EZB macht Wettbewerber zu Verbündeten
EZB macht Wettbewerber zu Verbündeten
Wenn man als Bank eine konsistente Strategie hat und das Geschäft mehr oder weniger wie von selbst läuft, kann man sich entspannt um das große Ganze kümmern: gesellschaftliche Herausforderungen, Kultur, Weltpolitik. Die ING-DiBa ist in dieser glücklichen Lage. Am Mittwoch präsentierte die Bank in Berlin eine europaweite Studie zur Finanzbildung (wonach die deutsche Bevölkerung zur Hälfte aus finanziellen Analphabeten besteht). Am Donnerstag veranstaltete sie in Frankfurt ein Barcamp, bei dem die Teilnehmer der Frage nachgingen: “Crowdfunding, Startups, Paywalls – wie kann man im Journalismus in Zukunft Geld verdienen?” Am Abend wurde die Lage der Welt im Zeichen der US-Präsidentschaft von Donald Trump diskutiert, bevor die ING-DiBa zum 22. Mal den “Helmut Schmidt Journalistenpreis” und erstmals auch einen Nachwuchspreis verlieh.Mit solchen Themen stünde manch andere, stark mit sich selbst beschäftigte Bank gerne auch mal im Fokus. Wie man das schafft, können die Kollegen ING-DiBa-Chef Nick Jue bei der Vorstandssitzung des Bankenverbandes (BdB) im November indes nicht fragen. Der schwänzt nämlich die Sitzung und macht stattdessen auf der Bühne der Euro Finance Week “Power Talk” zu Erfolgsstrategien. Dabei dürfte es nach dem Rauswurf von Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer auch in der BdB-Führung nicht an Gesprächsstoff fehlen. Im Banken- und Verbandsumfeld hat der Vorgang auch sonst bestens informierte Kreise völlig überrascht und nicht wenige zudem empört. *Am Montag ist Weltspartag. Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband (BWGV) und der Sparkassenverband Baden-Württemberg (SVBW) nahmen diesen Tag, an dem seit 1924 der Bedeutung des Sparens gedacht wird, vor dem Hintergrund der Null- und Negativzinspolitik der EZB ein weiteres Mal zum Anlass, demonstrativ in Form eines gemeinsamen Symposiums die Kräfte zu bündeln. Beide verstehen sich auch als Sparerschützer. “Sparen muss sich wieder lohnen”, lautete denn auch das Motto des Diskussionsabends (vgl. BZ vom 26. Oktober). “Wir sind Hauptwettbewerber im Markt. Aber wir lassen das Ringen im Wettbewerb ruhen, wenn es um zentrale Fragen in der Regulierung und in der Geldpolitik geht”, sagte SVBW-Präsident Peter Schneider. Er beklagte die “schleichende Enteignung der Sparer auf breiter Front” und konstatierte unter Hinweis auf die von Lebensversicherern angekündigten Bestandsverkäufe eine “unheimliche Abwärtsspirale durch Null- und Negativzinsen”. BWGV-Präsident Roman Glaser vertrat mit Blick auf die Zinseinnahmenausfälle von durchschnittlich über 3 000 Euro netto pro Bundesbürger seit 2010 die Ansicht, dass die Nullzinsen “eine nachhaltige Sparkultur untergraben und jene Haushalte, institutionellen Anleger, Unternehmen und Stiftungen bestrafen, die ihre monetären Reserven risikoarm anlegen wollen oder sogar müssen”. – Ein Gutes hat die Politik der EZB ja: Sie macht aus Wettbewerbern Verbündete.