Bewertungen brocken Helaba Verlust ein
Bewertungen brocken Helaba Verlust ein
Erstmals seit der Finanzkrise schreibt die Helaba Verlust. Die Coronakrise schlägt sich in Form von hoher Risikovorsorge und Bewertungskorrekturen nieder. Nach Ansicht des neuen Landesbank-Chefs Thomas Groß handelt es sich um einen vorübergehenden Effekt. Im operativen Geschäft läuft es rund. fir Frankfurt – Negative Bewertungseffekte und ein Anstieg der Kreditrisikovorsorge haben die gute operative Geschäftsentwicklung der Helaba im ersten Halbjahr zunichtegemacht. Trotz höherer Zins- und Provisionsüberschüsse und stabiler Kosten schlugen sich die Folgen der Coronakrise in einem Verlust von 185 Mill. Euro nieder nach einem Konzerngewinn von 255 Mill. Euro im Vorjahr.Ohne die Bewertungsverluste von 300 Mill. Euro, die von der Ausweitung von Risikoprämien herrühren, hätte die Helaba Gewinn gemacht, sagte der neue Vorstandschef Thomas Groß am Donnerstag bei der Vorstellung der Zahlen. Allerdings sei dies nur temporärer Natur. “Die negativen Bewertungseffekte werden sich über die Laufzeit wieder weitgehend ausgleichen, so dass wir hier unter dem Strich keine nennenswerten Verluste zu erwarten haben.” Weil die Helaba stark im Geschäft mit der öffentlichen Hand verankert ist, seien auch viele Wertpapiere öffentlicher Schuldner wie Kommunen und Bundesländern von dem in der Coronakrise zu beobachtenden Anstieg der Risikoprämien über alle Bonitätsklassen hinweg betroffen, sagte Groß. Der entsprechende Zinsanstieg hat sich in der niedrigeren Bewertung der Papiere zu Marktpreisen per 30. Juni bemerkbar gemacht.”In meiner neuen Funktion hätte ich mir natürlich gewünscht, ein positives Halbjahresergebnis vorzustellen, aber die Verwerfungen an den Kapitalmärkten im Zuge der Corona-Pandemie haben uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht”, kommentierte der 54-Jährige den ersten Verlust der Helaba seit 2008, inmitten der Finanzkrise. Groß hat im Juni die Führung der Landesbank von Herbert Hans Grüntker übernommen. Das Institut ist Sparkassenzentralbank in Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg und somit für 40 % der rund 380 Sparkassen zuständig. Freund einer Fusion mit DekaDie wegen der Coronakrise auf Eis liegenden Gespräche über eine verstärkte Zusammenarbeit bis hin zu einer Fusion von Helaba und DekaBank (vgl. BZ vom 20. März) pausierten weiterhin nur und seien nicht gestoppt, sagte Groß. Er stehe weitergehenden Diskussionen offen gegenüber und sei im Grundsatz ein Befürworter der Idee eines Sparkassenzentralinstituts. Dafür müssten aber zwei Prämissen erfüllt sein, positionierte sich der neue Vorstandsvorsitzende: Es müsse sich um eine echte Fusion handeln, um finanzielle Freiräume für weitergehende Investitionen zu schaffen. Und ein solches Institut müsse das Aufgabenspektrum einer großen Universalbank haben, denn nur so könne den Ansprüchen der Kunden Genüge getan werden.Die operativen Erträge aus Zinsen, Provisionen und Immobilien sind den Angaben zufolge um 6 % gewachsen, wobei der Provisionsüberschuss mit einem Plus von 13 % hervorsticht. Ursächlich seien dafür vor allem Einnahmen aus Zahlungsverkehr, Wertpapier- und Depotgeschäft der Frankfurter Sparkasse, aus der Vermögensverwaltung der Frankfurter Bankgesellschaft und der Helaba Invest sowie aus dem Kredit- und Avalgeschäft der Helaba.Im operativen Geschäft sei auch in der zweiten Jahreshälfte mit weiterem Wachstum zu rechnen, sagte Groß. Wegen der coronabedingten Unsicherheit sehe die Helaba aber von einer konkreten Ergebnisprognose für das Gesamtjahr ab. Risikovorsorge bleibt hochIn jedem Fall würden sich Bewertungseffekte weiter belastend auswirken, so dass auch ein Verlust für 2020 nicht auszuschließen sei. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft werde im zweiten Halbjahr ähnlich hoch ausfallen wie im ersten mit 151 Mill. Euro. Die Portfolioqualität bezeichnete Groß als gut, die tatsächliche Risikovorsorge für konkrete Risiken lag bei 3 Mill. Euro, der Rest sei pauschale Vorsorgebildung für mögliche zukünftige, nahezu ausschließlich coronabedingte Ausfälle gewesen. Es seien derzeit keine nennenswerten Ausfälle bei den Kunden absehbar, sagte der Chef der als sehr vorsichtig geltenden Landesbank.Im Zuge weiterer Digitalisierungsinitiativen kann sich Groß neben Eigenentwicklungen und Kooperationen auch “die ein oder andere Übernahme” vorstellen. In dem Zusammenhang nannte er als bisherige Beispiele Komuno, eine Plattform zur Vermittlung von Kommunalfinanzierungen, an der die Helaba die Mehrheit übernommen hat, und den Einstieg von Helaba Digital bei Arabesque S-Ray, einem Anbieter von Nachhaltigkeitsratings.