Euronext übernimmt die Dubliner Börse
Euronext übernimmt die Dubliner Börse
ku Frankfurt – Die europäische Mehrländerbörse Euronext übernimmt die Irish Stock Exchange (ISE). Dies gaben die beiden Börsenbetreiber am Mittwochabend bekannt. Euronext erwerbe 100 % der Aktien der Dubliner Börse und zahle dafür 137 Mill. Euro. Der irische Börsenbetreiber hatte sich selbst zum Verkauf gestellt. Erwartet worden war ein Kaufpreis von ungefähr 100 Mill. Euro, der damit jetzt deutlich übertroffen worden ist.Die Transaktion soll im ersten Quartal 2018 abgeschlossen sein, sofern dann die Aufsichtsbehörden zugestimmt haben. Deirdre Somers, CEO der ISE, wird in das Managing Board von Euronext aufsteigen und dort die konzernweite Verantwortung für das Listing von Anleihen, Investmentfonds und Exchange Traded Funds (ETF) übernehmen. Padraic O’Connors, Non-Executive Chairman der irischen Börse, soll auf der nächsten Hauptversammlung zur Wahl in das Supervisory Board von Euronext vorgeschlagen werden, heißt es in der Mitteilung. Die 224 Jahre alte Börse in Dublin soll unter anderem zum Zentrum innerhalb von Euronext für den Handel mit ETF, Fonds und Anleihen ausgebaut werden. Die ISE war erst vor drei Jahren von einer Institution im Besitz ihrer Mitglieder in ein gewinnorientiertes Unternehmen umgewandelt worden. Größte Aktionäre waren bislang der bedeutendste irische Broker J & E Davy mit einem Anteil von 38 %, Goodbody Stockbrokers mit 26,7 %, Investec mit 18,5 % sowie Cantor Fitzgerald und Campbell O’Connor mit jeweils 8,4 % der Aktien. Seit einigen Monaten suchten die Börse und ihre Anteilseigner nach einem strategischen Partner für die weitere Expansion oder nach einem Käufer.Nach Ansicht von Branchenbeobachtern ist die ISE wegen des bevorstehenden Brexit für Euronext besonders interessant. Die Bemühungen von Euronext, Handelsaktivitäten von London auf die eigenen Systeme zu ziehen, dürften mit der ISE im Verbund erfolgversprechender sein, weil es in Irland ein Großbritannien sehr ähnliches Rechtssystem gibt.Die ISE ist zudem ein international ausgerichteter Handelsplatz für Anleihen und Investmentfonds, während das Schwergewicht von Euronext auf dem Kassahandel von Aktien und dem Geschäft mit Derivaten liegt. Die irische Seite soll in den Gesprächen großen Wert darauf gelegt haben, dass die Aktivitäten in Dublin nicht ausgehöhlt werden.