Bawag macht sich börsenfein
Bawag macht sich börsenfein
Einst als Skandalbank verschrien, schärft die Bawag heute ihr Profil als wachstumsstarke Gruppe im deutschsprachigen Raum. Mit Vorlage der Halbjahreszahlen bekräftigt das Wiener Haus seine Ambitionen – und nähert sich offenbar einem Börsengang.jsc Frankfurt – Nach der angekündigten Übernahme der Südwestbank in Stuttgart und vor einem möglichen Börsengang schärft die österreichische Bawag ihr Profil als internationale Bank im deutschsprachigen Raum. Das Institut will den Marktanteil bei Kernprodukten im Retailsegment in Österreich erhöhen und eine “relevante Position in Deutschland ausbauen”, teilte die Bank anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen am Donnerstag mit. In Österreich und in ganz Europa stehe eine “mehr oder weniger rasche Konsolidierung” des Kreditsektors an, hält die Bank fest. “Akquisitionsmöglichkeiten werden laufend evaluiert.” Der Fokus liege auf Deutschland, Österreich und der Schweiz.Die Eigentümer, die US-Finanzinvestoren Cerberus und Golden Tree mit 52 % und 40 % der Anteile, erwägen mit der Bawag “eine Reihe strategischer Optionen”, schreibt die Bank, “einschließlich eines möglichen IPO”. Im Juni hatte die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass die Eigner einen Anteil von 20 bis 30 % an die Börse bringen könnten. Die Veräußerung soll den Wert der Bawag auf bis zu 5 Mrd. Euro setzen – das entspräche dem Anderthalbfachen des Buchwertes, ein hohes Verhältnis für eine Bank. Ein von Cerberus geführtes Konsortium hatte das Institut 2007 für 3,2 Mrd. Euro erworben. Die Investmentbank Rothschild soll die Bawag beraten, während Morgan Stanley und Goldman Sachs den Börsengang in Wien koordinieren sollen. Die Bawag kommentierte die Berichte indes nicht.Im ersten Halbjahr machte sich das Wachstum der Gesellschaft bemerkbar: Der Zinsüberschuss als wichtigste Ertragssäule legte von 376 Mill. auf 395 Mill. Euro zu, während der Gewinn vor Steuern von 244 Mill. auf 251 Mill. Euro stieg. Unterm Strich sank das Ergebnis im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 jedoch, weil damals ein Steuereffekt das Ergebnis einmalig anhob.Die Gesellschaft hatte im Herbst 2016 zwei Übernahmen aus dem Volksbanken-Verbund abgeschlossen: Mit der Start Bausparkasse kamen rund 500 000 Einlagenkunden und eine Bilanzsumme in Höhe von 2 Mrd. Euro hinzu, während die Immo-Bank, ein Finanzierer von Wohnbauvorhaben, 1,6 Mrd. Euro an Bilanzsumme beisteuerte. Der Bestand an Kundenkrediten stieg um 18 % auf 28 Mrd. Euro. Das Neukreditgeschäft im ersten Halbjahr beziffert die Bank auf mehr als 2 Mrd. Euro.Das Institut ist vor allem im Massenkundengeschäft in Österreich präsent. Neben den Bawag-Filialen zählt auch die Direktbank Easybank dazu. Mit dem laufenden Erwerb der Südwestbank kommen nun eine Bilanzsumme von 7,4 Mrd. Euro und rund 100 000 Kunden in Deutschland hinzu. Die auf den Mittelstand fokussierte Bank soll Standbein sein und “ergänzende Akquisitionen” ermöglichen. Die Transaktion soll bis Jahresende abgeschlossen werden. Die Bawag-Eignerin Cerberus ist in Deutschland auch als Aktionärin der Commerzbank aktiv, wo sie im Juli ihren Anteil auf gut 5 % aufstockte. Bewegte GeschichteDie österreichische Bank blickt auf eine turbulente Geschichte zurück: Vor der Jahrtausendwende hatte sich die Bank für Arbeit und Wirtschaft mit Spekulationsgeschäften verhoben, so dass die damalige Eigentümerin, der Österreichische Gewerkschaftsbund, sie im Jahr 2000 mittels Garantien vor der Insolvenz bewahren musste. In den Folgejahren versteckte die Bawag Verluste über Briefkastenfirmen in der Karibik, wie 2006 ans Licht kam. Der Skandal führte zu Haftstrafen ehemaliger Manager und ebnete den Weg für den Verkauf 2007 – ein “bewegtes Jahr”, wie die Bank rückblickend festhält. Von der Österreichischen Postsparkasse, die 2005 endgültig mit der Bawag fusioniert wurde, ist das Kürzel “PSK” geblieben. Die Filialen der beiden Marken hatte die Gruppe 2011 zusammengeführt.