Coronakrise erhöht stille Last der FMS

Abwicklungsanstalt der früheren Hypo Real Estate registriert aber keine zusätzlichen Kreditausfälle - Verkauf der Depfa vorerst auf Eis

Coronakrise erhöht stille Last der FMS

FMS Wertmanagement registriert keinen zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf infolge der Pandemie. Konkrete Fälle etwa von Kreditstundungen gebe es nicht, sagte Vorstandssprecher Christoph Müller. Die stillen Lasten stiegen aber. Die Abwicklungsanstalt nannte keine Prognose für 2020. Im vergangenen Jahr verdoppelte sich der Gewinn. Allerdings schnellte die Kreditrisikovorsorge in die Höhe.mic München – In der Coronakrise bleibt die FMS Wertmanagement vorerst von zusätzlicher Kreditrisikovorsorge verschont. “Wir haben im Moment keine konkreten Fälle”, sagte Vorstandssprecher Christoph Müller in einer Telefonpressekonferenz anlässlich der Vorlage der Bilanz. Dies gelte für die Anfrage nach Stundungen als auch für veränderte Risikoeinschätzungen von Krediten. Prognose geändertTrotzdem wagt die bundeseigene Abwicklungsanstalt des früheren Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate keine Prognose 2020. Müller verwies zur Begründung auf die Turbulenzen an den Märkten. Daher sei der weitere Geschäftsverlauf nicht abschätzbar. Im Geschäftsbericht 2019, der am 17. März aufgestellt und am 1. April festgestellt worden ist, wird dagegen ein mindestens ausgeglichenes Ergebnis prognostiziert. Müller erläuterte, dies sei überholt. Unklar sei mittlerweile, wie sich die Entwicklung an den Märkten in der Risikovorsorge und im Bewertungsergebnis widerspiegele.Im vergangenen Jahr schnellte die Risikovorsorge für das Kreditgeschäft in die Höhe. Während im Vorjahr noch eine Auflösung von 310 Mill. Euro verbucht werden konnte, drückte der Posten nun mit 283 Mill. Euro auf die Gewinn-und-Verlust-Rechnung (siehe Tabelle). Dies ist das höchste Niveau seit dem Jahr 2015. Man habe pauschale Wertberichtigungen gebildet, um für schwierige Entwicklungen gerüstet zu sein, erläuterte Müller.Die Coronakrise trifft die FMS Wertmanagement dennoch spürbar im Zahlenwerk. Der Saldo von stillen Lasten und Reserven sei im ersten Quartal deutlich gestiegen, sagte Müller. Ausgehend von 16,4 Mrd. Euro zum Jahresende liege er nun zwischen 17 und 18 Mrd. Euro. Damit bewegt sich der Saldo in Richtung des noch höheren Niveaus des Jahres 2016, allerdings bei deutlich geringerer Bilanzsumme (siehe Grafik). Müller begründete die höheren Lasten damit, dass sich die beobachtbaren Marktwerte und Spreads verschlechtert hätten. FMS Wertmanagement ist extrem stark in Italien exponiert, dort liegt rund ein Viertel des Portfolios. Ein weiteres Viertel entfällt auf Großbritannien und ein Fünftel auf die USA.Die Coronakrise wirkt sich zudem auf die Refinanzierung aus. Die Kosten im kurzfristigen Bereich seien gestiegen, sagte Müller. Jedoch habe sich dies in den vergangenen Tagen etwas normalisiert. Sein Unternehmen habe das Volumen der Refinanzierung leicht nach oben gefahren. Im vergangenen Jahr hatte die Abwicklungsanstalt 25 Mrd. Euro vom Finanzmarktstabilisierungsfonds der Bundesrepublik aufgenommen, der die langfristige Finanzierung in Euro sicherstellt. Depfa-Verkauf “auf Sicht”Die Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 bremst die FMS Wertmanagement auch beim geplanten Verkauf der Tochter Depfa Bank. “Wir müssen im Moment auf Sicht fahren”, sagte Müller. Die Vorbereitungen, an denen Barclays als Investmentbank beteiligt ist, seien weitgehend abgeschlossen. Wenn sich ein Marktfenster zeige, werde man den Prozess starten. Ob dies in den nächsten Wochen oder erst Monaten sein werde, werde man sehen.Länger als geplant muss die FMS Wertmanagement auch auf eine Ausschüttung der Tochter in Höhe von 150 Mill. Euro warten. Die Überweisung sei eigentlich für das erste Quartal beschlossen gewesen, sagte Müller. Dann sei die allgemeine Dividenden-Empfehlung der EZB dazwischengekommen. Daher könne die Ausschüttung frühestens am 1. Oktober umgesetzt werden, jedoch sei man in Gesprächen mit der Aufsicht.Die Ausschüttung soll die Depfa-Kernkapitalquote von 152 % zum Jahresende auf rund 125 % drücken. Die Bilanzsumme sank im vergangenen Jahr von 15 auf 9 Mrd. Euro. Das Institut ist hochdefizitär. Sondereffekte aus Transaktionen mit der Mutter erhöhten den Verlust vor Steuern im vergangenen Jahr auf – 95 Mill. Euro. Im Jahr 2018 waren – 36 Mill. Euro aufgelaufen.Vor dem Hintergrund der Diskussion, in der Coronakrise auf Europa-Ebene Bad Banks zu schaffen, zog Müller ein positives Fazit der Betreuung des Erbes der Hypo Real Estate, die in der Finanzkrise in Schieflage geraten war. “Das Bad-Bank-Konzept hat für Deutschland gut funktioniert”, sagte er auf Nachfrage. Ob die Strategie, problembehaftete Assets auszulagern, auch auf Europa-Ebene ein Modell sei, müsse man im Einzelfall gesondert beurteilen.Die Ergebnisse des vergangenen Jahres lobte Müller ausdrücklich: “Zusammenfassend blicken wir auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 zurück.” Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit stieg von 114 Mill. Euro auf 253 Mill. Euro. FMS Wertmanagement habe das gute Marktumfeld genutzt, dies drücke sich im Saldo aus Risikovorsorge und Finanzanlageergebnis aus, erläuterte Müller. Denn trotz der stark gestiegenen Kreditrisikovorsorge drehte er mit 23 (i.V. -105) Mill. Euro in den positiven Bereich.Für den Rückenwind sorgten der Gewinn aus dem Verkauf von zwei Depfa-Hybridkapitalanleihen (233 Mill. Euro) und die Dividendenausschüttung einer britischen Tochtergesellschaft (49 Mill. Euro).Im vergangenen Jahr wurde zwar das Portfolio um 3,7 Mrd. Euro abgebaut, aber gegenläufige Effekte wie der Erwerb von Depfa-Vermögen ließen sowohl Portfolio (69,3 Mrd. Euro) als auch Bilanzsumme (146 Mrd. Euro) steigen. Die bisherigen Pläne, das Portfolio im laufenden Jahr um 4 bis 6 Mrd. Euro zu reduzieren, kommentierte Vorstand Carola Falkner skeptisch: “Die Zahl ist mit Vorsicht zu genießen.” Der Plan sei vor der Coronakrise erstellt worden.