Finlab stützt notfalls Beteiligungen
Finlab stützt notfalls Beteiligungen
Einige Portfoliogesellschaften des Frankfurter Kapitalgebers und Fintech-Entwicklers Finlab machen in der Coronakrise bessere Geschäfte denn je. Auch wenn die Vorstände noch keine Notwendigkeit dafür sehen, zeigen sie sich entschlossen, ihre anderen Beteiligungen im Fall des Falles mit Millionen zu stützen.Von Tobias Fischer, FrankfurtDer börsennotierte Fintech-Investor Finlab steht nach Angaben der Vorstände Stefan Schütze und Juan Rodriguez bereit, um notfalls Portfoliogesellschaften, denen die Coronakrise zusetzen könnte, Geld zuzuschießen. Mit Zahlungsmittelbeständen per 31. Dezember in Höhe von 11 Mill. Euro sei Finlab sehr gut aufgestellt, um die schwierigen Marktbedingungen durch die Pandemie durchzustehen, sagte Schütze anlässlich der Vorlage der Jahreszahlen 2019 am Freitag. “Wir können uns schon vorstellen, dass wir mit bis zu einem mittleren einstelligen Millionenbetrag unterstützen.” Das komfortable Cash-Polster ermögliche es, Beteiligungen aus dem Bestandsportfolio im Bedarfsfall mit Liquidität zu versorgen und gleichzeitig Chancen für Neuinvestitionen, “die ein Marktumfeld wie dieses naturgemäß bietet”, zu nutzen.Auch wenn der Großteil der Beteiligungen von der Pandemie noch nicht akut betroffen sei, könne nicht ausgeschlossen werden, dass “Geschäftsmodelle angepasst, überarbeitet oder zwischenfinanziert werden müssen”. Das Bestandsportfolio des Frankfurter Start-up-Entwicklers halten die Vorstände insgesamt für ausgewogen und krisenbeständig. Mit dem “Finlab EOS VC”, einem auf Blockchain-Projekte zielenden Risikokapitalfonds, werde auch in diesem Jahr weiter “selektiv” investiert. Goldhandel-Fintech boomtDie aktuelle Situation und das sogenannte Social Distancing, nämlich dass Menschen angesichts der Ansteckungsgefahr durch Corona Abstand voneinander halten, könne den Beteiligungsgesellschaften mit ihren digitalen Geschäftsmodellen Rodriguez und Schütze zufolge durchaus zugutekommen. “Zwei, drei haben gerade kräftig Rückenwind bekommen”, sagt Rodriguez. “Bei anderen ist Business as usual angesagt, aber wer weiß, ob da nicht etwas kommt. Deshalb stehen wir parat.” In der Krise sehr gut entwickelt habe sich etwa der Online-Broker Nextmarkets. So sei das Handelsvolumen auf der Plattform in den vergangenen Wochen förmlich explodiert. Vaultoro, eine Börse, die Gold per Bitcoin handelt, finde noch mehr Zuspruch. Ihre Tochtergesellschaft Bar9, die wiederum den Goldkauf mit Euro ermöglicht, habe das Goldhandelsvolumen in den vergangenen Wochen verdoppelt. Das führt Finlab darauf zurück, dass die meisten Goldhändler ihre Geschäfte und Online-Shops geschlossen hätten, wohingegen der Handel von Person zu Person zwischen Vaultoro-Kunden weitergehe.Profitieren könnte auch Authada, an der Finlab 29 % der Anteile hält. Das Darmstädter Fintech ermöglicht es Banken und Unternehmen, Kunden online über den elektronischem Personalausweis (E-ID) – auch den Geldwäschevorgaben entsprechend – zu identifizieren. Der internationale Regulierer in der Geldwäschebekämpfung, Financial Action Task Force (FATF), hat jüngst für derlei Lösungen geworben. “Die Verwendung von digitalen/kontaktlosen Zahlungen und digitalem Onboarding verringert das Risiko der Verbreitung des Virus”, schrieb die FATF (vgl. BZ vom 3. April). Neue Deals stehen kurz bevorEinstiegsmöglichkeiten sehen die Finlab-Verantwortlichen in aufstrebenden Firmen mit Blockchain-bezogenen Geschäftsmodellen. “Wir sind hier sehr investiv”, sagt Rodriguez. Er zeigt sich zuversichtlich, dass in den nächsten Wochen zwei Deals unter Dach und Fach gebracht werden. Beteiligt sei auch “ein sehr prominenter deutscher Automobilbauer”, erklärt Rodriguez. Im vergangenen Jahr hat Finlab ihr Gesamtergebnis nach IFRS nach dem negativen Resultat von 2018 deutlich ins Plus gedreht. 36,6 Mill. Euro erzielten die Frankfurter statt minus 3,7 Mill. Euro im Jahr zuvor, die durch die ungünstige Kursentwicklung der Heliad Equity Partners GmbH & Co KGaA bedingt waren. Die börsennotierte Frankfurter Private-Equity-Firma, an der Finlab 45 % der Anteile hält, hatte innerhalb eines Jahres die Hälfte ihres Werts verloren, was eine millionenschwere Abschreibung nach sich zog (vgl. BZ vom 13.4.2019). Diese betraf die Beteiligung Sleepz AG, einen Berliner E-Commerce-Anbieter, durch dessen Komplettabschreibung Heliad 8,1 Mill. Euro verlustig gingen. Daraufhin setzten Rodriguez und Schütze den Heliad-Geschäftsführer ab und übernahmen selbst die Leitung. Dabei bleibt es vorerst. An ihrem zweitgrößten Investment nach Deposit Solutions wollen sie festhalten, beteuern die Finlab-Vorstände. Heliad “aufgeräumt”Das Portfolio der Beteiligungsgesellschaft Heliad, die sich auf junge Unternehmen im deutschsprachigen Raum konzentriert, haben sie gründlich durchforstet. “Wir haben weiter aufgeräumt und verfügen über ein gutes Portfolio”, sagt Schütze.Flaggschiff ist die Flatex AG, die frühere Fintech Group, zu der wiederum der Online-Broker Flatex und die gleichnamige Bank gehören. Finlab ist mit 9,85 % an der Flatex AG beteiligt. Heliad hat im vergangenen Jahr dank hoher Zuschreibungen auf die Anteile an der Flatex AG nach IFRS-Rechnungslegung 11 Mill. Euro verdient nach minus 57 Mill. im Jahr 2018. Das geht aus dem Jahresabschluss hervor, den Heliad an diesem Mittwoch vorlegte. Nach HGB erzielte die Gesellschaft minus 3,9 Mill. nach zuvor minus 9,5 Mill. Euro. Der Rückgang des negativen Ergebnisses sei auf Gewinne aus dem Verkauf von Anteilen an der Flatex AG, am IT-Sicherheitsdienstleister Cyan und an der Deag Deutsche Entertainment zurückzuführen, hieß es.Bei Finlab stellt sich das Jahresergebnis nach HGB im Vergleich zur IFRS-Rechnungslegung negativ dar. Wegen der Neubewertungen auf Beteiligungen rutschte es auf minus 1,5 Mill. nach plus 9,1 Mill. Euro im Vorjahr. Dabei hatte 2018 der Verkauf von Anteilen an dem Hamburger Fintech Deposit Solutions, das mittlerweile Einhorn-Status erlangt hat, also mit mehr als 1 Mrd. Euro bewertet wird, Finlab 8,5 Mill. Euro beschert. Aktuell sind die Frankfurter noch mit 7,2 % an der Open-Banking-Plattform für Spareinlagen beteiligt – und dabei soll es Rodriguez zufolge auch erst mal bleiben. “Jeder sucht ein Einhorn, wir haben eins.”Beherrschenden Einfluss auf die 13 Mitarbeiter zählende Finlab übt der Kulmbacher Verleger Bernd Förtsch mit knapp 50 % aus. Ihm gehört die Börsenmedien AG, die das Wochenmagazin “Der Aktionär” herausgibt, und auch er ist in Deposit Solutions investiert. Weitere Finlab-Gesellschafter sind Investor Christian Angermayer mit knapp 30 % und das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (4 %).