Die Zeit der Beckmesser
Die Zeit der Beckmesser
Mancher aufrechte Vertreter der reinen ordnungspolitischen Lehre hätte die Förderbanken des Bundes und der Länder gerne schon längst in den Orkus befördert. Doch die Coronakrise zeigt einmal mehr: Selten waren KfW & Co. wertvoller als heute. Wobei für die Frankfurter Kreditanstalt anders als bei ihrer Gründung 1948 heute nicht der Wiederaufbau im Fokus steht, sondern vielmehr der Auftrag, vorneweg zu verhindern, dass die Wirtschaft unter den Folgen der Pandemie komplett zusammenbricht. Dramatisch genug wird der Absturz ohnehin sein.”Deutschland geht in die Vollen”, lobt KfW-Chef Günther Bräunig das auch im internationalen Vergleich vor Finanzkraft strotzende Krisenmanagement der Bundesregierung. Bei der Umsetzung zeigt sich die Förderbank des Bundes und der Länder handlungsbereit und reaktionsschnell. Die IT scheint besser als ihr Ruf zu sein. Wie auch bei den Landesförderinstituten wurden unter Extrembedingungen (zum Schutz der Gesundheit der Beschäftigten) in kürzester Zeit die personellen, finanziellen, technischen und rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um eine nicht zuletzt ökonomische Herausforderung, wie sie diese Republik noch nicht gesehen hat, zu bewältigen oder zumindest deren Folgen einzugrenzen. Tag für Tag wollen dafür Myriaden Anfragen beantwortet und Anträge bearbeitet sein. Gleichermaßen ist die Arbeit der Geschäftsbanken und Sparkassen zu würdigen, die in einer beispiellosen Kraftanstrengung ihr Bestes geben, um die Kunden über bereitstehende Programme aufzuklären und die Gelder schnellstmöglich zu den Unternehmen zu bringen.Natürlich sind Krisen immer auch die Zeit der Beckmesser, die genau wissen, woran es hakt, warum etwas nicht funktionieren kann oder was man alles anders und vor allem besser machen müsste. Weil sich diejenigen, bei denen cum grano salis alles reibungslos und zur Zufriedenheit läuft, nur selten zu Wort melden, entsteht ein schiefer Eindruck. Dazu tragen auch Banken- und andere Wirtschaftsverbände auf wohlfeile Weise bei. Eine Lieblingsforderung lautet, der Staat möge die Notkredite zu 100 % garantieren statt – je nach Unternehmensgröße – “nur” zu 80 oder 90 %. Doch sowenig wie Geschäftsbanken und Sparkassen die Caritas sind, haben auch Förderinstitute in aller Regel nichts zu verschenken. Namentlich bei der Coronahilfe der KfW handelt es sich um ein Kreditprogramm. Dabei sollte es bleiben. Um Geld ohne jedes eigene Risiko unters Volk zu bringen, bedarf es keiner Banken und Sparkassen.