Die neue Privatkundensparte nimmt Gestalt an
Die neue Privatkundensparte nimmt Gestalt an
Die Deutsche Bank treibt die Integration der Deutschen Postbank voran. Für das zweite Quartal ist die Verschmelzung mit dem eigenen Privatkundengeschäft geplant. Zudem startet das Institut eine Digitalbank.Von Bernd Neubacher, FrankfurtDas künftige Privatkundengeschäft der Deutschen Bank gewinnt Konturen. Dies zeigen diverse Vorstöße, welche das Institut am Donnerstag angekündigt hat, ohne indes neue Informationen zu Kennzahlen des Fusionsgebildes aus seinem bisherigen Privatkundengeschäft und der Tochter Deutsche Postbank zu liefern. Wie die Bank erklärt, will sie ihr Privatkundengeschäft und die Postbank im zweiten Quartal verschmelzen. Der Integrationsplan ist bereits bei der Europäischen Zentralbank eingereicht, im Schlussquartal steht die Besetzung der Führungsebene der künftigen Deutschen Privat- und Firmenkundenbank an.Mit Aktiva von 275 Mrd. Euro wäre diese als eigenständige Einheit bundesweit die sechstgrößte Bank hinter der Deutschen Bank, der DZ Bank, der KfW, Commerzbank sowie der Unicredit Bank. Das Gebilde wird den Planungen zufolge mehr als 20 Millionen Privatkunden, 325 Mrd. Euro Kundenvermögen sowie rund 600 000 Firmenkunden auf sich vereinigen und seinen Hauptsitz in Frankfurt und Bonn haben. Am Rhein dürfte Postbank-Chef Frank Strauß, der Anfang September in den Vorstand der Deutschen Bank einzog, einen Schreibtisch haben.Beide Marken bleiben bestehen. Die Deutsche Bank soll sich dabei als Ansprechpartner und Risikomanager “auf die intensive Beratung ihrer Kunden” fokussieren, die Postbank den Bedarf nach täglichem Bankgeschäft abdecken, wie es heißt. Das Management setzt darauf, dass die Integration der Postbank dank einer einheitlichen Führung des Privatkundengeschäfts diesmal besser gelingen wird als beim ersten Integrationsversuch nach dem Kauf der Postbank 2010. Produktentwicklung und Servicefunktionen will die Bank bündeln, als überflüssig geworden klassifizierte IT-Systeme abklemmen und gegebenenfalls abschreiben. Der auf 1,9 Mrd. Euro bis 2022 veranschlagte Integrationsaufwand soll solche Belastungen bereits enthalten. Was die Banksteuerung angeht, setzt man auf das System des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank. Einschnitte stehen anInsgesamt plant das Haus ab 2022 jährliche Synergien von rund 900 Mill. Euro und eine Aufwandsquote von unter 65 %. Über diese bereits im März bekannt gegebenen Daten hinaus gab die Bank am Donnerstag keine Informationen zu Finanzkennzahlen. Fest steht, dass “der größte Teil” der avisierten Synergien aus der Kostenstruktur kommen soll, weil beide Banken eine Rechtseinheit werden, Filialnetze und Produktangebote aufeinander abstimmen sowie IT und Prozesse vereinheitlichen, wie die Bank mitteilt. Damit sind weitere Filialschließungen und erhebliche Personalkürzungen sowohl im bisherigen Privatkundengeschäft der Deutschen Bank als auch bei der Postbank programmiert. Schutz vor KündigungenNach mehreren Warnstreiks bei der Postbank in den vergangenen Wochen informierte die Bank am Donnerstag über ein mit den Gewerkschaften vereinbartes “Eckpunktepapier”. Kern sei ein “Bekenntnis zum sozialvertraglichen Stellenabbau und zur konstruktiven Begleitung des Integrationsprozesses”, hieß es.Dazu gehört eine Verlängerung des Verzichts auf betriebsbedingte Kündigungen bis Juni 2021.Ihre Zusammenarbeit mit der Deutschen Post hat die Bank in veränderter Form unterdessen über 2020 hinaus um fünf Jahre verlängert. “Damit wird es möglich, unser Filialnetz wie bisher kontinuierlich und entsprechend den Kundenbedürfnissen und der betriebswirtschaftlichen Logik weiterzuentwickeln”, wird Postbank-Chef Strauß zitiert.Die Bauspareinheiten beider Häuser, BHW Bausparkasse und DB Bauspar, werden zusammengelegt. Über den Sinn zweier separater Bauspareinheiten in ein und demselben Konzern hatten Beobachter schon seit längerem sinniert. Der Status der Einheiten spiegelte in der Vergangenheit den strategischen Zick-Zack-Kurs des Konzerns wider. “Die BHW Bausparkasse ist integraler Bestandteil der Postbank Gruppe mit einem wichtigen und stabilen Wertbeitrag für die Postbank”, teilte das Bonner Institut 2016 mit, als es noch veräußert werden sollte. Zu Beginn des vergangenen Jahres hatte die Postbank ihrer Mutter verschiedene Dienstleister abgekauft. Kurz darauf hatten beide Seiten noch eine enge Kooperation beendet, in deren Zuge sie gemeinsam neue Produkte für beide Häuser entwarfen.Wie am Donnerstag zudem bekannt wurde, will die Deutsche Ende kommenden Jahres eine neue Digitalbank starten, um jüngere Kunden zu gewinnen. Dies bedeutet, dass sie im Privatkundengeschäft künftig mit vier Marken präsent sein wird, gibt es doch neben der Deutschen Bank und der Postbank auch bereits die Direktbank Norisbank.Die Einführung der neuen Zahlungsverkehrsrichtlinie PSD2 aber wird das Massengeschäft nach Einschätzung des Managements zu sehr aufmischen, als dass man sich einen solchen Vorstoß sparen könnte. Die bestehenden Marken will das Management nicht in diese Richtung entwickeln. PSD2 wird Wettbewerbern von Banken den Zugang zu Daten ihrer Kunden ebnen, deren Einverständnis vorausgesetzt. Erwartungen im Markt zufolge wird dies insbesondere als Banken-Plattformen agierenden Anbietern Auftrieb geben. Das Regelwerk tritt im Januar kommenden Jahres in Kraft. Wieder eine DigitalbankMit dem Aufbau einer Digitalbank hatte die Bank Ende 2015 bereits ihren damals aus dem Vorstand ausscheidenden Chief Operating Officer Henry Ritchotte beauftragt, nachdem der Vertraute von Ex-Chef Anshu Jain bei der Aufsicht in Ungnade gefallen war. Ein halbes Jahr später allerdings hatte Chief Executive John Cryan dieses Projekt auf Eis gelegt mit der Begründung, die vorhandenen Ressourcen für “die weitere Fokussierung und Erneuerung unseres Kundenangebots sowie die Reorganisation unserer Infrastruktur” zu benötigen. Die neue Digitalbank soll das Angebot der Norisbank nutzen, um die “Stärken der Deutschen Privat- und Firmenkundenbank auszuspielen”, wie es heißt. Im Mittelpunkt steht ein kostenfreies Konto mit einfachem und schnellem Zugang zu digitalen Marktplätzen. Oppenheim verschwindetWährend mit der Digitalbank eine Marke entsteht, wird der Name Sal. Oppenheim verschwinden. Das Geschäft mit Oppenheim-Vermögenskunden wandert 2018 ins Wealth Management der Deutschen Bank, das Asset Management der einst stolzen Privatbank ins vor dem Börsendebüt stehende Assetmanagement der Deutschen Bank.