Déjà-vu für die KfW
Déjà-vu für die KfW
Förderbanken sind ein Instrument der Konjunkturstütze, das Politiker in einer Krise gerne einsetzen: Die neuen Hilfen für Unternehmen durch die KfW ähneln dem Sonderprogramm, das die Bank auf Geheiß Berlins während der Finanzkrise lanciert hat. Die Erfahrung lehrt, dass die Nachfrage mitunter gering ist.jsc Frankfurt – Neun Jahre nach Ende eines Sonderprogramms im Zuge der Finanzkrise bereitet die Förderbank KfW erneut ein milliardenschweres Hilfspaket für Unternehmen vor: In einem künftigen Programm sollen KfW-Kredite, die von gewöhnlichen Banken und Sparkassen ausgereicht werden, für Betriebsmittel mit bis zu 80 % mit einer Risikoübernahme des Bundes gedeckt werden, während Darlehen für Investitionen sogar bis zu 90 % erhalten, wie die KfW am Freitag mitteilte. Außerdem weitet die Bank bestehende Programme in der Unternehmens-, Wachstums- und Gründungsfinanzierung aus. Zuvor hatten Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesfinanzminister Olaf Scholz umfangreiche Hilfen angekündigt. Für die KfW sieht der Bund zunächst einen Rahmen von 20 Mrd. Euro vor, der noch aufgestockt werden kann.Das Drehbuch von heute ähnelt dem Vorgehen während der Finanzkrise: Bereits Ende 2008 hatte die Bundesregierung im Lichte der Finanz- und Wirtschaftskrise als Teil der Konjunkturpakete Garantien für Kredite an Unternehmen zusagt: Rund 40 Mrd. Euro hatte die KfW für das Programm damals angepeilt. Ausgeschöpft wurden die Hilfen mit 14 Mrd. Euro aber bei weitem nicht. Während kleine und mittlere Unternehmen die Mittel rege abriefen und vor allem Betriebsmittel finanzierten, nahmen größere Firmen nur wenige Darlehen auf. Das Programm endete bereits 2010, ein kleiner Teil wurde noch 2011 ausgezahlt.Hielten sich Banken damals angesichts einer Refinanzierungsklemme zurück, führt heute die Angst vor der Pandemie zu einer Störung des Betriebsablaufs von Unternehmen, etwa weil Mitarbeiter zuhause bleiben müssen oder Lieferketten gefährdet sind. Einige Branchen wie Gastronomie, Luftfahrt und Tourismus kämpfen außerdem mit einer rapide nachlassenden Nachfrage. Nachdem die EZB am Donnerstag Kapitalerleichterungen und Liquiditätshilfen für Banken auf den Weg gebracht hat, sollen nun auch Bundesgarantien einer günstigen Finanzierung für Firmen den Weg ebnen. Neuordnung in der KriseWährend akute Hilfen zeitlich befristet sind, können Krisen das Neugeschäft einer Förderbank nachhaltig verändern. Vor dem Höhepunkt der Finanzkrise hatte die KfW noch im großen Stil Kredite verbrieft und am Kapitalmarkt veräußert und auch selbst in Verbriefungen investiert. Der Markt brach 2008 zusammen, das Segment wird heute nicht mehr separat von der Bank ausgewiesen.Dafür wurden im Rahmen der Konjunkturhilfen neue Programme auf den Weg gebracht oder aufgestockt, etwa ein Programm für Infrastruktur oder Firmendarlehen für Innovationen und zur Energieeffizienz. Prägend waren die Veränderungen im Privatkundengeschäft: Die KfW fasste damals mehrere Programme zu “Energieeffizient Bauen und Sanieren” zusammen und stockte die Hilfen auf. Außerdem schuf sie mit “Altersgerecht umbauen” ein Programm, das ebenfalls als Baustein des Konjunkturprogramms gedacht war. Beide Programmgruppen haben die Krise überlebt. Während “Altersgerecht umbauen” mit einer halben Milliarde im Jahr 2019 ein kleines Programm ist, prägt das Energieeffizienzprogramm das Neugeschäft mit 11,2 Mrd. Euro erheblich.Auch das neue Sonderprogramm ist mit einer Ausweitung bestehender Hilfen flankiert: Eine höhere Risikoübernahme und eine Ausweitung auf größere Firmen ist für Unternehmens-, Wachstums- und Gründungskredite vorgesehen. Das Wachstumsprogramm wird dabei nicht mehr auf Innovation und Digitalisierung beschränkt, sondern soll auch für die allgemeine Finanzierung gelten.Unklar ist bislang, wie die KfW die nahende Konjunkturdelle verkraftet: Bislang sehe die Bank nur vereinzelt eine Verschlechterung der Bonität von Firmen. “Im weiteren Verlauf der Pandemie erwarten wir zusätzliche Effekte auf das Kreditportfolio”, erklärt die Bank auf Nachfrage, doch hänge vieles von der Schwere der Pandemie und den Maßnahmen zur Eindämmung ab. Die neuen Hilfen binden wegen der Risikoübernahme des Bundes zwar nur wenig Kapital. Wenn Kredite über eine längere Zeit gestört seien, steige aber der Aufwand für die Kapitalunterlegung.Dazu müssen die Unternehmen die Hilfen aber erst einmal ziehen – was sie nicht unbedingt tun: Die zweite bundesweit agierende Förderbank, die Landwirtschaftliche Rentenbank, hat wegen der Sommerdürre 2018 Hilfsdarlehen lanciert. Das Programm wurde zunächst selten abgerufen. Sollte sich das Corona-Virus eindämmen lassen, wäre das ein glücklicher Grund für eine geringe Nachfrage nach KfW-Hilfen. – Bericht Seite 4