Castell'sche Bank reduziert das Risiko

Aufseher ersparen Privatbank Zuschlag auf die Kapitalquote

Castell'sche Bank reduziert das Risiko

bn Frankfurt – Ein starker Rückgang der Risikovorsorge ist der Fürstlich Castell’schen Bank 2016 zugutegekommen. Wie das Institut am Donnerstagabend mitteilte, erhöhte sich der Jahresüberschuss 2016 um gut 1 Mill. auf 4,6 Mill. Euro. Etwa die Hälfte davon wird thesauriert. Niedrige VorsorgeDie Bank berichtet von einem “erfreulich niedrigen Risikovorsorgebedarf”. Bei einem sinkenden Zinsüberschuss und höherem Verwaltungsaufwand gingen die Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Forderungen und bestimmte Wertpapiere sowie Zuführungen zu Rückstellungen im Kreditgeschäft um 3,5 Mil. auf 1,3 Mill. Euro zurück (s. Tab.). 2015 hatte das Institut, auch um die künftigen Folgen des Zinstiefs fürs Ergebnis abzufedern, Risikovorsorge vorgezogen. 2016 dann habe man festgestellt, “dass es kein Risiko gibt, das zu dotieren war”, wie Sebastian Klein, Vorstandsvorsitzender des Instituts, erklärte. Diese Entwicklung füge sich ein in die Strategie eines Derisking des Aktivgeschäfts, das die Bank schon seit längerem betreibe, da man angesichts eines scharfen Wettbewerbs für Risiko derzeit nicht mehr kompensiert werde.Im aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess SREP hat sich die Risikoscheu des Instituts jedenfalls ausgezahlt. Wie Vorstand Klaus Vikuk berichtete, erhielt die Bank, über die Anforderung einer Gesamtkapitalquote von 9,25 % gemäß EU-Eigenkapitalrichtlinie hinaus keinen individuellen Kapitalzuschlag von der Aufsicht.Mit 14,8 Mill. Euro machte der Provisionsüberschuss 2016 rund 46 % der Erträge aus. Durch einen Ausbau des Provisionsgeschäfts versucht die eigenen Angaben zufolge älteste Bank Bayerns schon seit längerem, die Folgen des Zinstiefs zu lindern. 2012 war nur ein Drittel der Erträge auf Provisionseinnahmen entfallen. Bis 2020 strebe man einen Provisionsüberschuss von 20 Mill. Euro an, sagte Klein. Das Ziel, den Zinsüberschuss bis 2020 auf dasselbe Niveau zu heben, ist mit dem Zinstief indes in die Ferne gerückt.Im Lichte des sinkenden Zinsüberschusses stieg die Aufwand-Ertrags-Relation der Bank von 74,4 % auf 79,7 %. Zugleich zog die Eigenkapitalrendite dank der sinkenden Risikovorsorge von 6,2 % auf 10,3 % an. Die Kernkapitalquote erhöhte sich um 0,9 Punkte auf 10,8 %.Mit der operativen Entwicklung zeigte sich Vorstandschef Klein zufrieden. In der Vermögensverwaltung verbuchte das Institut, das auf Vermögensverwaltung und Mittelstandsfinanzierung setzt, seinen Angaben nach 2016 einen Nettozufluss an neuen Mitteln “im oberen dreistelligen Millionenbereich”. Das Volumen der insgesamt verwalteten Mittel wurde nicht beziffert.Zum Verlauf der ersten vier Monate des laufenden Jahres erklärte er: “Mit der Performance, den uns neu anvertrauten Geldern und den Ergebnissen der Bank sind wir schon sehr zufrieden und blicken so zuversichtlich auf das Jahresende.” Das Eis schmilzt ein bisschenEher abwartend verfolgt die Bank die jüngsten Vorstöße von Bundesbankvorstandsmitglied Andreas Dombret und BaFin-Präsident Felix Hufeld für regulatorische und aufsichtliche Erleichterungen bei kleineren Kreditinstituten (Small Banking Box). “So langsam scheint das Eis ein bisschen zu schmelzen”, kommentierte Vikuk, der zum regulatorischen Aufwand auch mit Blick auf das von der EZB geplante Kreditregister Anacredit erklärte: “Wir wissen bald nicht mehr, wie das alles noch zu stemmen ist.” Man freue sich über den Erkenntnisfortschritt in Sachen Small Banking Box und sei nun gespannt “auf den Umsetzungsfortschritt”, sagte Klein. Derzeit könne von Proportionalität in Aufsicht und Regulierung keine Rede sein. Der entsprechende Aufwand belaste kleine Institute überproportional.Das Institut berät sich mit rund zehn anderen kleineren Privatbanken über die Bewältigung der regulatorischen Aufgaben. Aktuell wird eine einheitliche Interpretation der Vorschriften der Mifid-Richtlinie gesucht, um damit auch gegenüber der Aufsicht Gewicht auf die Waage zu bringen, wurde erläutert.