Citi-Entscheidung kommt in Frankfurt gut an
Citi-Entscheidung kommt in Frankfurt gut an
wb Frankfurt – Die Entscheidung der Citi, für ihr Wertpapiergeschäft mit Aktien und Derivaten ein zweites Hauptquartier in Frankfurt aufzuziehen, stößt am Finanzplatz auf positive Resonanz. Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, meint, das Vorhaben trage dazu bei, dass sich seine These von 1 000 neuen Stellen in diesem Jahr und 10 000 Jobs auf Sicht von fünf Jahren erfülle. Er geht davon aus, dass sich mindestens zwölf, wenn nicht 20 Banken in diesem Jahr für Frankfurt entscheiden. In der vergangenen Woche hatte J.-P.-Morgan-Chef Jamie Dimon in Paris angekündigt, Frankfurt werde rechtlicher Sitz der Großbank in der EU. Väth erwartet im Anschluss an die Vorlage der Brexit-Pläne der Banken bei der Bank of England eine Welle von Umzugsankündigungen.Die Citi hat sich für Frankfurt entschieden, um sich für die Zeit nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU zu wappnen. Sie rechnet als Basisszenario mit einem “harten” Brexit und plant, den Handel mit Aktien und Derivaten an den Standort der EZB zu verlagern.Die Citi ist das global am stärksten präsente Geldhaus mit Niederlassungen in gut 100 Ländern. Die Bank will einen Broker-Dealer nach europäischem Recht vorhalten. Entstehen könnten damit in der Mainmetropole 150 bis 200 Stellen, um die regulatorischen Auflagen zu erfüllen – in Handel, Risikomanagement, Recht und Compliance. Über künftige Zentren im Investment Banking hat die Citi noch nicht entschieden. In Frankfurt hat sie bislang 360 Beschäftigte, in London sind es 7 000.Einzelne Häuser schielen auch auf Amsterdam und Madrid. Banker gehen nicht davon aus, dass es in Kontinentaleuropa ein einziges Finanzzentrum wie bislang London in der EU geben wird. Wichtig für den Standort ist der Rechtsrahmen für das Euro-Clearing.Dies ist für Häuser wie Bank of America relevant, die eine große Rolle im Zahlungsverkehr für Firmenkunden spielt. Letztere soll Dublin und Frankfurt in Erwägung ziehen, die Credit Suisse angeblich Dublin. Morgan Stanley, wo eine Entscheidung ansteht, will angeblich Frankfurt stärken. Standard Chartered, Nomura, Sumitomo Mitsui und Daiwa haben sich für Frankfurt als “Hub” entschieden. Die UBS hatte schon 2016 ihre Europa-Zentrale in Frankfurt begründet. Goldman Sachs will die hiesige Mannschaft von 200 Leuten mindestens verdoppeln. Die Mainmetropole kommt bisher auf etwa 150 Auslandsbanken und circa 75 000 Leute, die in der Finanzbranche arbeiten.