Fitch wertet wegen Brexit Standort Frankfurt auf

Planungen für harten EU-Austritt sehen personellen Aufbau am Main vor - ESMA befragt Ratingagenturen

Fitch wertet wegen Brexit Standort Frankfurt auf

bn Frankfurt – Fitch Ratings dürfte im Zuge des Brexits ihre Aktivitäten in Frankfurt deutlich aufwerten. “Im Falle eines harten Brexits dürfte die Zahl der Mitarbeiter in Frankfurt am stärksten zunehmen”, sagt Deutschland-Chef Clemens Frech der Börsen-Zeitung zu den Personalplanungen der drittgrößten Ratingagentur für deren kontinentaleuropäische Standorte. In diesem Fall wird Fitch, die am Main derzeit knapp 50 Mitarbeiter beschäftigt, neue Räume mieten müssen. “Ich denke, wir werden sicherlich aktiv werden”, kündigt Frech Aktivitäten auf dem Immobilienmarkt an.Angesichts stockender Austrittsverhandlungen zwischen der EU und Großbritannien ist ein harter Brexit, auch auf Drängen der Aufseher hin, derzeit das Basisszenario im Finanzsektor. Fitch werde in diesem Fall “in Kontinentaleuropa personell ausbauen, aber in maßvollem Umfang”, wie Frech betont. Momentan stehe die Einstellung von 30 bis 40 Mitarbeitern zur Debatte. Für den Personalaufbau plant Frech eigenen Angaben zufolge einen Zeitraum von 18 Monaten ein.Seit einiger Zeit schon unterhält Fitch intern eine Arbeitsgruppe, welche die verschiedenen Szenarien des Brexits durchspielt. Dabei muss sich die Agentur auch Fragen der EU-Wertpapieraufsichtsbehörde ESMA stellen. Die ESMA erklärte am Freitag auf Anfrage, dass sie von den von ihr beaufsichtigten Ratingagenturen sowie Transaktionsregistern Notfallpläne für die Zeit nach dem Brexit angefordert hat, die “alle relevanten Risikoszenarien einschließlich eines Cliff-Edge-Brexits berücksichtigen”.Dass sich dabei Frankfurt im internen Wettbewerb bei Fitch gegen Paris hat durchsetzen können, stieß am Freitag bei Beobachtern auf Erstaunen. Schließlich hält die französische Holding Financière Marc de Lacharrière (Fimalac) ein Fünftel der Anteile an der weltweit drittgrößten Ratingagentur. Die Entscheidung sei unabhängig von der Aktionärsstruktur gefallen, sagt Frech, der sich zu den konkreten Beweggründen ebenso wenig äußern will wie zum Volumen der nun in Frankfurt anstehenden Investitionen. Kostentreiber RotationDie Kosten treiben wird dabei auch, dass Fitch in Frankfurt infolge des anstehenden Personalaufbaus mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigen wird. Ab dieser Schwelle schreibt die ESMA grundsätzlich eine Rotation von Analysten in Intervallen von vier bis sieben Jahren vor. Frech: “Den Schritt wird man dann wohl gehen müssen.” Der Fitch-Konkurrent Standard & Poor’s ließ eine Anfrage hinsichtlich seiner Brexit-Planungen für Frankfurt am Freitag unbeantwortet. Ein Sprecher von Moody`s teilte mit, wie andere Unternehmen in Großbritannien werde die Gesellschaft die Situation in ihrer Entwicklung weiter beobachten, um mögliche Auswirkungen aufs Europageschäft zu bewerten.Frech trat unterdessen Gerüchten entgegen, die Belegschaft von Fitch sei bereits darüber informiert worden, dass Frankfurt die Europa-Zentrale der Gesellschaft werde. Europa-Zentrale bleibe London mit rund 500 Beschäftigten, erklärte er. Dort werde im Zuge des Brexit auch nicht Personal abgebaut. Vielmehr solle der weitere Aufbau auf dem Kontinent stattfinden. Die übrigen europäischen Standorte unter anderem in Paris, Barcelona und Warschau blieben unabhängig. Fitch werde keine Kompetenzen aus London abziehen, sondern auf dem Kontinent Mitarbeiter für die Analyse von Banken und Unternehmen einstellen.