FSB nimmt Assetmanager ins Visier

Chairman Mark Carney warnt vor Reformmüdigkeit - Ziele der G 20 von 2009 "in Reichweite" - Neue Herausforderungen wie Fintech

FSB nimmt Assetmanager ins Visier

Der Finanzstabilitätsrat FSB will sich die Vermögensverwaltungsbranche vornehmen. Das Gremium stellte sich vor dem Gipfel der G 20 am Freitag gleich eine ganze Reihe neuer Aufgaben.hip London – Mark Carney hat die Führer der G 20-Staaten, die am Freitag in Hamburg zusammenkommen, vor Reformmüdigkeit gewarnt. Gebe man ihr nach, könnte dies die Bereitschaft der G 20-Staaten untergraben, sich auf die Systeme und Institutionen der jeweils anderen zu verlassen, schrieb der Chairman des Finanzstabilitätsrats FSB den Staatsoberhäuptern. Dadurch könnten Finanzierungs- und Liquiditätspools zersplittern, Ineffizienzen und Brüche entstehen, der Wettbewerb zurückgehen und die grenzüberschreitenden Kapital- und Investitionsströme geringer werden. “Faireres Finanzsystem”Carney zog eine Erfolgsbilanz. “Ein Jahrzehnt nach Beginn der weltweiten Finanzkrise bauen die G 20-Reformen ein sichereres, einfacheres und faireres Finanzsystem auf”, schrieb er. Noch gebe es eine Menge Schwung und guten Willen, sagte Carney in einer Pressekonferenz. Es gebe immer das Risiko, in Selbstgefälligkeit zu verfallen, die G 20 hätten sich allerdings ihre Wachsamkeit bewahrt. Auf dem Gipfel in London 2009 waren sich die Regierungschefs einig, “dass wir die deutlich größere Beständigkeit und systematische Zusammenarbeit zwischen Staaten bewirken sowie den Rahmen aus international vereinbarten hohen Standards schaffen werden, die ein globales Finanzsystem braucht”, heißt es in der Abschlusserklärung, aus der Carney zitierte. “Dieses Ziel ist nun in Reichweite”, schrieb Carney.Banken mussten seit der Krise weltweit mehr als 320 Mrd. Dollar für damit in Verbindung stehende Geldstrafen und Kosten juristischer Auseinandersetzungen aufbringen. Nun wird die Assetmanagementbranche ins Visier genommen. Das weltweit verwaltete Vermögen sei binnen eines Jahrzehnts von 50 Bill. auf 75 Bill. Dollar gestiegen – oder von 30 auf 40 % der gesamten Assets des Finanzsystems. Das sei eine “grundsätzlich positive” Entwicklung, schrieb Carney, unter anderem, weil dadurch die Abhängigkeit der Wirtschaft von Bankfinanzierungen reduziert wurde. Allerdings seien Fonds mit “Run Risks” besonders stark gewachsen – gemeint ist wohl die Gefahr, dass es zu einem Ansturm von Rückgabewünschen der Anleger kommt, und der Fondsmanager die zugrunde liegenden Assets nicht schnell genug liquidieren kann. Das sei zwar in erster Linie ein Problem des jeweiligen Vermögensverwalters, räumte Carney in der Pressekonferenz ein. “Allerdings haben wir in manchen Fällen festgestellt, dass sie nicht über die dafür nötigen Werkzeuge verfügen.” Der hauptberufliche Gouverneur der Bank of England wollte nicht gelten lassen, dass das Wachstum der Assetmanager viel mit der lockeren Geldpolitik der westlichen Zentralbanken zu tun haben könnte. “Darauf würde ich es nicht zurückführen”, sagte er. “Locker ist relativ. Es sind einfach so niedrige Zinsen wie noch nie.”Der FSB hat sich neue Themen gesetzt: die Auswirkungen der Fintech-Revolution auf die Finanzstabilität, die Gefahr von Cyberattacken, die Auswirkungen des “Derisking” von Korrespondenzbankenbeziehungen auf den Zugang von Drittweltstaaten zum internationalen Finanzsystem und die Offenlegung von Finanzrisiken, die sich aus dem Klimawandel ergeben könnten. “Reformen dürfen nicht statisch sein”, schrieb Carney. “Märkte passen sich an und führen Neuerungen ein. Richtlinien altern, Arbitrage-Möglichkeiten entstehen und unbeabsichtigte Konsequenzen werden offenbar.” Zum Ringen der Europäer und Amerikaner im Baseler Ausschuss um letzte Elemente der Bankenvorschriften sagte er: “Ich glaube, dass eine Übereinkunft möglich ist.” Eine Einigung werde allerdings noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Basel III habe 80 % der Probleme von Basel II gelöst. Käme es wider Erwarten zu keinem Deal, würde ihm das wegen der symbolischen Tragweite und den Auswirkungen auf den Schwung der Reformen Sorgen machen.