Deutscher Bank droht Gegenwind

Glass Lewis rät dazu, Achleitner nicht zu entlasten

Deutscher Bank droht Gegenwind

bn Frankfurt – Der Deutschen Bank droht auf ihrer virtuellen Hauptversammlung am 20. Mai abermals Gegenwind. In ihren Empfehlungen geben sich die Stimmrechtsberater zwar weniger rigoros als im vergangenen Jahr, als Glass Lewis, ihre Tochter Ivox sowie Institutional Shareholder Services (ISS) den Anteilseignern empfohlen hatten, gegen die Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand zu stimmen. Auf Kritik stoßen die Performance von Aufsichtsratschef Paul Achleitner, die geplante Berufung von Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer als Aufsichtsrat sowie die Arbeit des Nominierungsausschusses.Während ISS Anlegern ans Herz legt, geschlossen im Sinne der Verwaltung zu stimmen, lehnt Glass Lewis die Entlastung von Aufsichtsratschef Paul Achleitner unter Verweis auf die Performance ab. Ein Votum gegen die Entlastung sei gerechtfertigt, heißt es. Angesichts zahlreicher Wechsel in der Führung und der Strategie seien Mängel zumindest teilweise Achleitner anzulasten. Eine Abwahl des Managers sei aber nicht im besten Interesse der Gesellschaft. Die Bank erklärte, die von Glass Lewis geäußerten Bedenken bezögen sich zumeist auf die Vergangenheit und nicht aufs abgelaufene Geschäftsjahr: “Wir begrüßen, dass Glass Lewis sich vor dem Hintergrund der laufenden Transformation der Bank für Stabilität im Aufsichtsrat einsetzt.”Achleitner leitet seit 2012 das Aufsichtsgremium der Bank, die in den zurückliegenden fünf Jahren jeweils den Aktionären zurechenbare Verluste produziert hat, im vergangenen Jahr von 5,7 Mrd. Euro. Seine Amtszeit endet 2022, von einer Nachfolgeregelung ist bisher nichts bekannt. 2019 war er mit 71,63 % der abgegebenen Stimmen entlastet worden, das waren knapp 13 Prozentpunkte weniger als im Jahr davor.Ivox meint derweil, Investoren sollten eine Entlastung von Achleitner zumindest “kritisch hinterfragen”. “Sehr kritisch” sollten sie demnach die Wahl Theodor Weimers in den Aufsichtsrat sehen. Zwar ergäben sich keine Anhaltspunkte, die Zweifel an seiner Qualifikation begründen könnten, heißt es. Bedenken äußert Ivox allerdings mit Blick auf die Zahl der Mandate Weimers, der die Deutsche Börse führt und bereits im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG sitzt. “Ohne vorherige Absicherung”Auch sollen Aktionäre nach der Affäre um die Berufung des damaligen KBL-Chefs Jürg Zeltner in den Aufsichtsrat die Entlastung von fünf Mitgliedern des Nominierungsausschusses in Frage stellen, meint Ivox. Neben dessen Vorsitzenden Achleitner handelt es sich um die beiden Gewerkschaftsfunktionäre Frank Bsirske und Detlef Polaschek sowie um Gerd Alexander Schütz, Chef der Investmentgruppe C-Quadrat, sowie um den designierten Rechtsvorstand Stefan Simon. Die im vergangenen Jahr erfolgte Berufung Zeltners “ohne vorherige Absicherung” bei der Finanzaufsicht werfe Fragen hinsichtlich der Arbeit des Nominierungsausschusses auf, rügt Ivox. Zeltner, inzwischen verstorben, hatte sein Mandat im Dezember vergangenen Jahres niedergelegt, nachdem die Aufseher den Chef der Private-Banking-Gruppe KBL wegen Interessenkonflikten abgelehnt hatten. Zudem erklärt Ivox die Entlastung der inzwischen ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Sylvie Matherat und Ex-Co-Chef Garth Ritchie zu Einzelfallentscheidungen der Anleger.