Fintechs suchen nach Rolle in der Coronakrise

Von Stefan Paravicini, Berlin Börsen-Zeitung, 28.3.2020 Die Corona-Pandemie stellt auch die Fintech-Szene in Deutschland vor große Herausforderungen. Die Einschränkungen im öffentlichen Leben und die stark abgebremsten wirtschaftliche Aktivitäten...

Fintechs suchen nach Rolle in der Coronakrise

Von Stefan Paravicini, BerlinDie Corona-Pandemie stellt auch die Fintech-Szene in Deutschland vor große Herausforderungen. Die Einschränkungen im öffentlichen Leben und die stark abgebremsten wirtschaftliche Aktivitäten machen sich bei den Nachwuchsfirmen ebenso bemerkbar wie bei etablierten Finanzdienstleistern. So verzeichnete das wertvollste Berliner Fintech, die Online-Bank N26, in den vergangenen Wochen ein geringeres Wachstum, weil die Kunden seltener einkaufen gehen und auch die Karte der Smartphone-Bank nicht wie gewohnt zum Einsatz kommt. Insgesamt sind die Umsätze mit der Kundenkarte im März im Vergleich zum Vormonat leicht rückläufig, wie CFO Maximilian Tayenthal in einem Interview mit Bloomberg erklärte. Die Kunden würden in der Krise weniger für Reisen und Restaurants ausgeben, aber mehr für digitale Produkte wie Streamingdienste und Lieferdienste, sagt der N26-Mitgründer.In der langen Frist hofft Tayenthal, dass N26 zu den Gewinnern der Pandemie zählen wird. “Wir gehen davon aus, dass viele Leute ein Onlinekonto eröffnen werden, weil mehr und mehr Bankfilialen wegen der Coronakrise geschlossen werden”, sagt der N26-Finanzchef. In den vergangenen Tagen hat unter anderem die Deutsche Bank zahlreiche Geschäftsstellen vorübergehend geschlossen, um den physischen Kontakt mit ihren Kunden zu reduzieren und damit der Aufforderung zur sozialen Distanzierung der Bundesregierung auch in den Bankfilialen nachzukommen. Die Bedeutung von Online-Banking werde vor diesem Hintergrund steigen, ist Tayenthal überzeugt.Diese Einschätzung teilt auch der Investor Stefan Klestil, der zu den frühen Geldgebern der Smartphone-Bank zählt und im Aufsichtsrat von N26 sitzt. Langfristig könnten Challengerbanken von der Coronakrise profitieren, sagte Klestil dem Branchenportal Finance Forward, wenn die Pandemie den Trend zum Online-Banking beschleunige. Reine Digitalbanken wie N26 oder Revolut könnten davon besonders profitieren, da sie nach Einschätzung von Klestil über bessere Online-Angebote als die Platzhirsche verfügen.Dass die Herausforderer der Finanzindustrie sich und ihren Investoren Mut zusprechen, ist verständlich. Doch die Coronakrise könnte die Position vieler Fintechs empfindlich schwächen. Denn anders als in der Finanz- und Wirtschaftskrise vor etwas mehr als zehn Jahren, die das Vertrauen in die Finanzwirtschaft erschüttert wurde, was einer der Auslöser für die Fintech-Welle war, steht der Finanzbranche während der jetzt zu bewältigenden Pandemie vor einer Bewährungsprobe.Erweisen sich die Banken im Zusammenspiel mit staatlichen Garantien als verlässliche Partner für den Mittelstand, kleine Unternehmen und Selbstständige, hätten die Neobanken bis auf weiteres schlechte Karten, diese im Feuer geschmiedeten Kundenbeziehungen aufzuweichen. Zwar suchen auch viele Fintechs derzeit eine Rolle bei der Bewältigung der Krise. Eine Bank wie N26 muss ihre Kunden auf der Suche nach Notkrediten aber an die Konkurrenz verweisen, da sie selbst kein Finanzierungspartner der KfW ist.——Neobanken können Kunden auf Suche nach Notkrediten häufig nur an Konkurrenz verweisen.——