Immobilienmarkt

Baugenehmigungen für Wohnungen mit stärkstem Einbruch seit 2007

Die Krise im deutschen Wohnungsbau verschärft sich: Die Zahl der Baugenehmigungen brach im März wegen gestiegener Zins- und Materialkosten so stark ein wie seit 16 Jahren nicht mehr.

Baugenehmigungen für Wohnungen mit stärkstem Einbruch seit 2007

Baugenehmigungen mit stärkstem Einbruch seit 2007

EZB: Schlechtere Finanzierungsbedingungen als Hauptursache

Reuters Berlin

Die Krise im deutschen Wohnungsbau verschärft sich: Vor dem Hintergrund niedriger Immobilienrenditen brach die Zahl der Baugenehmigungen im März wegen gestiegener Zins- und Materialkosten so stark ein wie seit 16 Jahren nicht mehr.

Nur noch 24.500 Wohnungen wurden genehmigt und damit 29,6 % oder 10.300 weniger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im März 2007 mit minus 46,5%. Die Zahl sinkt damit seit Mai 2022 kontinuierlich, seit Oktober 2022 liegt das Minus bei jeweils mehr als 10%.

Baukredite spürbar verteuert

„Zum Rückgang der Bauvorhaben dürften weiterhin vor allem hohe Kosten für Baumaterialien und zunehmend schlechtere Finanzierungsbedingungen beigetragen haben“, erklärten die Statistiker den Abwärtstrend. Wegen der Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die hohe Inflation haben sich Baukredite spürbar verteuert.

Von Januar bis März des laufenden Jahres wurden insgesamt 68.700 Genehmigungen für Wohnungen erteilt, das waren 25,7% weniger als im Vorjahreszeitraum. In den Zahlen sind sowohl die Zusagen für Wohnungen in neuen Gebäuden als auch für neue Wohnungen in bestehenden Gebäuden enthalten.

Die Zahl der Bauzusagen für Einfamilienhäuser brach im März überdurchschnittlich stark ein, und zwar um 31,1% auf 14.300. Bei den Zweifamilienhäusern gab es einen noch größeren Rückgang von 51,9% auf 4.100.

Alle Segmente betroffen

Auch bei der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, den Mehrfamilienhäusern, verringerte sich die Zahl der genehmigten Wohnungen deutlich, wie das Statistische Bundesamt betonte. Hier gab es ein Minus von 25,2% auf 37.200. In diesem Jahr dürften nach Branchenschätzungen bestenfalls 250.000 Wohnungen fertiggestellt werden. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) hat bereits eingeräumt, dass das Neubauziel der Ampel-Koalition von 400.000 Wohnungen jährlich auch 2023 verfehlt werde. Die Immobilienbranche pocht angesichts der Misere auf mehr Engagement der öffentlichen Hand.

ZIA fordert Kreditprogramm

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) plädiert für ein Kreditprogramm des Bundes mit 2% Zinsen. „Wenn die Wohnungsbaurenditen bei 2 bis 3% stehen, die Kreditzinsen aber bei 4%, kann niemand bauen“, führte ZIA-Präsident Andreas Mattner aus, worin seines Erachtens eine bedeutende Herausforderung besteht. „Daher müssen wir die Rahmenbedingungen radikal ändern.“