FINANZBRANCHE STEMMT SICH GEGEN CORONA-FOLGEN - IM INTERVIEW: ECKHARD FORST

"Das wichtigste Element ist die Geschwindigkeit"

NRW.Bank setzt auf Universalkredit zur Beseitigung von Liquiditätsengpässen - Haftungsfreistellung wird ergänzt

"Das wichtigste Element ist die Geschwindigkeit"

Bund und Länder packen in der Krise die Bazooka aus, wie es Bundesfinanzminister Olaf Scholz in der Vorwoche beschrieb. Für die KfW hat der Bund in einem ersten Schritt einen Rahmen von 20 Mrd. Euro vorgesehen. Die NRW.Bank geht mit ihrem Universalkredit an den Start – Volumen offen. Herr Forst, Bund und Länder wollen den Firmen in der Coronakrise helfen. Welche Instrumente stehen der Landesförderbank Nordrhein-Westfalens zur Verfügung?Unser Kerninstrument ist der Kredit. Konkret haben wir uns für den Universalkredit entschieden, weil er sehr leicht zu beantragen ist. Wir setzen auf Standardisierung, ergänzen aber die 50-prozentige Haftungsfreistellung um eine 80-prozentige. Dadurch hat die Hausbank ein Instrument an der Hand, das Kreditzusagen in dieser Situation erleichtern sollte, weil sie nur mit 20 % haftet. Wer kommt an den Kredit?Für Kunden, denen es schon vor der Coronakrise sehr schlecht ging, wird es besonders schwierig. Unternehmen, von denen zu erwarten ist, dass sie nach der Krise wieder in ordentliches Fahrwasser kommen, werden die Ersten sein, die unterstützt werden. Werden wir jede ökonomische Situation stützen können? Das ist in der momentanen Lage sicher nicht der Fall. Aber uns geht es an dieser Stelle um Schnelligkeit und nicht um eine perfekte Lösung für jede Fallkonstellation. Die Kunden und Hausbanken sagen uns, sie brauchen jetzt Lösungen. Was wir jetzt können, das bieten wir an. Wir wollen das Angebot nicht durch die Suche nach einer perfekten Lösung behindern. Gibt es beim Universalkredit eine Obergrenze bezogen auf das Gesamtvolumen?Welches Volumen wir verwenden, sehen wir am Ende. Wir starten jetzt erst einmal mit den Anträgen. Sollte das Ausmaß zu groß werden, werden wir sehen, wie wir damit umgehen. Eine Antwort auf diese Frage, bevor der Prozess überhaupt angelaufen ist, würde den Prozess nur verzögern. Unsere Bilanzsumme und unsere Kapitalausstattung erlauben es uns, jetzt einfach mal loszulegen. Wie können Sie den Firmen schnell und unbürokratisch helfen, wenn diese zunächst ihre Hausbank einschalten müssen?Wir arbeiten im Hausbankverfahren. Ich halte das auch für sinnvoll, im ersten Schritt über die Hausbank zu gehen, allein wegen der Geschwindigkeit des Prozesses. Wir kennen die Kunden typischerweise gar nicht. Die Hausbank hat dagegen eine Kreditbeziehung oder kennt zumindest die Umsätze des betroffenen Unternehmens. Die Hausbank ist eher in der Lage, ein Ersturteil abzugeben. Zudem sind wir heute rechtlich gar nicht in der Lage, anders zu handeln. Gibt es spezielle Stützungsprogramme des Landes oder liegt die Krisenbewältigung nicht eigentlich in Händen des Bundes und damit in Händen der KfW?Von Kurzarbeitergeld über Ersatzmaßnahmen in medizinischen Fällen gibt es diverse Hilfsmöglichkeiten. In diesen Fragen sind wir nicht der richtige Ansprechpartner, da ist der Bund die richtige Adresse. Über die KfW-Programme beraten wir als NRW.Bank uneingeschränkt. Die Banken, die uns als Zentralbank nutzen – in Nordrhein-Westfalen sind das alle Sparkassen – bekommen die KfW-Mittel ohnehin über uns. Bayern hat gestern einen Hilfsfonds von 10 Mrd. Euro bereitgestellt. Gibt es vergleichbares in NRW?Ich bin sicher, dass die Landesregierung darüber nachdenkt. Doch es geht auch hier um die Geschwindigkeit. Wenn wir so etwas hätten, wäre meine erste Frage, wie ich das als Förderbank integrieren kann. Wie werden die Beträge zur Verfügung gestellt? Das sind alles hochspannende Fragen. Aber wir wollen am Montag starten. Wenn es so etwas gibt, werden wir uns natürlich bemühen, uns daran zu beteiligen. Wie sieht es mit staatlichen Beteiligungen aus und wo käme die NRW.Bank ins Spiel?Unsere direkten Möglichkeiten haben wir besprochen. In der Beratung nehmen wir natürlich auch Bezug auf den Mikromezzaninfonds Deutschland, der auch stille Beteiligungen eingehen kann ohne Einschaltung der Hausbank. Der potenzielle Kunde muss sich allerdings direkt an den Fonds wenden, wir stellen lediglich den Kontakt her. Wo ist derzeit der dringlichste Bedarf?Im Kern liegt der Bedarf momentan in der Liquidität. Dabei scheint das eindeutig wichtigste Element die Geschwindigkeit zu sein. Das zumindest lesen wir aus den Anrufen auf unserer Service-Hotline ab. Das drängendste Problem ist, dass die Unternehmen ganz kurzfristig Hilfe – also in zwei, drei Wochen und nicht in zwei, drei Monate – brauchen. Können Sie schon eine Aussage treffen, welche Firmen mit Blick auf die Größe derzeit am stärksten in Mitleidenschaft gezogen sind?Wir haben noch keinen Gesamtmarktüberblick. Wenn wir schauen, wer derzeit bei uns anruft, dann handelt es sich um kleine und vielleicht noch mittelgroße Unternehmen, deren Jahresumsatz sich vielleicht im niedrigen zweistelligen Millionenbereich bewegt. Es ist noch zu früh für weitergehendere Aussagen.Das Interview führte Annette Becker.