"Das ist nur eine Frage der Zeit"
"Das ist nur eine Frage der Zeit"
Die Evangelische Bank geht in Sachen Nachhaltigkeit vorweg: Das Haus entwickelt eine Klimastrategie, die neben der Bank-Ökologie die Kapitalanlagen und das Kreditbuch umfasst. Mit ihren Aktivitäten setzt die Bank jetzt um, was auf Dauer regulatorisch Pflicht wird, meint Berenike Wiener, Direktorin CSR. Von Bernd Neubacher, Frankfurt”Ja, wir sind vor beziehungsweise auf der Welle.” Berenike Wiener, Direktorin Corporate Social Responsibility (CSR) und Sustainable Finance der Evangelischen Bank, lässt durchaus durchblicken, dass sie ihr Haus, was Nachhaltigkeit angeht, vor vielen anderen, gerade großen Instituten, sieht. Das hat Gründe. Denn während sich Deutschlands Großbanken den Trend zur Nachhaltigkeit mit all seinen Implikationen erst allmählich und mit durchaus unterschiedlicher Verve erschließen, sieht sich die genossenschaftlich organisierte Kirchenbank mit Sitz in Kassel schon einige Schritte weiter: “Wir haben keine Angst vor Transparenz, weil wir uns schon seit langem Nachhaltigkeitsthemen aktiv stellen.”So hat die Bank allein von 2016 bis 2018 ihren Wärmeverbrauch um rund ein Viertel reduziert. Das Haus hat Solaranlagen auf dem Dach seiner Zentrale installiert und seine Innenhöfe begrünt. “Wir wollen Verbrauch aktiv vermeiden und uns nicht freikaufen. Das ist ehrlich”, sagt Wiener mit Blick auf Institute, die Defizite in ihrer Umweltbilanz durch den Kauf bestimmter Finanzprodukte kompensieren, um sich als klimaneutral präsentieren zu können.Einer Kirchenbank mit knapp 8 Mrd. Euro Bilanzsumme und Spezialisierung im Gesundheitssektor mag ein solches Vorgehen leichter fallen als etwa einer börsennotierten Universalbank mit Aktiva von Hunderten von Milliarden, weshalb ein branchenweiter Vergleich der jeweiligen Bemühungen, sich zu begrünen, per se hinken dürfte. Das Beispiel der Evangelischen Bank könnte Wettbewerbern allerdings einen Vorgeschmack darauf geben, was auf diese im Zuge vermehrter Regulierung zur Nachhaltigkeit noch zukommt.Dass die Platzhirsche der Branche mächtig Luft nach oben haben, bestreiten nicht einmal die Institute selbst. Zu Jahresbeginn haben WWF Deutschland und das Institut für Nachhaltige Kapitalanlagen 14 große Banken an den Anforderungen gemessen, die ihrer Ansicht nach die Institute bis spätestens 2025 erfüllen müssten, um den Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft aktiv mitgestalten zu können. Als “Vorreiter” oder gar “Visionär” ging kein einziges Institut durch (siehe Grafik).Die Evangelische Bank hat sich derweil vorgenommen, eine “ganzheitliche Klimastrategie” zu entwickeln. Wiener: “Wir schauen, wo Verbräuche und Risiken entstehen, die wir aktiv verringern können.”Da liegt der Teufel im Detail. Was Klimarisiken von Kapitalanlagen angeht, so können sich Banken auf zahlreiche Anbieter von Daten zu ESG (Environment, Social, Governance) stützen. “Das hat auch lange gebraucht, und da sind wir auch noch lange nicht am Ende”, sagt Wiener. Im Kreditbuch, wo entsprechende Daten oft nicht vorliegen, weil die Kunden diese entweder nicht erheben oder nicht offenlegen wollen, liegt jedoch der Hase im Pfeffer. “Da muss man ehrlich schauen, welche aktuellen und zukünftigen Tools es gibt”, sagt Wiener. Zwar gibt es Initiativen wie Partnership for Carbon Accounting Financials (PCAF) oder Methoden wie Paris Agreement Capital Transition Assessment (PACTA).Allerdings sind diese Initiativen wenig kompatibel und in der Praxis noch nicht getestet. Wiener: “Es hilft nichts, wir müssen aktiv sein und den Standard mitgestalten.” Sie sieht auch die positive Seite: “Sicher ist dies ein Hemmnis, zugleich aber auch eine große Chance, mit den Kunden intensiv zu reden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, und damit ein für beide Seiten sinnvoller Kontakt. Im Gespräch kommt dies auch gut an”, berichtet sie. Schließlich trieben ökologische Aspekte auch etwa künftige Eigenheimbesitzer beim Hausbau um. “Wir gucken uns alle Kreditbücher an. Das ist tatsächlich eine Investition”, sagt sie.Die Managerin räumt zugleich ein, dass die Erhebung solcher Daten marktverträglich geschehen müsse: “Wir schauen erst einmal, welche Daten wir ohnehin schon haben. Wir kennen unsere Kunden gut. 500 Zusatzfragen wären natürlich nicht vermittelbar. Aber man muss sich auf den Weg machen.” Schließlich dürfte die Regulierung über kurz oder lang darauf hinwirken, dass Banken diese Daten erheben. “Es ist besser, jetzt zu handeln, als später überfrachtet zu werden. Dass es etwas noch nicht gibt, sollte keine Entschuldigung sein, dass man nichts tut. Denn die regulatorische Schiene wird kommen. Das ist nur eine Frage der Zeit.”