Brüssel hat Bedenken gegen LSE-Kauf von Refinitiv

Vertiefte EU-Prüfung - Probleme auf vier Märkten

Brüssel hat Bedenken gegen LSE-Kauf von Refinitiv

ahe Brüssel – Die EU-Wettbewerbsbehörde nimmt die geplante milliardenschwere Übernahme des Finanzdatenanbieters Refinitiv durch die Londoner Börse LSE wie erwartet noch einmal genauer unter die Lupe. Die EU-Kommission teilte gestern mit, es sei eine vertiefte Prüfung der Akquisition eingeleitet worden. Es gebe Bedenken, dass das Vorhaben den Wettbewerb im Bereich Handel und Clearing verschiedener Finanzinstrumente und in Bezug auf Finanzdatenprodukte schwächen könne, hieß es. Die London Stock Exchange (LSE) wollte den 27 Mrd. Dollar teuren Zukauf von einem vom Finanzinvestor Blackstone geführten Konsortium eigentlich bis Ende des Jahres abgeschlossen haben.Der Zusammenschluss, der bereits im vergangenen August angekündigt worden war, war Mitte Mai bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet worden. Die LSE möchte sich durch diese Akquisition unter anderem unabhängiger vom Aktiengeschäft machen. Auch die Deutsche Börse war an Teilen des Refinitiv-Devisenhandels interessiert gewesen. Durch die vertiefte Prüfung haben die Brüsseler Wettbewerbshüter jetzt bis zum 27. Oktober Zeit für einen Beschluss. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager betonte, damit der Finanzmarkt weiterhin gut funktioniere, müsse sichergestellt werden, dass die Marktteilnehmer auch nach dem Zusammenschluss zu Wettbewerbsbedingungen Zugang zu Finanzmarktinfrastruktur und Finanzdatenprodukten hätten.Eine erste Marktuntersuchung hatte der EU-Kommission Probleme in gleich vier Bereichen gezeigt: Demnach hätte das gemeinsame LSE-Refinitiv-Unternehmen nach Erkenntnissen der Behörde einen “sehr hohen Marktanteil” im Bereich des elektronischen Handels mit europäischen Staatsanleihen erhalten – einer Sparte, in der beide heute noch enge Wettbewerber sind, insbesondere in Bezug auf Transaktionen zwischen Händlern und Investoren. “Beträchtliche Marktmacht”Die EU-Kommission hat Bedenken, dass durch die Übernahme die Marktzugangsschranken zu groß werden, was ebenfalls für den Handel mit und das Clearing von Zinsderivaten gilt. LSE/Refinitiv erhielten hier sowohl im vorgelagerten als auch im nachgelagerten Bereich eine “beträchtliche Marktmacht”. Die Kommission will auch die Wettbewerbsdynamik im Handel mit sowie beim Clearing von börsengehandelten Fonds und Deviseninstrumenten weiter untersuchen. Die weiteren Bedenken der Wettbewerbshüter beziehen sich zum einen auf konsolidierte Echtzeit-Datenfeeds und Desktop-Lösungen und zum anderen auf die Lizenzierung von Indizes. – Personen Seite 12