PERSONEN

Bernd Wittkowski stellen sich neue Fragen

cd - Nach 66 Jahren und sieben Monaten stellten sich neue Fragen: Nicht mehr "Was machen die Märkte?", sondern "Was gibt's beim Aldi?". Auch dieser Einstieg in das Abschiedsschreiben an die Kolleginnen und Kollegen der Börsen-Zeitung ist "ein echter...

Bernd Wittkowski stellen sich neue Fragen

Selten schaffen es Journalisten, mit ihrer Schreibe und ihrem Zugang zu Themen zur Marke zu werden. Bernd Wittkowski gehört zu diesen Journalisten, und die Börsen-Zeitung konnte sich glücklich schätzen, dass er seit dem Rückzug aus der Chefredaktion im Sommer 2016 diese Schreibgewalt nicht nur weiter gepflegt hat, sondern sie – als Autor entlastet von organisatorischen Aufgaben – noch häufiger zur Geltung brachte. Umso schmerzhafter künftig das Fehlen, für die Leser wie auch die Kollegen. Start bei VWD und ReutersMit der Fokussierung aufs Schreiben war Bernd Wittkowski in den vergangenen Jahren zu den Anfängen seiner journalistischen Laufbahn zurückgekehrt, als er in den 1980er Jahren für die Nachrichtenagenturen VWD (Vereinigte Wirtschaftsdienste) und Reuters tätig war – unter anderem als Korrespondent in München und Stuttgart. Die “Frankfurter Rundschau” lockte Wittkowski dann zurück in seine Geburts- und Heimatstadt Frankfurt, wo er schon während und nach dem Studium der Rechtswissenschaften bei VWD zunächst ausgeholfen und dann als Redakteur in der Zentrale in Eschborn gearbeitet hatte.Bei der “Rundschau” besetzte er mit Finanz- und Bankenthemen ein Feld, das vielen Kollegen dort per se suspekt erschien, das aber dafür umso mehr Profilierungschancen am Finanzplatz bot. Manch Leser seiner aktuellen Kommentare mag es kaum glauben: Das Projekt der Währungsunion begeisterte in den neunziger Jahren den Finanzjournalisten Wittkowski, über den Vertrag von Maastricht berichtete er tagelang vor Ort. Vor diesem Hintergrund ist die “enttäuschte Liebe” zu verstehen, weil aus dem Hoffnungsprojekt “Gemeinschaftswährung” ein Vehikel für Haftungsunion und Vergemeinschaftung geworden ist.Als Wittkowski im Oktober 1997 als für Banken, Sparkassen, Geldpolitik und Finanzmärkte zuständiger Redakteur und damaliger stellvertretender Leiter der Wirtschaftsredaktion der “Frankfurter Rundschau” zur Börsen-Zeitung kam, hielten dies in Frankfurt nicht wenige Finanzmarktteilnehmer für Fake News – wobei es diesen Begriff damals ja noch nicht gab. Sein Wechsel von der “sozialistischen” Rundschau zum “kapitalistischen Zentralorgan” der Finanzbranche, so die schon damals nicht zutreffenden Klischees, hatte am Finanzplatz überrascht.Schon wenig später bot sich Wittkowski der nächste Karriereschritt: im April 1999 vom Leiter des Ressorts Kredit- und Versicherungswirtschaft zum Mitglied der Chefredaktion. Mit seinem enormen Fleiß, seinem Netzwerk in der Finanzbranche und seinem unprätentiösen Stil trug er in den Folgejahren maßgeblich zum Profil der Börsen-Zeitung als der führenden deutschen Finanzzeitung bei. Nach 17 Jahren gab er Mitte 2016 die Position in der Chefredaktion dann ab, um als Autor mehr Zeit fürs Recherchieren und Schreiben zu haben. Nach 44 Jahren im Journalismus stellen sich Wittkowski ab heute neue Fragen.