Bäte strebt nach Synergien
Bäte strebt nach Synergien
Die Allianz will die Führungsstrukturen in der Gruppe flacher gestalten, um Synergien zu heben. Dies kündigte Vorstandsvorsitzender Oliver Bäte an. Auf der Jahrespressekonferenz wich er Fragen aus, ob dafür die Landesgesellschaft Deutschland umgebaut oder aufgelöst wird. Bäte erklärte zudem, die Allianz wolle den Vertrieb produktiver machen.mic München – “Wir haben vor, in den nächsten Jahren systematisch die Synergien, die wir haben, zu heben.” Dies kündigte Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte auf der Jahrespressekonferenz des Versicherers an. Er verwies auf die Harmonisierung von Produkten und Prozessen, die länderübergreifend geplant sei. Zuerst in die Gremien Aussagen zu strukturellen Änderungen vermied Bäte in seinem Vortrag. Erst auf Nachfragen verwies er auf eine Historie derartiger Neuordnungen: “Wir machen permanent Strukturveränderungen.” Beispielsweise sei die österreichische Gesellschaft in das Osteuropageschäft der Allianz integriert worden, nun solle deren Profitabilität verdoppelt werden. Die einzige Konstante, die es im Wandel gebe, sei der Wandel: “Wir werden weiter Strukturen verändern.” Die Allianz wolle beispielsweise einzelne Elemente der Geschäftssysteme internationalisieren, sagte Bäte. “Das geht nur dann, wenn wir Führungsstrukturen verflachen.” Fragen, ob die Allianz ihre deutsche Landesgesellschaft umstrukturieren oder integrieren will, wich er aus.Auslöser der Nachfragen war die Berufung des Deutschland-Chefs Klaus-Peter Röhler in den SE-Vorstand, die die Allianz vor der Pressekonferenz bekannt gegeben hatte. Anders als sonst bei einem Wechsel in die SE üblich, bleibt Röhler Vorsitzender der Allianz Deutschland AG, einen Nachfolger gibt es also nicht.Bäte erklärte, man werde alle Änderungen besprechen, wenn sie intern geklärt seien: “Bei der Allianz geht das immer in Ruhe und geordnet, so gut es eben geht.” Eine dramatische Wende, beispielsweise dass alle Länderholdings aufgelöst würden, werde es nicht geben. Man könne angesichts der Berufung Röhlers – die durch den Abschied von Axel Theis notwendig geworden war (vgl. Seite 12 dieser Ausgabe) – viel interpretieren, räumte Bäte ein: “Man kann sich aber auch einfach mal Gedanken machen, dass wir ja ein Unternehmen sind, das sich kontinuierlich durch Gremien durcharbeiten muss über Zeit.” Er informiere Mitarbeiter ungern über die Presse.Bäte bekräftigte, dass er Produkte über Ländergrenzen hinweg harmonisieren wolle. Er forderte aber eine höhere Geschwindigkeit: “Nun müssen wir es nur schaffen, etwas schneller zu skalieren, als wir das normalerweise machen.” Außerdem sagte Bäte der Komplexität der IT-Systeme den Kampf an: “Wir müssen die Altsysteme systematisch abschalten.” Dies sei gemeinsam mit dem Einstellen alter Produkte sehr wichtig: “Das macht uns die meisten Sorgen.” Man wolle nicht einreißen, sondern sorgfältig umbauen: “Es ist gar nicht so leicht, wenn man sich so ein Neuschwanstein gebaut hat, dies irgendwie zu vereinfachen.” Beitragsgarantie steht infrageBäte setzt darüber hinaus auf Synergien über Unternehmensgrenzen hinweg. So stelle die Allianz ihre eigene Software mit Microsoft dem Markt über das Insurtech Syncier zur Verfügung. “Wir sind der Meinung, dass sich auch in der Versicherungsindustrie über Zeit Elemente des Geschäftsmodells trennen können.” Bisher seien die Versicherer monolithisch unterwegs, jeder entwickle beispielsweise Produkte selber. “Unsere Industrievision ist anders.”Bäte richtet sein Augenmerk nicht nur auf Verwaltung und IT: “Wir müssen auch Produktivitätsfortschritte auf der Vertriebsseite machen.” Ansatzpunkt seien die sozialen Medien und die größere Transparenz bei Produkten. Die Allianz sei weltweit die stärkste Versicherungsmarke und werde aktiv von Kunden im Internet gesucht. Dies senke die Suchkosten der Vertreter, damit gehe der Provisionssatz pro verkaufter Police zurück.In der Lebensversicherung denkt die Allianz über veränderte Produkte nach. Wenn der Zinssatz unter null falle, müsse man Produkte auch in Deutschland nachpreisen, sagte Bäte. Dabei stehe die Frage der Beitragsgarantie im Vordergrund.Finanzvorstand Giulio Terzariol bekräftigte, dass die Allianz mit der Deutschen Börse über die Einschränkung der Quartalsberichterstattung verhandelt: “Die Gespräche sind sehr konstruktiv.” Man gebe sich die Zeit, die es brauche, um zu einer Entscheidung zu kommen. Er glaube, es werde eine gute Lösung geben, mit der alle zufrieden sein werden.