Digitalisierungsexperten gesucht
Digitalisierungsexperten gesucht
amb Frankfurt – Die Frankfurter Volksbank sieht für die Digitalisierung der Bankenwelt hierzulande Hindernisse. Als wettbewerbshemmend bezeichnete Vorstandsvorsitzende Eva Wunsch-Weber die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Geschäftsleiter mit Blick auf banktheoretische und -praktische Kenntnisse. “So werden wir keine Digitalisierungsexperten anziehen können.” Zudem spiele die Digitalisierung in den für eine Banktätigkeit relevanten Studiengängen eine zu geringe Rolle, und auch die Berufsausbildung für Bankkaufleute müsse angepasst werden.Darüber hinaus seien Banken hierzulande immer noch zu sehr in Vertrieb und Back Office aufgeteilt, was Prozesse verzögere. Künftig werde mehr vernetztes Denken und teamorientiertes Arbeiten benötigt, zudem müssten Hierarchien in Frage gestellt werden. “Die Unternehmenskultur muss durch Offenheit für Veränderungsprozesse geprägt sein.”Die gelernte Bankkauffrau und studierte Betriebswirtin, seit 2012 an der Spitze der Frankfurter Volksbank steht, bezeichnete die künstliche Intelligenz (KI) als wichtiges Thema für die Bankenwelt. Einfache Fragen könnten KI-Systeme bereits jetzt beantworten. Allerdings gebe es Grenzen, und KI könne menschliche Empathie nicht ersetzen. “Einen Witz verstehen oder Kinder trösten, so weit sind wir noch nicht”, zitierte sie den KI-Experten und Informatiker Wolfgang Wahlster. Bauch denkt mitAuch digitale Vertriebskanäle müssten mit der persönlichen Ansprache verknüpft werden. Ohnehin sei es notwendig, automatisierte Kreditsysteme, die in kurzer Zeit über Kreditanträge entscheiden, mit Informationen zu “füttern”. Das oftmals richtige Bauchgefühl des Bankmitarbeiters dürfe weiter eine Rolle spielen, dann nämlich, wenn das System selbst keine eindeutige Antwort liefere. “Das kann man mit dem selbstfahrenden Auto vergleichen: Hier muss in bestimmten Situationen der Fahrer auch noch eingreifen.”Besonders hoch sei die Konkurrenz durch neue Wettbewerber im Zahlungsverkehr. Doch es gebe viele andere Bereiche, auch im Massengeschäft, die dank “digitaler Neugier” eine Zukunft haben würden. Die Regionalbanken sind Wunsch-Weber zufolge privilegiert auf dem Weg in die Zukunft. “Wir sind frei in der Entscheidung für oder gegen Geschäftsfelder, und wir haben mit der Konzentration auf die Kundenbeziehung ein solides Fundament.” Die Digitalisierung sei eine Herausforderung, stelle aber nicht das Geschäftsmodell der Kreditgenossen in Frage.Was die Zusammenarbeit mit Fintechs angeht, verweist Wunsch-Weber auf den Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). “Da werden die Dinge auf den Weg gebracht.”