IM GESPRÄCH: NICHOLAS BRINCKMANN

"Der Beton fließt"

Alle Projektentwicklungen der Hansainvest Real Assets laufen trotz Coronakrise weiter - Gesellschaft stellt aber ihre Ziele in Frage

"Der Beton fließt"

Von Thomas List, FrankfurtDie Fondsgesellschaft Hansainvest Real Assets plant eine deutliche Ausweitung der Projektentwicklungen zur Renditesteigerung. Außerdem will die zum Versicherungs- und Finanzdienstleistungskonzern Signal Iduna gehörende Gesellschaft ihre Investments im Infrastrukturbereich verstärken, insbesondere durch die Bereitstellung von Mezzaninekapital. Über Spezialfonds will die Gesellschaft institutionelle Investoren, vor allem Versicherer, ansprechen.”Wir haben uns für dieses Jahr eine Erhöhung des Projektentwicklungsvolumens um 50 % vorgenommen”, sagte Nicholas Brinckmann, Sprecher der Geschäftsführung von Hansainvest Real Assets, im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. Das entspräche einem Volumen von rund 900 Mill. Euro. Die Pläne stammen allerdings noch aus der Zeit vor der Coronakrise. “Ich rechne durch Corona mit einer Verschiebung unserer Ziele. Wir versenden zwar noch Letters of Intent, aber wir können im Moment nicht reisen.” An den Baustellen werde aber gearbeitet. “Der Beton fließt. Keine Baustelle ist geschlossen.” Verzögerungen seien natürlich möglich.Durch den Ausfall der Immobilienmesse Mipim fehle ein wichtiger Impulsgeber. Bei den Transaktionen sei im ersten Quartal “praktisch nichts gelaufen”. Im Gesamtjahr könne das Investitionsvolumen – geplant waren Ankäufe von 500 Mill. Euro – deutlich geringer ausfallen. “Für genaue Aussagen ist es zu früh. Je länger der Shutdown andauert, desto weiter entfernt von unserem Ankaufsziel werden wir landen – obwohl wir natürlich alle Anstrengungen unternehmen werden, um die verlorene Zeit wieder reinzuholen.” Brinckmann betonte aber, dass die langfristigen Trends wie niedrige Zinsen intakt seien. “Wir scharren mit den Hufen und legen wieder los, sobald die Restriktionen gelockert oder aufgehoben worden sind.” Mieter bitten um StundungAktuell sieht sich Brinckmann Bitten von Mietstundungen gegenüber, insbesondere von Hotelbetreibern. “Damit werden wir partnerschaftlich umgehen. Schließlich wollen wir unsere Mieter ja behalten.” Allerdings sind Gastronomie und Hotels im Portfolio nur von nachrangiger Bedeutung, wie der Hansainvest-Geschäftsführer betont.Die Gesellschaft verwaltet mit 90 Mitarbeitern einen Bestand im Wert von 6,1 Mrd. Euro. Davon entfallen 5 Mrd. Euro auf Immobilien und 1,1 Mrd. Euro auf Infrastruktur. “Wir investieren direkt in europäische Büro-, Wohn- und Logistikobjekte. In den USA sind wir mit einem ausführenden Partner vor Ort über einen Spezialfonds aktiv, und Asien decken wir mit einem neuen Globalfonds ab, der in andere Fonds investiert.”Hansainvest Real Assets hat bisher vier Spezialfonds aufgelegt, davon einen speziell für einen deutschen Lebensversicherer. Spezialfonds sind deutschen Institutionellen vertraut. Daher setzt Brinckmann auf dieses Vehikel in der Drittkundenakquise. “Weil wir zu einem Versicherungskonzern gehören, sind uns die Berichtspflichten nach Solvency II gut vertraut. Unser Track Record hilft uns im Kontakt mit Versicherern sehr.”In dieser Zielgruppe stellt Brinckmann ein großes Interesse an Projektentwicklungen fest. Dafür hat der Assetmanager eine eigene Abteilung mit sechs Mitarbeitern aufgebaut. Sie betreut aktuell sechs Projekte im Volumen von rund 610 Mill. Euro von der Konzeptions- über die Genehmigungs- bis zur Realisierungsphase. “Aktuell betreuen wir Büroprojekte in der Hamburger City Nord und in München sowie ein Motel One in Hannover. In einem Joint Venture mit der GEG errichten wir in Frankfurt den Global Tower.”Aufgrund der begrenzten eigenen Kapazitäten will Brinckmann solche Gemeinschaftsprojekte, bei denen der Partner den operativen Teil übernimmt und Hansainvest Real Assets als “konstruktiver” Investor agiert, weiter vorantreiben.Ein weiterer Schwerpunkt von Hansainvest Real Assets sind Logistikimmobilien. Ihr Anteil am Gesamtportfolio hat sich seit 2018 auf 13 % verdoppelt. “Wir haben einen entsprechenden Spezialfonds mit einem Volumen von 400 Mill. Euro aufgelegt, mit dem wir uns auf Roadshow zur Investorenakquise befinden.” In normalen Zeiten wäre sie vermutlich Ende dieses Monats abgeschlossen gewesen.Deutlich ausbauen will Brinckmann das zweite Standbein der Hansainvest Real Assets: Infrastruktur. “Wir setzen in Deutschland auf Wind- und Solarkraftwerke. Bei anderen Infrastruktureinrichtungen wie Hafenanlagen oder Funkmasten beteiligen wir uns an entsprechenden Fonds.” Aufgrund der stark gesunkenen Renditen von Eigenkapitalvorhaben – bei Windenenergie sind sie seit 2014 um 2,5 Prozentpunkte gesunken – agiert Hansainvest Real Assets inzwischen auch als Fremdkapitalgeber. “Da lassen sich mittlerweile 150 bis 200 Basispunkte mehr Rendite erzielen.”Im Moment sehen sich Brinckmanns Mitarbeiter mit deutschen Projektentwicklern in Osteuropa nach neuen Investitionsmöglichkeiten um. “Die Einzelengagements im Mezzaninebereich sollen zwischen 25 und 80 Mill. Euro liegen. Im Gesamtjahr 2020 wollen wir im Infrastrukturbereich 70 bis 100 Mill. Eigenkapital investieren.”