WERTBERICHTIGT

Gebeutelte US-Banken

Börsen-Zeitung, 15.4.2020 Der drastische Anstieg der Risikovorsorge bei J.P. Morgan Chase und Wells Fargo lässt erahnen, welche Flut von Kreditausfällen auf die US-Banken zurollt. Anders als hierzulande, wo Kündigungsschutz, Kurzarbeit,...

Gebeutelte US-Banken

Der drastische Anstieg der Risikovorsorge bei J.P. Morgan Chase und Wells Fargo lässt erahnen, welche Flut von Kreditausfällen auf die US-Banken zurollt. Anders als hierzulande, wo Kündigungsschutz, Kurzarbeit, Arbeitslosengeld und aus aktuellem Anlass auch Zuschüsse für Selbständige die Folgen von konjunkturellen Schocks abfedern, müssen viele US-Verbraucher damit rechnen, über Nacht ohne Einkünfte dazustehen, wenn das Geschäft ihres Arbeitgebers wegbricht. Sich über die auch in Krisen steigenden Kreditkartenausgaben der Durchschnittsamerikaner zu mokieren, ist vom Bargeldfetisch geprägte Folklore. Lieber sollte man den gerade von deutschen Instituten immer wieder monierten angeblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber der US-Finanzbranche hinterfragen. So beklagte der scheidende Präsident des Bankenverbands zwar gerade wieder die Belastung durch die negativen Zinsen der Europäischen Zentralbank. Die Rechnung, welche Kreditausfälle der hiesigen Branche durch die umfangreichen sozialen Absicherungen erspart bleiben, macht die deutsche Bankenlobby dagegen selten auf.lee