Detailfragen zu Mifid II ärgern DWP Bank
Detailfragen zu Mifid II ärgern DWP Bank
Die Einführung der EU-Richtlinie Mifid II ist kompliziert genug – da ist es aus Sicht der Kreditwirtschaft ärgerlich, wenn Details erst spät bekannt werden, wie der Chef der DWP Bank sagt. Auch darüber hinaus fordert der Infrastrukturanbieter eine Entlastung in der Regulierung.Von Jan Schrader, FrankfurtAlle Hände voll zu tun hat die Finanzbranche ohnehin schon: Die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II und die zugehörige Verordnung Mifir, die mehr Handelstransparenz schaffen, die Marktinfrastruktur reformieren und die Regeln im Fonds- und Wertpapiervertrieb verschärfen sollen, sind für die Finanzbranche bekanntlich ein dicker Brocken. Die späte Klärung von Detailfragen führe darüber hinaus dazu, dass die Branche bisherige Annahmen mitunter wieder über den Haufen werfen müsse und sich der Aufwand somit weiter erhöhe, sagt Heiko Beck, Chef der Deutschen WertpapierService Bank (DWP Bank), im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. “So etwas sollte sich nicht wiederholen.”Das komplexe Regelwerk wurde bereits an vielen Stellen nachjustiert. So legen etwa deutsche Verordnungen Details zu den Mifid-Regeln fest, während die europäische Wertpapieraufsicht ESMA auf konkrete Fragen antwortet und somit ebenfalls genauere Standards schafft. Die Bank spricht von einem “stark verzögerten Gesetzgebungsverfahren”, dessen zunächst teils unpräzise Regeln zu “aufwendiger Abstimmung mit unseren Kunden, den Verbänden, Handelsplattformen sowie dem Regulator” geführt hätten.Als systemrelevanter Infrastrukturdienstleister für Banken und Sparkassen ist die DWP Bank besonders von dem Regelwerk betroffen. Sie betreut per Ende 2016 für 1 420 Geldhäuser in Deutschland rund 5 Millionen Kundendepots, begleitet zugehörige Transaktionen und bietet ergänzende Dienstleistungen. Das Frankfurter Unternehmen stimmt mit den verschiedenen Bankverbänden praktische Fragen der Mifid-Umsetzung ab. Vor- und Nachhandelstransparenz, Zielmarktdefinition für Finanzprodukte und Kostentransparenz sind dabei nur einige Schlagworte. Von den vor anderthalb Jahren veranschlagten 14 Mill. Euro steigen die Kosten nun auf voraussichtlich 20 Mill. Euro, wie Beck sagt.Da das Regelwerk bis Anfang 2018 umgesetzt werden muss, testet die Bank die Systeme bereits seit Monaten. Das ging zum Teil nur auf Basis von Hypothesen, sagt Beck. Bei der zusätzlichen Vor- und Nachhandelstransparenz hat das seinen Angaben nach gut funktioniert. Die Vorgaben der Kostentransparenz brachten aber Änderungen mit sich. Auch zu der Praxis der “Best Execution”, also der bestmöglichen Ausführung von Kundenaufträgen, kamen weitere Einzelheiten hinzu, so dass die DWP Bank auf Betreiben der Sparkassen eine einheitliche Lösung baut.Andere Großprojekte rücken da beinahe schon in den Hintergrund: Die Einführung der zentralen Wertpapierabwicklung in Zentralbankgeld (Target 2 Securities, T2S) hat die Bank mit der europaweit “vierten Welle” im Februar weitgehend gestemmt und passt jetzt nur noch Kleinigkeiten an; die Investmentsteuerreform, welche die Besteuerung inländischer Fonds neu regelt, erfordert die Einführung einer neuen steuerlichen Ebene und einen lückenlosen Übergang zum Jahresende. Neue MenükartePreise und Leistungen stellt das Institut im laufenden Turnus auf neue Füße. Nach zahlreichen Fusionen in den vergangenen Jahren war der Katalog des Anbieters immer weiter angeschwollen. Ab Anfang 2018 tritt der Infrastrukturanbieter mit rund 60 Standardprodukten an Kreditinstitute heran, aufgeteilt auf die vier Bereiche Transaktionen, Depot, Verwahren und Sonstiges. Abweichende Komponenten sollen von 723 auf 379 reduziert werden, wie der Geschäftsbericht aufschlüsselt.Transaktionen werden nach den Worten des Bankchefs künftig deutlich billiger, während die Depotführung im Zuge zahlreicher Regulierungsvorhaben teurer werde. Nun liege es an der rund 1 300 Mitarbeiter zählenden Bank, den Kunden die Umstellung zu erläutern. “Für einige wird es günstiger, bei anderen ändert sich nicht viel, für manche wird es auch teurer werden”, sagt Beck. Eine Prognose auf Grundlage von 2015 hat die Bank ihren Kunden schon übermittelt, nächster Schritt ist eine weitere Hochrechnung auf Basis für 2016. Dabei kann es für Kundeninstitute künftig günstiger sein, auf individuelle Leistungen zu verzichten und sich aus dem Standardkatalog zu bedienen.Mit der Neuaufstellung des Preissystems ist es nicht getan. Unter Becks Führung lancierte das Haus das Projekt “DWP Bank 4.0”, das neben einer Erweiterung der Dienstleistungen auch eine Verbesserung der Prozesse und eine Weiterentwicklung der Technik umfasst. Dabei wolle die DWP Bank nicht nur die technischen Grundlagen des Online-Wertpapierhandels erweitern, sondern auch die Voraussetzungen für automatische Online-Vermögensverwalter (Robo-Advisor) schaffen. Denn bislang kooperieren die neuen Online-Dienste mit unabhängigen Anbietern von Wertpapierdepots, um Kundenmittel aufzubewahren. Damit eine Bank oder Sparkasse dieses Geschäft selbst behalten kann, falls sie mit einem automatischen Vermögensverwalter kooperiert, arbeitet die DWP Bank an einer technischen Lösung, wie Beck sagt. Ein weiteres Projekt sei ein Instrument, das den Instituten in den Kundendepots eine automatische Wiederanlage von Ausschüttungen ermöglicht, ähnlich einem thesaurierenden Produkt.Noch lange nicht praxistauglich ist derweil die Technik der Blockchain, die Transaktionen über zusammenhängende Datenblöcke dezentral abspeichert. Die DWP Bank will die Technik wie zuvor etwa bereits die Deutsche Börse für ausgewählte Transaktionen testen. Der Handel mit Wertpapieren ist laut Beck aber komplexer als der Erwerb von Digitalwährungen, wo die Blockchain bislang vor allem zum Einsatz kommt. “Einen raschen Durchbruch wird es nicht geben”, sagt er über die Perspektiven der Technik. Pause bei KonsolidierungDie Modernisierung der Bank führt zu einem Abbau von Stellen, der nach Darstellung des Bankchefs bereits überwiegend vollzogen wurde. Nachdem bis Anfang 2018 insgesamt 140 Vollzeitstellen gestrichen werden sollten, kamen später weitere 50 Stellen hinzu, wie der Geschäftsbericht aufschlüsselt.Eine rasche Konsolidierung in der Branche sehe er nicht, sagt Beck. Die Bank könne zwar weitere Kunden bedienen, doch führe die Umsetzung von Mifid II auch dazu, dass diverse Kreditinstitute im laufenden Turnus keine Auslagerung wesentlicher Systeme ins Auge fassten. Weshalb eine Bank die Infrastruktur in Eigenregie steuere, habe von Haus zu Haus ohnehin unterschiedliche Gründe. Großbanken wie die Deutsche Bank und Commerzbank haben wohl auch weiterhin genügend Ressourcen, um eigene Systeme aufrechtzuerhalten.Ein Hindernis für eine Ausgliederung sieht Beck in der Regulierung: Gegenüber der Aufsicht müsse ein Institut dokumentieren, dass es die Prozesse im Fall der Fälle wieder zurückholen könnte. Das sei bei unregulierten Dienstleistern sinnvoll, bei der als national systemrelevant eingestuften DWP Bank führe dies aber zu einer zweifachen Überwachung: einmal auf Seiten der Kreditinstitute, einmal bei der Frankfurter Gesellschaft. Für gewöhnliche Geldhäuser sollte es aus Sicht des Bankchefs einfacher werden, Dienstleistungen an regulierte Anbieter auszugliedern.