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Britische Topbanker üben sich in Bescheidenheit

hip - Eine Reihe führender britischer Bankmanager hat angekündigt, in der Coronavirus-Pandemie auf einen Teil ihrer Gehälter oder Boni zu verzichten. Böse Zungen unterstellen, dass dadurch eine Vergütungsdebatte vermieden werden soll. Die Prudential...

Britische Topbanker üben sich in Bescheidenheit

hip – Eine Reihe führender britischer Bankmanager hat angekündigt, in der Coronavirus-Pandemie auf einen Teil ihrer Gehälter oder Boni zu verzichten. Böse Zungen unterstellen, dass dadurch eine Vergütungsdebatte vermieden werden soll. Die Prudential Regulation Authority hatte die Institute noch Ende März davor gewarnt, die durch eine Lockerung der Kapitalanforderungen freiwerdenden Mittel zur Zahlung höherer Dividenden oder Boni zu nutzen.Alison Rose, die Chefin von Natwest (zuvor: Royal Bank of Scotland), will auf ein Viertel ihres Restgehalts für das laufende Jahr und einen Bonus von 1,9 Mill. Pfund zugunsten einer Corona-Spendenaktion verzichten. Chairman Howard Davies kündigte an, ein Viertel seiner Bezüge dem National Emergencies Trust zu spenden. Die Führungsspitze der Lloyds Banking Group teilte mit, man werde “aus Solidarität mit den Gemeinden, in denen wir arbeiten, und in Anerkennung der Prioritäten unserer Stakeholder” in diesem Jahr auf Boni verzichten. Der langjährige CEO António Horta-Osório hätte sonst mit bis zu 1,8 Mill. Pfund rechnen dürfen.HSBC-Chef Noel Quinn und Finanzchef Ewen Stevenson kündigten an, sechs Monate lang auf ein Viertel ihrer Gehälter sowie auf ihre Boni in Höhe von 1,4 Mill. bzw. 0,8 Mill. Pfund zu verzichten. Chairman Mark Tucker will sein Salär von 1,5 Mill. Pfund komplett spenden. Bei Standard Chartered hieß es, Chief Executive William Winters und CFO Andy Halford verzichteten auf ihre Cash-Boni. Beide hätten Spenden in wesentlicher Höhe für den Corona-Hilfsfonds der Bank getätigt.”Ich bin mir über die Herausforderungen im Klaren, denen so viele Leute im ganzen Land gegenüberstehen”, sagte Rose. “Meine Priorität ist sicherzustellen, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun, um unsere Kunden in dieser unglaublich schwierigen und beispiellosen Zeit zu unterstützen.” Tatsächlich macht dem Institut die große Nachfrage der kleinen und mittleren Firmenkunden nach Finanzhilfen der Regierung zu schaffen. “Unsere Call-Center bekommen normalerweise 3 000 Anrufe pro Tag, jetzt bekommen wir 25 000”, sagte Rose der BBC. Deshalb versetze sie Mitarbeiter, schule andere um und stelle neue Leute ein.Der öffentliche Unmut über die Bearbeitungszeit von Hilfsanträgen ist groß. Das liegt allerdings nicht unbedingt an den Banken. So hatte das Schatzamt die Vorgabe gemacht, dass die zu 80 % vom Staat garantierten Notfallkredite nur an Unternehmen ausgereicht werden dürfen, denen keine anderen Finanzierungsmöglichkeiten offenstehen.