Effizienter und präsenter

Hauck & Aufhäuser erwirbt Bankhaus Lampe - Jetzt ist die Aufsicht am Zug

Effizienter und präsenter

Mit der Übernahme des Bankhauses Lampe von der Oetker-Gruppe wächst Hauck & Aufhäuser Privatbankiers in eine neue Dimension. Noch ist die Transaktion allerdings nicht perfekt. Zunächst müssen der Käufer und dessen Eigentümer Fosun das aufsichtliche Inhaberkontrollverfahren bestehen.ski Frankfurt – Am Donnerstagnachmittag war die Tinte unter dem Kaufvertrag trocken: Das Bankhaus Lampe, im vorigen Jahr von der Oetker-Gruppe zum Verkauf angeboten, hat mit Hauck & Aufhäuser einen neuen Eigentümer gefunden. Gemeinsam wollen beide Institute mit ihren rund 1 400 Beschäftigten eine der führenden Privatbanken Deutschlands mit den Kerngeschäftsfeldern Private Banking, Assetmanagement, Assetservicing sowie Investment Banking werden. “Der Zusammenschluss bündelt die Expertise beider Banken und erfolgt mit dem Ziel, Skaleneffekte zu nutzen und eine marktführende Stellung in den genannten Geschäftsfeldern einzunehmen beziehungsweise diese weiter auszubauen”, so der Vorstandsvorsitzende von Hauck & Aufhäuser, Michael Bentlage, der auch die kombinierte Bank führen soll, im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. Das künftige Institut werde für die Kunden bundesweit deutlich präsenter und wahrnehmbarer sein, die Standortnetze ergänzten sich größtenteils, ebenso die Produktangebote.Zum Kaufpreis vereinbarten alle Beteiligten Stillschweigen.Bentlage erwartet, dass das übliche Inhaberkontrollverfahren beim Erwerb bedeutender Bankbeteiligungen sich etwa ein Jahr hinziehen könnte. Davon ist nicht nur Hauck & Aufhäuser selbst als alleiniger Käufer betroffen, sondern auch deren Eigentümer Fosun. Allerdings ist der chinesische Mischkonzern für die EZB und die BaFin als nationale Finanzaufsicht längst kein Unbekannter mehr. Bei der Übernahme von Hauck & Aufhäuser durch Fosun 2016 hatte sich der Genehmigungsprozess noch vergleichsweise zäh gestaltet.Finanziert wird der Kauf des Bielefelder Bankhauses Bentlage zufolge teils aus vorhandenen Eigenmitteln, teils mit einer geplanten Kapitalerhöhung. Er verwies auf die “sehr gute Kapitalausstattung” von Hauck & Aufhäuser. Die Kernkapitalquote dürfte inklusive des zu thesaurierenden Gewinns aus 2019 je nach Bemessung der Risikoaktiva zwischen 17 und 19 % liegen. “Ganzheitliche Übernahme”Die kombinierte Bank steht für ein verwaltetes Vermögen von rund 35 Mrd. Euro und ein administriertes Vermögen (Verwahrgeschäft) von rund 135 Mrd. Euro sowie eine Bilanzsumme von knapp 10 Mrd. Euro (die Zahlen in der Tabelle beziehen sich auf 2018, neuere liegen nicht vollständig vor).Geplant ist “die ganzheitliche Übernahme und Integration aller Mitarbeiter, Tochtergesellschaften, Kunden und Standorte” durch Hauck & Aufhäuser. Der Auf- und Ausbau der zusammengeführten Geschäftsbereiche begünstige langfristig den Personalaufbau. “Wir erwarten, dass ein großer Teil des angestrebten Effizienzgewinns über Wachstum und natürliche Fluktuation erreicht werden kann”, heißt es auf der Käuferseite. Eine “Anpassung des Personalbestandes” könne indes nicht ausgeschlossen werden.Die kulturelle Ähnlichkeit der beiden traditionsreichen Privatbanken werde die Zusammenführung erleichtern. Auch die Namen sollen zusammengeführt werden, doch steht die künftige Firma noch nicht fest. “Hauck & Aufhäuser & Lampe” wäre offenbar überkomplex.Die künftige Vorstandsbesetzung scheint ebenfalls noch offen zu sein, außer dass Bentlage alleiniger Vorsitzender bleibt. Beide Häuser haben heute je drei Vorstandsmitglieder respektive persönlich haftende Gesellschafter. Auch während der schätzungsweise einjährigen Integrationsphase (nach aufsichtlicher Genehmigung) brauche man voll funktionsfähige Teams und danach sicher mehr als die heutigen drei Vorstandsmitglieder, so Bentlage.Klemens Breuer, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter des Bankhauses Lampe, sagte, gemeinsam seien beide Häuser “noch besser aufgestellt, um die Zukunft des Privatbankenmarktes entscheidend zu gestalten”.