IM GESPRÄCH: PATRICK WEIDEN

Der Kunde als Wiederholungstäter

Bankhaus Lampe umwirbt als Nischenplayer Firmenkunden - "Mittelstandsbonds verlieren Schmuddelimage"

Der Kunde als Wiederholungstäter

Das Bankhaus Lampe etabliert sich zunehmend als Nischenplayer im Firmenkundengeschäft. Patrick Weiden, Bereichsleiter Kapitalmarktgeschäft, erläutert die Gründe für den Erfolg.Von Annette Becker, DüsseldorfObwohl die Historie des Bankhauses Lampe als Spezialist für Equity & Debt Capital Markets im Bereich der Small und Mid Caps noch vergleichsweise kurz ist – der Startschuss für die Offensive im Kapitalmarktgeschäft fiel 2013 -, rühmt man sich in Düsseldorf bereits zahlreicher “Wiederholungskunden”. Erst in der vergangenen Woche begleiteten die Düsseldorfer das Frankfurter Gewerbeimmobilienunternehmen DIC Asset als Joint Bookrunner zusammen mit Citi bei der Emission einer letztlich 130 Mill. Euro schweren Unternehmensanleihe. Für die Düsseldorfer Privatbank war es seit 2013 bereits die siebte Transaktion für DIC, an der sie federführend beteiligt war, wie Patrick Weiden, Leiter Equity & Debt Capital Markets, nicht ohne Stolz berichtet.Auch für Hella, dem seit 2014 börsennotierten Autozulieferer aus Lippstadt, war Lampe auf der Eigenkapitalseite schon bei vier Transaktionen an vorderster Front dabei – allen voran dem innovativen Börsengang, dem drei Umplatzierungen aus Familienbesitz nachfolgten. Zudem standen die Düsseldorfer dem Maschinen- und Anlagenbauer Manz in den letzten Jahren bei drei Kapitalerhöhungen federführend zur Seite.Das spiegelt sich auch im Ranking der Bookrunner aller Aktienemissionen in Deutschland – zumindest dann, wenn man sich auf Volumina zwischen 30 und 200 Mill. Euro beschränkt. Dann nämlich bringt es die zum Familienkonzern Oetker gehörende Bank auf Rang 3 noch vor Commerzbank und Deutscher Bank (siehe Tabelle). Ein Ansprechpartner für allesBei den meisten Eigenkapitaltransaktionen ging es “nur” um Volumina im zweistelligen Millionenbereich. Das aber ficht Weiden nicht an, versteht sich Lampe im Firmenkundengeschäft doch explizit als Nischenplayer, dessen Stärke in der besonderen Nähe zum Kunden liegt. “Uns suchen Unternehmen, die stark unternehmerisch geprägt oder im Familienbesitz sind”, umreißt der Banker die Ausrichtung der Firmenkunden, die gezielt zu Lampe kommen.Diese legten besonderen Wert darauf, für alle Finanzierungsthemen nur einen Ansprechpartner in der Bank zu haben. Folgerichtig sprechen die Corporate-Finance-Experten von Lampe für alle Produkte. Dadurch werde ein ganzheitlicher Beratungsansatz sichergestellt. “Da wir nicht vom Kreditbuch abhängig sind, sind wir in der Beratung unabhängig”, rührt Weiden die Werbetrommel.Bislang sind die Düsseldorfer mit dieser Strategie sehr gut gefahren, kommen sie an viele Transaktionen doch über Empfehlungen. So beispielsweise beim Autozulieferer Paragon, der jüngst bei einer Mittelstandsanleihe begleitet wurde. Die Anleihe war am ersten Zeichnungstag binnen weniger Stunden überzeichnet, so dass das Volumen aufgestockt wurde und das Unternehmen dennoch die günstigsten Konditionen für sich herausholen konnte. “Bei uns geht es um langfristige Kundenbeziehungen. Wir wollen auf der Unternehmensseite Geld verdienen und nicht durch Einzeltransaktionen mit Hedgefonds”, betont Weiden.Da Lampe nicht mit einer dicken Bankbilanz wuchern kann und auf der Bondseite auch nicht über globale Vermarktungskapazitäten verfügt, können auf der Fremdkapitalseite ohnehin nur kleinere Transaktionen begleitet werden. Damit ist Lampe schwerpunktmäßig in dem in Verruf geratenen Segment der Mittelstandsanleihen unterwegs. Nicht ohne Grund spricht Weiden daher lieber von kleinen Anleihen mit einem Volumen von bis zu 200 Mill. Euro.Nach seiner Einschätzung ist der Mittelstandsmarkt inzwischen aber auch auf dem Weg der Gesundung. “Mit zunehmender Professionalisierung des Marktes und der Marktteilnehmer werden Mittelstandsanleihen ihr Schmuddelimage verlieren”, zeigt sich Weiden überzeugt. Das zeige sich allein daran, dass die Preise heute von institutionellen Investoren diktiert würden – und nicht von privaten Investoren, wie es beim Start des Marktsegments vor sieben Jahren der Fall war. “Der Ausfall einer Mittelstandsanleihe schlägt sofort auf die Reputation der begleitenden Bank durch”, verdeutlicht Weiden, dass die Bank an dieser Stelle mit besonderer Sorgfalt ans Werk geht. Family-Offices-NetzwerkDie besondere Rolle, die Lampe im Emissionsgeschäft zukommt, sieht Weiden aber auch in der Komplementarität zu großen Häusern wie Citi oder Deutsche Bank. “Wir haben keine vergleichbaren Wettbewerber in puncto Family-Offices-Netzwerk”, stellt er die besondere Platzierungskraft der Privatbank heraus. Beispielhaft kam das beim Hella-Börsengang im Herbst 2014 zum Ausdruck, bei dem es vor allem auch auf einen guten Investorenmix bei der Platzierung ankam.Nicht ohne Grund ist die Hella-Transaktion bis heute in aller Munde und beschert Lampe das ein oder andere Beratungsmandat. Spruchreif ist in diesem Zusammenhang zwar noch nichts, doch zeigt sich Weiden mit Blick auf Börsengänge und Kapitalerhöhungen zur Wachstumsfinanzierung für das zweite Halbjahr dieses Jahres sowie für 2018 zuversichtlich. Auf eine konkrete Zahl will sich der Banker gerade beim Thema Börsengänge allerdings nicht einlassen.