Datengeschäft schwächelt

Bei der London Stock Exchange brummt vor allem das Kassamarktgeschäft

Datengeschäft schwächelt

Bei der London Stock Exchange Group ist das Kassamarktgeschäft dank der großen Volatilität im Auftaktquartal überraschend gut gelaufen. Das Wachstum der Sparte Information Services blieb dagegen hinter den Erwartungen zurück. Die Übernahme von Refinitiv soll im zweiten Halbjahr abgeschlossen werden.hip London – Das Datengeschäft der London Stock Exchange Group hat im ersten Quartal die Markterwartungen verfehlt. Wie der Betreiber der Börsen von London und Mailand mitteilte, stieg der Umsatz des ehemaligen Zugpferdes Information Services auf 215 (i.V. 201) Mill. Pfund. Analysten hatten dagegen 227 Mill. Pfund auf der Rechnung. Das verwaltete Vermögen der ETFs, die sich an Produkten des Indexgeschäfts FTSE Russell orientieren, ging dem Unternehmen zufolge um 11 % zurück.Die Volatilität an den Aktienmärkten sorgte allerdings dafür, dass der Umsatz der Kapitalmarktsparte trotz eines schwachen IPO-Geschäfts im Auftaktquartal um 15 % zulegte. Zu den wenigen Unternehmen, die den Sprung aufs Parkett wagten, gehörte Calisen, ein Anbieter intelligenter Stromzähler. Börsengänge an den Londoner Märkten spielten gut ein Fünftel weniger ein als ein Jahr zuvor. Am Ende stieg der Umsatz der Gruppe insgesamt um ein Zehntel auf 535 Mill. Pfund, was nur noch geringfügig unter den Erwartungen lag. Widerstandsfähigkeit geht vor”Obwohl das Marktumfeld schwierig bleiben dürfte, glauben wir, dass die Gruppe finanziell stark ist und über die notwendigen Ressourcen verfügt, um in diesem Umfeld effizient zu arbeiten”, sagte Chief Executive David Schwimmer. Der operativen Widerstandsfähigkeit der Sparten Capital Markets, Information Services und Post Trade werde Priorität eingeräumt.Es sei noch zu früh, sich zu den möglichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf das Geschäft der Gruppe im laufenden Jahr zu äußern, sagte Chairman Don Robert auf der gestrigen Hauptversammlung. “Allerdings glaubt die Gruppe, dass die langfristigen Wachstumstreiber in jedem ihrer Geschäftsfelder intakt bleiben werden.”Das Management rechnet mit dem Abschluss der 27 Mrd. Dollar schweren Übernahme des Finanzdatenanbieters Refinitiv im zweiten Halbjahr. Wie die Analysten der UBS dazu anmerken, hat die vertiefte Prüfung der Transaktion durch die EU-Kommission noch nicht begonnen.Die strategischen Gründe für den Deal bestehen zwar unverändert fort. Doch hat sich das Umfeld erheblich verändert. Die Analysten der Deutschen Bank haben sich deshalb einmal angesehen, wie Refinitiv durch die Finanzkrise gekommen ist, als die Kerngeschäfte des Unternehmens noch zum Segment Markets von Thomson Reuters gehörten. Alles in allem sei die Performance “eher ermutigend” gewesen, was auf eine gewisse Robustheit im Falle eines Abschwungs hindeute. Die Refinanzierung der Schulden von Refinitiv dürfte sich nach der jüngsten Ausweitung der Spreads verteuern. Das gefährde den vom Übernahmeobjekt erwarteten Beitrag zum Ergebnis je Aktie aber nicht nennenswert. Denn das absolute Niveau der Zinsen sei nur marginal höher als bei Verkündung des Deals im August vergangenen Jahres. Verkäufe von Unternehmensteilen würden den Weg zu einem niedrigeren Verschuldungsgrad verkürzen. Allerdings hatte Schwimmer erst vor kurzem deutlich gemacht, dass er an der Borsa Italiana festhalten will (vgl. BZ vom 29. Februar).