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Der BHF-Banker, den Bill Clinton kennt, geht

Von Bernd Neubacher, Frankfurt Börsen-Zeitung, 14.3.2020 "Of course I know Frank" - wenn Ex-US-Präsident Bill Clinton jemandem während eines Dinners in Washington mit diesen Worten den Arm um die Schulter legt und damit dem Versuch einer...

Der BHF-Banker, den Bill Clinton kennt, geht

Von Bernd Neubacher, Frankfurt”Of course I know Frank” – wenn Ex-US-Präsident Bill Clinton jemandem während eines Dinners in Washington mit diesen Worten den Arm um die Schulter legt und damit dem Versuch einer Bekanntmachung von dritter Seite zuvorkommt, dann weiß man, sofern man Frank ist, dass man im Berufsleben irgendetwas richtig gemacht haben muss – selbst wenn sich kurz darauf herausstellt, dass man gar nicht zu diesem Dinner eingeladen ist, sondern zu einem Abendessen desselben Gastgebers andernorts. In der Liste der schönsten Anekdoten aus dem Berufsleben rangiert die unverhoffte Begegnung mit dem Mann aus Arkansas für BHF-Banker Frank Behrends auch deshalb weit oben, weil der Mann, der Behrends Clinton damals vorstellen wollte, Europa-Chef der ING war – mit der Übernahme durch das niederländische Institut 1999 hatte sich die Belegschaft der BHF-Bank nie so recht anfreunden können und den nächsten Käufer Sal. Oppenheim daher umso freudiger begrüßt, nicht ahnend, welchen Lauf die Dinge nehmen sollten. Als Teil der französisch-deutschen Bankengruppe Oddo-BHF betrachtet Behrends die Bank heute als bestens aufgehoben. Frankreich und Deutschland seien nun einmal sehr enge Handelspartner, auf die ein Großteil der Wirtschaftskraft Kontinentaleuropas zurückgehe, sagt er. Da könne man sich im Ausland gut als europäische Bank positionieren. Sein Ausblick auf die Branche fällt gleichwohl, unabhängig von Corona, recht verhalten aus. “Ich sehe weiter eine Konzentration”, sagt er.Ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören? Der 63-Jährige, der schon zu Beginn des Jahres als für Kreditrisiko, IT, Operations und Personal verantwortliches Oddo-BHF-Vorstandsmitglied ausgeschieden ist, will da nicht widersprechen. Dass zudem eine Menge Termine, Druck und Verantwortung weichen, weiß er sehr zu schätzen. Ganz loslassen allerdings will der Manager, der nach einem Studium der Betriebswirtschaft 1981 mit einem Trainee-Programm bei der damaligen BHF-Bank eingestiegen war, dem Haus stets die Treue hielt, dann doch nicht. Als Berater wird Behrends, den die Bank am kommenden Dienstag offiziell in den Ruhestand verabschieden wollte, bevor der Coronavirus diese Pläne durchkreuzte, noch eine Weile an Bord bleiben, ebenso als Mitglied im Kreditkomitee – ein Arrangement, an dem er umso mehr Gefallen fand, je näher der letzte Arbeitstag rückte. “Von 100 auf null abgebremst zu werden, ist auch nicht so einfach”, sagt Behrends, der für die Bank unter anderem als Leiter der Filiale in Singapur, als Leiter ihres “Europabüros” und später ihres International Corporate Banking Department tätig war und über 100 Länder bereist hat.Im Vorsitz des Hessischen Bankenverbandes, für den er während Schulferien regelmäßig Lehrkräften die Welt des Banking näherbringt, löste ihn Commerzbank-Vorstandsmitglied Bettina Orlopp bereits im April vergangenen Jahres ab. Eintracht Frankfurt bleibt deren langjähriger Aufsichtsrat als Beirat verbunden. An Plänen für die wiedergewonnene Freizeit mangelt es nicht. So will sich Behrends verstärkt der Familie und seinem Enkel widmen: “Ich war nie der Opa, der das Kind vom Kindergarten abholen konnte.” Auch auf dem Golfplatz will er sich vermehrt sehen lassen, nachdem sein Handicap zuletzt von 14 auf 18 abgerutscht ist.