KOMMENTAR

Aufräumen mit der Altlast

Die Reederei Rickmers, jüngstes Opfer der seit neun Jahren andauernden Schifffahrtskrise, hat Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht angemeldet. Der mit Abstand größte Kreditgeber, die HSH Nordbank, war am Ende nicht bereit, dem seit April...

Aufräumen mit der Altlast

Die Reederei Rickmers, jüngstes Opfer der seit neun Jahren andauernden Schifffahrtskrise, hat Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht angemeldet. Der mit Abstand größte Kreditgeber, die HSH Nordbank, war am Ende nicht bereit, dem seit April vorliegenden komplexen Sanierungskonzept zuzustimmen. Dieses sah die Umstrukturierung wesentlicher Finanzverbindlichkeiten des mit 1,5 Mrd. Euro verschuldeten maritimen Dienstleisters vor, aber auch beträchtliche Zugeständnisse aller Gläubiger sowie des bisherigen Alleinaktionärs und Firmenpatriarchen Bertram Rickmers.Gestern hätten die Anleger der im Juni 2018 fälligen und mit 8,875 % pro Jahr verzinsten 275-Mill.-Euro-Anleihe über das Sanierungskonzept abstimmen sollen. Doch mit der aus Sicht der Reederei überraschenden Ablehnung ihrer Kreditanträge durch die Landesbank wurde das Votum kurzfristig obsolet. Während sich die Aussichten für die Anleihegläubiger mit dem Insolvenzantrag von Rickmers kaum verbessert haben dürften, weniger Verluste zu realisieren, zieht die HSH möglicherweise Nutzen aus dem Fall der Reederei, die 2016 einen mehr als verdoppelten Verlust von 341 Mill. Euro einfuhr.Es ist davon auszugehen, dass der Vorstand des einst weltgrößten Schiffsfinanzierers Rickmers den Geldhahn nicht zugedreht hätte, wenn sich dadurch für die Bank ein beträchtlicher Schaden ergeben würde. Die Ländereigner Hamburg und Schleswig-Holstein stehen unter Druck, bis Ende Februar 2018 einen Käufer für ihr Kriseninstitut finden und einen positiven Kaufpreis erzielen zu müssen. Eine zusätzliche hohe Risikovorsorge wäre da kaum willkommen. Von den gut 900 Mill. Euro, mit denen die Reederei Ende März bei mehreren Banken – darunter Unicredit, Deutsche Bank und Nord/LB – in der Kreide stand, entfallen rund 700 Mill. Euro auf die HSH. Weil aber die Milliardenwertberichtigungen der vergangenen Jahre im Schiffskreditportfolio den Rickmers-Fall offenbar abdecken, könnten es Kaufinteressenten begrüßen, dass mit einer großen Altlast aufgeräumt wird.Aus Sicht der HSH war das nunmehr hinfällige Sanierungskonzept von Rickmers betriebswirtschaftlich nicht tragfähig. Mit in die Tiefe zieht die Insolvenz der Reederei, die in den vergangenen Jahren Börsen- und Fusionspläne aufgeben musste, die Bank nicht. Für wie tragfähig potenzielle Bieter indes das Geschäftsmodell der HSH halten, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Sollte sich kein Käufer finden, steht die Abwicklung an.