Bewertung von Wirecard ausgesetzt

Börsen-Zeitung, 16.5.2020 sck München - Nach dem heiklen Abschlussbericht von KPMG zur Bilanzsonderprüfung hat sich der Kreis jener Geldhäuser, die die Bewertung von Wirecard aussetzen, um die Deutsche Bank erweitert. Die größte deutsche...

Bewertung von Wirecard ausgesetzt

sck München – Nach dem heiklen Abschlussbericht von KPMG zur Bilanzsonderprüfung hat sich der Kreis jener Geldhäuser, die die Bewertung von Wirecard aussetzen, um die Deutsche Bank erweitert. Die größte deutsche Geschäftsbank begründete ihren Schritt damit, dass bei dem in die Kritik geratenen Zahlungsabwickler “viele Punkte und Fragen offen” seien nach dem veröffentlichten Ergebnis der Wirtschaftsprüfer (vgl. BZ vom 29. April). Für das Dax-Mitglied aus Bayern könne daher keine Empfehlung und kein Kursziel mehr vergeben werden. Am selben Tag senkte Société Générale ihr Kursziel für die Wirecard-Aktie von 271 auf 195 Euro, bestätigte aber ihre Kaufempfehlung. Im Gegensatz zur Deutschen Bank ist die französische Großbank bei Wirecard Aktionär. Das Kreditinstitut aus Paris hält direkt 0,28 % des Grundkapitals, plus Call-Optionen und andere Finanzderivate sind es 6,37 %.Am Freitag setzte der Titel von Wirecard seine Talfahrt fort. Der Anteilschein sackte zeitweise um 13,6 % ab und beendete den Xetra-Handel bei 77 Euro (-7,6 %). Das Papier war Schlusslicht im deutschen Leitindex. Wirecard fielen auf das Niveau vom September 2017 zurück. Die Aktie ist wieder verstärkt Spielball von Spekulanten. Hedgefonds wie TCI wetten gegen den Konzern.Unterdessen wurde kurz nach Börsenschluss bekannt, dass ein arabischer Drittlizenzpartner von Wirecard seine Pforten schließt. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge erklärte Wirecard, von Al Alam darüber informiert worden zu sein, dass dieser sein Geschäft auf andere Konzerngesellschaften innerhalb seiner Dachorganisation übertragen habe. Wirecard betreute Al Alam vom Standort Dubai aus. KPMG konnte die strittigen Drittlizenzaktivitäten des Unternehmens nicht bewerten, da Partner – wie vermutlich Al Alam – nicht bereit gewesen seien, wichtige Unterlagen herauszurücken.