Versicherung

Familienversicherung verbessert Ergebnis deutlich

Die DFV Deutsche Familienversicherung hat ihr Ergebnis in den ersten neun Monaten deutlich verbessert, aber im Neugeschäft geschwächelt. Konzernchef Stefan Knoll begründet das mit der Neuaufstellung des Marketings.

Familienversicherung verbessert Ergebnis deutlich

tl Frankfurt – Die DFV Deutsche Familienversicherung AG hat in den ersten neun Monaten 2022 ein Konzernergebnis von 2,0 (i.V. 0,1) Mill. Euro vor Steuern und 1,4 (−1,1) Mill. Euro nach Steuern erwirtschaftet. Für das Gesamtjahr wurde die Prognose eines Konzernergebnisses vor Steuern von 0 bis 1 Mill. Euro bestätigt. Eine Anpassung der Guidance angesichts des guten Neun-Monats-Ergebnisses lehnte Finanzvorstand Karsten Paetzmann angesichts der allgemeinen geopolitischen und wirtschaftlichen Lage, aber auch der Kapitalanlagerisiken ab.

Beiträge legen kräftig zu

In den ersten drei Quartalen legten die gebuchten Bruttobeiträge um 35% auf 137 Mill. Euro zu. Dabei entfielen 8 Prozentpunkte auf die Erstversicherung, der Rest auf die aktive Rückversicherung. Beiträge aus dem Rückversicherungsvertrag wurden in den ersten drei Quartalen 2021 noch nicht verbucht. Gleichzeitig gingen die Kosten um 8% zurück. Das betrifft in erster Linie die Abschlusskosten, die von 14,2 Monatsbeiträgen auf 13,9 zurückgingen, damit aber immer noch deutlich vom selbst gesetzten Zielwert von zwölf Monatsbeiträgen entfernt sind. Die Kostenquote ist auf 32 (46)% gesunken, wozu auch der Rückversicherungsvertrag beigetragen habe, so Paetzmann.

Kehrseite dieser Sparmaßnahmen sind deutliche Bremsspuren im Neugeschäft. Die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge ging um 10% auf 54069 zurück, die laufenden Beiträge in der Erstversicherung sackten sogar um 27% auf 13,2 Mill. Euro ab. Nur durch die Rückversicherung (von 0 auf 26,9 Mill. Euro) konnten die Beiträge auf 40,1 (18,2) Mill. Euro gesteigert werden.

Konzernchef Stefan Knoll sagte gestern bei der Präsentation der Ergebnisse, man sei vor allem deshalb „etwas weniger erfolgreich“ im Neugeschäft gewesen als gewünscht, „weil wir das Vertriebsressort neu gestalten mussten“. Am 1. Juni trat mit Ansgar Kaschel ein neuer Vertriebschef an, der die Vertriebswege Direkt, Online und TV wieder auf Kosteneffizienz trimmen soll, so Knoll damals (vgl. BZ vom 2. Juni). Es sei inzwischen gelungen, die Präsenz der DFV in den sozialen Netzwerken, speziell bei Twitter, deutlich zu erhöhen, so Knoll jetzt. Dies schlage sich schon jetzt im Neugeschäft nieder.

Für den Vorstandschef, der auch Großaktionär der DFV ist, bestimmt die Neugestaltung des Vertriebsressorts das laufende Geschäftsjahr. „Ich war mit unserem Marketing unzufrieden“, stellte Knoll gewohnt deutlich klar. Das eigene Unvermögen sei durch die Vergabe an externe Agenturen kaschiert worden. Unter Leitung einer neuen Marketingchefin – Knolls Tochter – wurden alle wichtigen Marketingfunktionen wieder ins Unternehmen geholt. Damit seien fast eine dreiviertel Million Euro an externen Marketingkosten gespart worden, betonte Knoll. Der mit ProSiebenSat.1 neu verhandelte Vertrag tritt zum 1.1.2023 in Kraft und soll, so Knoll, 15000 Neuverträge bringen. „Die Webseite wird nach und nach von dem Google-Sichtbarkeits-Fetischismus befreit und dient nun wieder der Verständlichkeit und Kundenorientierung“, so Knoll. Die vertriebliche Neuausrichtung solle Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die Produktentwicklung habe er dauerhaft an sich gezogen. Durch eine neue Leitlinie sei nun sichergestellt, dass Ertrag vor Absatz gehe. Außerdem müsse Eintracht Frankfurt endlich zum Vertriebsweg werden. Konkrete Erwartungen äußerte er nicht, verwies aber auf 115000 Vereinsmitglieder, von denen etwa 100000 Erwachsene seien und etwa 20000 keine Versicherung wollten. Der Rest ist Potenzial für die DFV, so Knoll implizit.

Gemischtes Bild bei Anlagen

Bei den Kapitalanlagen konnten die laufenden Erträge von Januar bis September zwar auf 4,7 (2,0) Mill. Euro mehr als verdoppelt werden (das waren Ausschüttungen aus den Anleihen und Dividenden aus ETF). Das Ergebnis halbierte sich aber auf 4,0 (8,5) Mill. Euro, in erster Linie durch unrealisierte, fast ausschließlich zinsinduzierte Marktwertrückgänge, während 2021 noch Aktienkursgewinne realisiert wurden. Der Masterfonds 1 mit dem Sicherungsvermögen des Unternehmens habe zum Ausgangswert nur 12% verloren, so der Finanzchef.

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