Coronakrise überschattet Neuausrichtung

Nord/LB verzichtet nach Kapitalstärkung auf Prognose für 2020 - Landesbank verringert Verlust deutlich

Coronakrise überschattet Neuausrichtung

Nach der vor allem von Niedersachsen und der Sparkassengruppe getragenen Kapitalerhöhung erfüllt die Nord/LB mit einer Kernkapitalquote per Jahresende von 14,5 (i.V. 6,6) % wieder aufsichtsrechtliche Anforderungen. Ihre Neuausrichtung muss die Bank nun vor dem Hintergrund der Coronakrise vorantreiben.ste Hamburg – Nach einem im vergangenen Geschäftsjahr deutlich verringerten Verlust und einem eigenen Angaben zufolge guten Start in den laufenden Turnus sieht die Nord/LB aufgrund aktuell nicht abschätzbarer gesamtwirtschaftlicher Auswirkungen der Coronakrise von einem Jahresausblick ab. Eine Ergebnisprognose wäre im aktuellen Umfeld unseriös, erklärte Vorstandschef Thomas Bürkle anlässlich der per Telefon veranstalteten Bilanzpressekonferenz. Mit dem Rückenwind einer 3,6 Mrd. Euro umfassenden Kapitalstärkung im Dezember sowie anschließender Ratingverbesserungen will die von der langen Schifffahrtskrise gebeutelte Landesbank bei der Neuausrichtung Kurs halten. Jahresüberschüsse erwartet die Nord/LB laut dem der EU-Kommission vorgelegten Geschäftsplan ab dem Geschäftsjahr 2021.Die Landesbank sieht es bei den Szenarien, mit denen im Risikomanagement kalkuliert wird, derzeit als am wahrscheinlichsten an, dass es im Zuge der Coronakrise zu einem vorübergehenden, aber signifikanten konjunkturellen Einbruch kommen wird. Der Nord/LB-Chef betonte mit Blick auf staatliche Konjunkturpakete, jetzt müsse “vieles passieren, damit Schlimmeres verhindert wird”. Bislang hat die Nord/LB Bürkle zufolge keine Risikovorsorge im Zusammenhang mit der Krise zu bilden – auch wenn davon auszugehen sei, dass Kreditnehmer in schweres Fahrwasser geraten würden.Zu möglichen Risiken im Geschäft mit der Flugzeugfinanzierung sagte Risikovorstand Christoph Dieng, das aktuelle Portfolio der Nord/LB von 4,5 Mrd. Euro sei gut abgeschirmt und verfüge mit langlebigen Assets über “starke Strukturen”. Zudem sei es anteilig verbrieft und versichert. Die Flugbranche leide am meisten unter den aktuellen Reisebeschränkungen. Es seien aber weltweit staatliche Hilfsmaßnahmen zu beobachten, so Dieng. Eine höhere Risikovorsorge auf das Portfolio schloss er nicht aus. Dies sei aber aktuell nicht detailliert abzuschätzen. Risikovorsorge aufgelöstIm vergangenen Jahr führte die Auflösung von Wertberichtigungen in der Schiffsfinanzierung – ihr Problemgeschäft gibt die Nord/LB auf – zu einem positiven Risikovorsorgeergebnis von 29 Mill. Euro. Dies trug neben einem Swing beim Fair-Value-Ergebnis wesentlich dazu bei, dass die Landesbank trotz erhöhter Kosten für Schrumpfkurs und Neuausrichtung einen Verlust von lediglich 69 Mill. Euro verbuchte. Im Jahr 2018 hatte eine Risikovorsorge von fast 1,9 Mrd. Euro vor allem im Schiffsportfolio für einen Rekordverlust von 2,4 Mrd. Euro gesorgt. Aufgrund hoher Risikoabschirmung erwartet die Nord/LB kaum noch Belastungen aus dem Schiffsfinanzierungsportfolio, das 2019 auf 4,6 (i.V. 10,3) Mrd. Euro schrumpfte. Der auf 2,5 Mrd. Euro verringerte Bestand an notleidenden Finanzierungen soll Ende dieses Jahres auf unter 1 Mrd. Euro sinken und Ende 2021 nahezu abgebaut sein.Bis 2024 hat sich die Nord/LB eine Verringerung ihre Bilanzsumme auf rund 95 Mrd. Euro vorgenommen – nach einem stärker als geplant ausgefallenen, gut neunprozentigen Abbau auf 139,6 Mrd. Euro im vergangenen Jahr. Dazu wurde basierend auf dem 2017 initiierten “One Bank”-Programm zur Integration der ehemaligen Tochter Bremer Landesbank ein weiteres Maßnahmenpaket beschlossen, das unter anderem einen weiteren Abbau der Mitarbeiterkapazitäten von 2019 noch 5 163 (5 670) auf 2 800 bis Ende 2023 vorsieht. Der 2018 um 2,9 % auf 970 Mill. Euro gesunkene jährliche Verwaltungsaufwand soll dann bei 625 Mill. liegen – das zuletzt auf 71,7 (99,5) verbesserte Aufwand-Ertrags-Verhältnis bei 46 %. Die Kosten für Restrukturierung und Reorganisation verdoppelten sich 2019 auf 459 (219) Mill. Euro. Mit einem Ergebnis von 429 (- 1 888) Mill. Euro vor diesen Aufwendungen war die Nord/LB, die 2024 eine um Restrukturierungs- und Reorganisationskosten bereinigte Eigenkapitalrendite vor Steuern von 7 % anstrebt, profitabel. Niedersachsens Finanzminister und Nord/LB-Aufsichtsratschef Reinhold Hilbers sagte, das Ergebnis 2019 bestätige seine Einschätzung, dass die Landesbank “das Potenzial für eine rentable Bank besitzt”. Vorstandschef Bürkle betonte weiter, die Nord/LB sei “liquiditätsmäßig” gut aufgestellt. Alle Indikatoren seien “grün”.Eine Entscheidung der Träger, ob die Deutsche Hypo enger in den Konzern integriert wird oder nicht, sei 2021 zu erwarten. Mit einem Verkauf des Gewerbeimmobilienfinanzierers rechnet Bürkle nicht.