Barclays punktet im Investment Banking
Barclays punktet im Investment Banking
Die Volatilität an den Finanzmärkten hat Barclays im Auftaktquartal glänzende Erträge im Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen beschert. Unerwartet hohe Aufwendungen für die Risikovorsorge ließen das bereinigte Vorsteuerergebnis jedoch um zwei Fünftel schrumpfen.hip London – Das Vorsteuerergebnis von Barclays ist im Auftaktquartal wegen hoher Rückstellungen für ausfallbedrohte Kredite um zwei Fünftel geschrumpft. Wie der britische Rivale der Deutschen Bank mitteilte, ging es auf 0,91 (i.V. 1,48) Mrd. Pfund zurück. Die Risikovorsorge belief sich auf 2,12 (0,45) Mrd. Pfund und war damit mehr als doppelt so hoch wie der von Analysten dafür angesetzte Betrag. “Das ist eine außerordentlich schwierige Welt, in der wir heute leben”, sagte CEO Jes Staley in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Die Bank legte ihren Annahmen ein düstereres Szenario der möglichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie und des Preiskriegs am Ölmarkt zugrunde als manch anderes Institut. So bezifferte sie darin die Wahrscheinlichkeit, dass der durchschnittliche Ölpreis für das laufende Jahr bei 20 Dollar je Barrel (159 Liter) liegen wird, auf 50 %. Die Arbeitslosenquote – eine wichtige Variable, wenn es um Wertberichtigungen auf unbesicherte Kredite geht – steigt selbst unter Berücksichtigung der staatlichen Maßnahmen zur Begrenzung des wirtschaftlichen Schadens in Großbritannien bis auf 8 %, in den Vereinigten Staaten bis auf 17 %. “Wir haben versucht, angemessen konservativ zu sein, wo wir konnten”, sagte Finanzchef Tushar Morzaria. “Brillante Performance”Staley wertete die Quartalszahlen als Beleg für die Richtigkeit seiner Universalbankstrategie. Denn die Erträge stiegen um ein Fünftel auf 6,28 (5,25) Mrd. Pfund. Dabei erwies sich das Corporate und Investment Banking als Wachstumstreiber. Das habe die “sehr konservative Herangehensweise an die Wertberichtigungen” erst ermöglicht, sagte Staley. Der Jefferies-Bankenanalyst Joseph Dickerson sprach von einer “brillanten Performance” der Sparte.Die Erträge im kapitalintensiven Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen (FICC) verdoppelten sich, im Aktiengeschäft lagen sie um ein Fünftel höher. “Die Ergebnisse wurden nicht dadurch getrieben, dass wir mit einer bestimmten Position oder Ausrichtung in diese Phase der Unruhe an den Märkten gegangen wären”, sagte Staley. Das Risiko, das sich die Bank über Nacht auflade, sei im Vergleich zur Situation vor einem Jahrzehnt minimal. “Wir haben Liquidität geliefert, als Liquidität äußerst knapp war.”Auch für das laufende Quartal erwartet Morzaria Trading-Erträge, die deutlich über denen des Vorjahresquartals liegen. Die Zahlen liefern Staley Argumente für die Abwehr des Shareholder-Aktivisten Edward Bramson, der auf eine Schrumpfung des Investment Banking dringt. Die Eigenkapitalrendite (RoTE) knickte auf 5,1 (9,2) % ein. Das Management hält aber das Ziel, sie auf mehr als 10 % zu steigern, weiterhin für richtig. Im britischen Verbraucher- und Kreditkartengeschäft dürften sich niedrigere Zinsen, das Wegfallen bestimmter Gebühren und Hilfsmaßnahmen für Kunden niederschlagen.Barclays entschloss sich, niemanden in den Zwangsurlaub zu schicken, obwohl Schatzkanzler Rishi Sunak bedrohte Arbeitsplätze dadurch sichern will, dass der Staat 80 % der Gehälter – bis zu einer Obergrenze pro Kopf und Monat – sowie die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber übernimmt. Man brauche jeden Mitarbeiter, sagte Staley. Wann die Zentrale in Canary Wharf wieder voll in Betrieb sein wird, sei unklar. “Ironischerweise ist Hongkong das erste Büro, das wir wieder öffnen”, sagte Staley. Barclays werde langfristig darüber nachdenken, wie Standorte genutzt werden könnten. Es könnte der Vergangenheit angehören, dass 7 000 Leute in einem Bürogebäude untergebracht werden. Man müsse sich überlegen, wie viele in einem Gebäude arbeiten können, wenn nur zwei gleichzeitig den Fahrstuhl benutzen dürfen. Vielleicht müssten Investmentbanker aus Filialen arbeiten.Zur laufenden Untersuchung seiner Verbindungen zum verstorbenen US-Millionär Jeffrey Epstein, der sich 2008 der erzwungenen Prostitution einer Minderjährigen schuldig bekannte und dem später sexueller Missbrauch in zahllosen weiteren Fällen vorgeworfen wurde, durch die britische Aufsicht gebe es nichts Neues zu berichten, sagte Staley (vgl. BZ vom 14. Februar).