Coronakrise trifft US-Großbanken hart
Coronakrise trifft US-Großbanken hart
Die US-Großbanken stellen sich wegen des wirtschaftlichen Stillstands auf eine schwere Rezession in den USA ein und kommen ihren Kunden entgegen. J.P. Morgan Chase verzeichnet wegen hoher Rückstellungen im ersten Quartal den niedrigsten Gewinn seit 2013, Wells Fargo glückt gerade noch die schwarze Null.lee Frankfurt – Die traditionelle Eröffnung der Quartalssaison durch die US-Banken J.P. Morgan Chase und Wells Fargo lässt schwere Zeiten für die US-Konjunktur erahnen. Die steigende Arbeitslosigkeit infolge der zur Eindämmung der Pandemie beschlossenen Stilllegung von Betrieben und der Ölpreisverfall ließen die Rückstellungen für faule Kredite in die Höhe schnellen. Für zusätzliche Belastungen sorgten hohe Abschreibungen auf Wertpapiere.Wie J.P. Morgan Chase am Dienstag vor Börseneröffnung mitteilte, erhöhten sich die Rückstellungen für faule Kredite im ersten Quartal von 1,43 Mrd. Dollar im Vorjahr auf 8,29 Mrd. Dollar. Die Folge war ein Gewinneinbruch um gut zwei Drittel auf 2,9 (Vorjahr: 9,2) Mrd. Dollar – der schwächste Quartalsgewinn seit 2013. Der Gewinn pro Aktie reduzierte sich derweil von 2,65 Dollar im Vorjahr auf 79 Cent. Die Börse reagierte mit Kursabschlägen von 2,6 % auf 95,53 Dollar je Aktie. “Position der Stärke”Mit der drastischen Erhöhung der Rückstellungen stellt sich J.P. Morgan Chase nach Worten ihres Vorstandschefs Jamie Dimon auf eine schwere Rezession in den USA ein. Zugleich hob er die hohe Kapital- und Liquiditätsausstattung der größten US-Bank hervor: “Das Unternehmen geht aus einer Position der Stärke in diese Krise.” Per Ende März habe sich die Kernkapitalquote (CET1) des Instituts auf 11,5 % belaufen und die Liquiditätsausstattung auf mehr als 1 Bill. Dollar.Besonders heftig schlug sich die Coronakrise im Privatkundengeschäft nieder, das einen Gewinneinbruch um 95 % auf 191 Mill. Euro verbuchte. Ursächlich hierfür waren neben den rückläufigen Zinsen vor allem Rückstellungen, die sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 5,8 Mrd. Dollar mehr als vervierfachten. Damit stellt sich das Institut auf die Folgen der rasant steigenden Arbeitslosigkeit ein. Wegen des Lockdowns sind viele Amerikaner von einem auf den anderen Tag arbeitslos geworden.Welche Existenzängste das bei vielen US-Verbrauchern ausgelöst hat, spiegeln die Kartenumsätze der Kunden von J.P. Morgan Chase wider. Seit Anfang März nutzten sie die Kreditkarte und andere Bankkarten vor allem, um sich im großen Stil mit Lebensmitteln einzudecken. In anderen Bereichen des Konsums gingen die Umsätze dagegen drastisch zurück, was zum Teil auch den geschlossenen Lokalen, Kinos und Geschäften geschuldet sein mag (siehe Grafik).Um die Privatkunden zu entlasten, kündigte J.P. Morgan Chase eine temporäre Verlängerung der Tilgungsfristen auf 90 Tage und einen teilweisen Gebührenverzicht an. Außerdem werde das Institut bis auf weiteres darauf verzichten, einen vereinbarten Zahlungsaufschub an die Auskunfteien zu melden.Auch im Firmenkundengeschäft, in dem J.P. Morgan Chase ein hohes Exposure im Öl- und Gasgeschäft vorweist, schnellten die Rückstellungen in die Höhe, was einen Gewinneinbruch um 86 % auf 147 Mill. Dollar zur Folge hatte. Positive Auswirkungen hatte die Coronakrise lediglich auf das Handelsgeschäft der Großbank, das von der hohen Volatilität an den Börsen profitierte. So stiegen die Einnahmen im Anleihehandel um 32 % und im Aktienhandel um 28 %. Auf die Wertpapiere in den eigenen Büchern musste das Institut im ersten Quartal derweil 951 Mill. Dollar abschreiben.Abschreibungen im gleichen Umfang musste auch Wells Fargo vornehmen. Schwerer wogen indes die Rückstellungen, die sich im Vergleich zum Vorjahr sprunghaft um 3,2 Mrd. Dollar auf 4 Mrd. Dollar erhöhten. Unter dem Strich brach der Gewinn um knapp 90 % auf 653 Mill. Dollar ein, wie das in San Francisco ansässige Institut mitteilte.Die größte US-Retailbank, die an den Folgen verschiedener Vertriebsskandale laboriert, versuchte sich gleichwohl als Stütze der US-Wirtschaft zu gerieren: “Wir haben umfassende Schritte unternommen, um unseren Kunden, Mitarbeitern und Gemeinden zu helfen”, lässt sich Bankchef Charlie Scharf zitieren. So habe Wells Fargo in den vergangenen Wochen Zwangsversteigerungen von Wohnimmobilien vorerst ausgesetzt, teilweise auf Gebühren verzichtet und in vielen Fällen Zahlungsaufschub gewährt. – Wertberichtigt Seite 6