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Cerberus-Mann Frank Bruno attackiert Commerzbank

Von Christoph Ruhkamp, Frankfurt Börsen-Zeitung, 12.6.2020 Frank Bruno ist der Kopf hinter der Attacke des Finanzinvestors Cerberus auf Commerzbank-Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann. Als Co-Chef des berüchtigten New Yorker...

Cerberus-Mann Frank Bruno attackiert Commerzbank

Von Christoph Ruhkamp, FrankfurtFrank Bruno ist der Kopf hinter der Attacke des Finanzinvestors Cerberus auf Commerzbank-Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann. Als Co-Chef des berüchtigten New Yorker Private-Equity-Investors neben Mitgründer Steve Feinberg hat er sich mit dem deutschen Chefkontrolleur der Bank an einen Tisch gesetzt und seine Kritik in ruhigem Ton stetig vorgetragen. Glaubt man den Berichten aus Finanzkreisen, dann sind die Vorschläge, das Kostenkorsett der Commerzbank dem kleineren Geschäft anzupassen, – anstatt umgekehrt – seit langem wirkungslos verhallt, genauer: Seit dem Einstieg von Cerberus mit 5 % im Jahr 2017, als die Commerzbank an der Börse noch doppelt so viel wert war, tritt das Geschäft der Bank auf der Stelle.Jetzt ist Frank Bruno – seit 22 Jahren im Dienst von Cerberus – der Kragen geplatzt. Er hat seine Kritik an Schmittmann in einem Brief dem gesamten Aufsichtsrat zur Kenntnis gegeben und fordert zwei Sitze für bessere Fachleute in dem Kontrollgremium. Sie sollen nicht unbedingt direkt von Cerberus kommen, aber über mehr Expertise verfügen als die bisherigen Kontrolleure. Der öffentlich selten auftretende Cerberus-Mann Bruno, Absolvent der Cornell University und der Wharton School, hat für die Private-Equity-Gesellschaft 32 Mrd. Dollar investiert und mit neuen Büros in Peking, Hongkong und Tokio das Asien-Geschäft ausgebaut. Er ist zugleich der Mann, der die Investments von Cerberus in Banken, Private Equity und Immobilien verantwortet. Keine GeheimwissenschaftBruno schenkt der Behauptung keinen Glauben mehr, dass deutsche Banken ihre Kapitalkosten nicht verdienen können. Das erfordere keine “unglaublich ausgeklügelten Lösungen”. Man müsse lediglich Dinge tun, “die von vielen anderen Banken in Europa und in den USA getan werden”. Bruno ist überzeugt, dass “eine Reihe deutscher Banken ihre Bilanzen bereinigt und ihre Probleme hinter sich gelassen hat” – auch diejenigen, in die Cerberus investiert hat.Der Finanzinvestor ist eine Größe im deutschen Bankenmarkt. Cerberus ist Großaktionär von Deutscher Bank und Commerzbank, Mehrheitseigner der HSH Nordbank und über die an die Börse gebrachte Wiener Bawag auch von süddeutschen Instituten. Zuletzt kauften die Amerikaner ein milliardenschweres Paket Schiffskredite von der Nord/LB. Die Eigner der Nord/LB lehnten jedoch das Angebot von Cerberus und Centerbridge für eine Unternehmensbeteiligung ab.Cerberus hat schon viele schwierige Beteiligungen in Angriff genommen – eine der prominentesten war wohl die zum Scheitern verurteilte Übernahme des US-Automobilherstellers Chrysler im Jahr 2007. Dennoch ist der Finanzinvestor selten eine so gewagte Wette eingegangen wie bei dem Vorstoß, eine Wende im chronisch gering profitablen deutschen Bankensektor herbeizuführen.Die US-Private-Equity-Gruppe, benannt nach dem dreiköpfigen Hades-Hund, hat bereits einen geschätzten Buchverlust von 730 Mill. Euro auf ihre Beteiligungen an deutschen Banken erlitten. Doch unverdrossen plant die New Yorker Gruppe, am Ball zu bleiben.Cerberus ist bereits der größte Anteilseigner der ehemaligen Landesbank HSH Nordbank in Hamburg. Der Finanzinvestor gehört auch zu den führenden Anteilseignern der beiden größten deutschen Darlehensgeber aus dem privaten Sektor und hält 3 % an der Deutschen Bank und 5 % an der Commerzbank, deren Aktienkurse sich im vergangenen Jahr halbiert haben.Auch andere Private-Equity-Investoren werden angezogen von den extrem niedrigen Bewertungen der Banken in der größten Volkswirtschaft Europas. Die Aktien der Deutschen Bank beispielsweise sind an der Börse kaum ein Viertel des Buchwerts des Nettovermögens wert – und notieren damit weit unter einem “normalen” 100 -Prozent-Verhältnis. Die Strategie war, zu einem so niedrigen Kurs einzusteigen, dass es kaum schiefgehen kann. Doch es ist bisher schiefgegangen. Neuer AnlaufNun kommt der neue Anlauf: Cerberus-Mann Frank Bruno wird bei der Attacke auf die Commerzbank von Thomas Schweppe beraten. Der ehemalige Goldman-Sachs-Dealmaker hat in Frankfurt die Investmentgesellschaft 7Square Partners gegründet, die Investoren mit Analysen unterstützt. Zu den Kunden zählt auch der aktivistische Investor Elliott, der unter anderem am Gaskonzern Uniper beteiligt ist und Thyssenkrupp umkrempelte. So gesehen dürfte auch der Angriff auf den Commerzbank-Aufsichtsrat einigen Schwung entwickeln.