committee die Themen von Frittons Bereich koordinieren.